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Gabriele Schreiber (Leiterin Friedhöfe) und Bürgermeister Peter Freier
Gabriele Schreiber und Bürgermeister Peter Freier © Monika Müller

Friedhöfe erzählen viel über eine Stadt und die in ihr lebenden Menschen. Auf diesen Anlagen kann man die Wertschätzung für die Toten ablesen, aber auch für die Angehörigen und die Bürgerinnen und Bürger, die diese Grünflächen für Trauer, Besinnung, Ruhe und auch Naherholung nutzen. Die Kultusministerkonferenz hat deshalb auf Empfehlung der Deutschen UNESCO-Kommission die Friedhofskultur zum immateriellen Kulturerbe ernannt. Dies geschah am 20. März dieses Jahres, zeitgleich mit dem Lockdown. Das mediale Interesse war entsprechend gering, deshalb gibt es nun einen neuen bundesweiten Anlauf: Rund um den diesjährigen Tag des Friedhofs am 20. September beteiligten sich mehr als 125 deutsche Städte an der Aktion „Friedhöfe auszeichnen“.

Offenbach ist Teil dieses bundesweiten Netzwerks von Städten, die diese Auszeichnung der Friedhofskultur in Deutschland würdigen. Auf dem Neuen Friedhof wurde nun ein entsprechendes Schild aufgehängt. „Nicht die Friedhöfe selbst sind zum immateriellen Kulturerbe ernannt worden, sondern deren Bedeutung für das soziale Miteinander in der Stadt, für die individuelle Trauer, die Vielfalt der Bestattungsmöglichkeiten und die Gestaltung der Anlagen“, sagte Bürgermeister Peter Freier, der an der Anbringung des Schildes teilnahm. Er verwies darauf, dass das große Areal des Neuen Friedhofs auch ein Ort der Integration sei, auf dem christliche, jüdische und muslimische Bestattungen entsprechend der religiösen Vorschriften möglich sind.

Zeitgemäße Friedhofsverwaltung

„Unsere Friedhofsverwaltung entwickelt die Friedhöfe zeitgemäß weiter“, sagt Peter Walther, Geschäftsführer der Stadtwerke Offenbach, die für die Friedhöfe zuständig sind. „So haben wir nicht nur ein weiteres muslimisches Grabfeld ausgewiesen, wir haben auch ein neues Sternenkinderfeld angelegt und wir erweitern derzeit die gärtnerbetreuten Grabfelder auf unseren Friedhöfen. Denn immer mehr Menschen wünschen sich ein Grab, das schön angelegt ist, die Angehörigen aber nicht mit der Pflege belastet. Für diese Nachfrage halten wir ein ansprechendes Angebot bereit.“

Gabriele Schreiber, Leiterin der Städtischen Friedhöfe, erinnerte auch daran, dass der Treffpunkt Friedhof e.V. seinen Sitz auf dem Neuen Friedhof hat und viele zusätzliche Besucher auf das Areal bringt. Dieser rührige Verein lädt zu Lesungen, Vorträgen und anderen kulturellen Veranstaltungen rund um das Thema Bestattungen und Trauer und zum Austausch über diese Themen ein. Zudem sei gerade der Neue Friedhof mit dem großen, harmonisch und vielfältig bepflanzten Memoriam-Garten im Eingangsbereich, dem alten Baumbestand und seinen Friedhofsbienen auch eine schöne, ökologisch wertvolle Grünanlage im Stadtgebiet, sagt Schreiber.

Grundvoraussetzung für die Ernennung der Friedhofskultur in Deutschland zum immateriellen Kulturerbe war für die UNESCO „die Lebendigkeit der kulturellen Ausdrucksform“, heißt es vom Kuratorium Immaterielles Erbe Friedhofskultur. Dieses hat sich der Pflege und Weiterentwicklung dieses Kulturerbes verschrieben. Weitere Informationen über die Friedhofskultur in Deutschland, deren gesellschaftliche Bedeutung und die Ernennung zum immateriellen Kulturerbe stehen auf der Seite www.kulturerbe-friedhof.de.