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Als vor 121 Jahren der Pfarrer Eugen Sommer auf dem damals seit zwei Jahren eröffneten Bieberer Friedhof beigesetzt wurde, stellte man ihm eine Christusfigur auf den Grabstein. Eugen Sommer war hier nicht als Pfarrer, sondern als gebürtiger Bieberer an der östlichen Mauer auf dem ältesten Teil des Friedhofs beerdigt worden.
Die jüngste erhaltene Aufnahme der Christusfigur noch mit Kopf stammt aus
Die jüngste erhaltene Aufnahme der Christusfigur noch mit Kopf stammt aus dem Jahr 2006. © privat

Die Inschrift auf dem Grabstein, der auch die Namen und Sterbedaten seiner Eltern trägt, ist noch gut lesbar. Aber die Christusfigur hat vor allem im Lauf der jüngsten Jahrzehnte stark gelitten. Längst steht sie nicht mehr auf dem Grabstein, ihre Hände fehlen und irgendwann nach 2006 verschwand auch der Kopf.

Bieberer haben Aufarbeitung initiiert

Christa Demuth und Martin Jäger, beide gebürtige Bieberer, haben großes Interesse daran, vor allem auch den alten Friedhofsteil und damit auch die Statue in gutem Zustand zu erhalten. „Wir haben hier viele Gräber von Verwandten und wenn ich mit meinen Enkeln über den Friedhof gehe, fragen sie mich, warum die kopflose Statue da liegt“, erzählt Christa Demuth, „meine Enkelin Dora wollte sogar schon Geld aus ihrem Sparschwein dazugeben, damit die Figur wieder einen Kopf bekommt.“

Bevor allerdings das Sparschwein Schaden nimmt, wollten Demuth und Jäger zunächst mal bei anderen Einwohnerinnen und Einwohnern von Bieber nachfragen, ob sie nicht Geld dafür spenden möchten.

Und sie nahmen Kontakt zu Gabriele Schreiber, Leiterin der Städtischen Friedhöfe unter dem Dach der Stadtwerke Offenbach, auf, wie sie über das Projekt denkt. „Das fanden wir natürlich sofort gut, die Figur ist ja den meisten Friedhofsbesuchern bekannt und es wäre schön, sie wieder in einem guten Zustand an ihren ursprünglichen Platz stellen zu können“, sagt Schreiber.

Figur ist eine Auftragsarbeit - Fotos als Vorlage gesucht

Als Steinmetz wurde Stefan Schneider von der Steinwerkstatt angefragt. Der hat sich den Torso bereits angeschaut und vermutet, dass es sich bei der Figur um eine Auftragsarbeit handelt, keine Standardware. „Deshalb wäre es schön, wenn wir die alte Figur so weit wie möglich im ursprünglichen Zustand wiederherstellen könnten. Es wäre denkbar, dass mit der Arbeit vor mehr als 120 Jahren ein regionaler Steinmetz beauftragt wurde.“

Für die Aufarbeitung der Statue braucht er allerdings eine gute Vorlage. Dabei könnte er die Unterstützung der Bieberer oder auch aller anderen Menschen mit alten Fotoalben gut gebrauchen: Es gibt nur zwei Fotos, die die Christus-Figur zumindest noch mit Kopf zeigen. Eins davon stammt aus dem Jahr 1998 und eins aus dem Jahr 2006. Auch die Nachfrage im Offenbacher Stadtarchiv brachte kein älteres Bild zutage. Deshalb ist die Hoffnung von den beiden Initiatoren und Gabriele Schreiber, dass es noch in einem alten Fotoalbum oder Kästchen in einem Haushalt eine Aufnahme gibt, die die Figur noch mit Händen, vielleicht sogar auch noch auf ihrem ursprünglichen Standort zeigt.  

ESO Eigenbetrieb hat Finanzierung zugesagt

Die Finanzierung hat inzwischen übrigens der ESO Eigenbetrieb der Stadt Offenbach zugesagt. „Das machen wir gerne, wenn wir damit eine prägnante Arbeit auf einem unserer alten Friedhofsteile erhalten können“, sagt der stellvertretende Leiter Christian Loose. Darüber werden sich vermutlich viele Menschen in Bieber freuen – und nicht zuletzt auch Dora, deren Sparschwein erst mal unbeschadet bleiben kann.

Wer noch eine alte Aufnahme von dem Pfarrergrab hat und diese für die Rekonstruktion zur Verfügung stellen möchte, kann sie an die Leiterin der Städtischen Friedhöfe an die E-Mailadresse gabriele.schreibereso-ofde senden, oder sich mit ihr unter Telefon 069/840004-590 in Verbindung setzen.

20. April 2021