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Stadtservice-Mitarbeiter bringen Pfandringe an.
© Bernd Georg
Wenn das Geld zum Leben nicht reicht, gehen auch in Offenbach Menschen auf die Suche nach Pfandflaschen. Das dafür nötige Wühlen im Müll möchte die Stadt Offenbach den Betroffenen ersparen. Deshalb werden nun an ausgewählten Abfalleimern Pfandringe an die Halterung und an Laternenpfählen Pfandblumen angebracht.
Diese sind bereits in anderen Städten, darunter Bamberg, Bochum und Dresden, im Einsatz. Dort sollen Passanten, die das Leergut nicht zum Geschäft zurückbringen möchten, ihre Pfanddosen und –flaschen einstellen. Daraus können sie Pfandsammler mitnehmen, ohne danach in den Behältern mit leeren Fastfoodschachteln, angebissenen Brötchen und gebrauchten Papiertaschentüchern fischen zu müssen. „So können wir mit geringem Aufwand Angebot und Nachfrage zusammenbringen, ohne dass Menschen, die auf dieses zusätzliche Zubrot angewiesen sind, mit der Hand im Abfall suchen“, sagt der zuständige Dezernent und Bürgermeister Peter Schneider. Er hofft auch, dass auf diese Weise weniger Leergut einfach auf den Boden oder in die öffentlichen Grünflächen geworfen wird.

Einjähriger Testlauf mit 50 Pfandringen

Das Angebot der Pfandringe geht auf einen Beschluss der Stadtverordnetenversammlung im März 2017 zurück. Danach soll der Magistrat prüfen, wie ein solches System in Offenbach umgesetzt werden kann und wie viel es kostet. Eine flächendeckende Einführung der Flaschenhalterungen an allen 1250 öffentlichen Papierkörben hätte 265.000 Euro gekostet. Deshalb wird nun ein einjähriger Testlauf mit 50 Pfandringen gestartet. Dabei soll ermittelt werden, wie diese von der Bevölkerung und den Flaschensammlern angenommen werden und welche Folgekosten damit verbunden sind. Der Pilotversuch verursacht Anschaffungskosten von rund 10.500 Euro.

Ein Stadtservice-Mitarbeiter bringt Pfandringe an.
So sehen die Pfandblumen an den Laternen aus. © Bernd Georg

Die Pfandringe wurden jetzt von Mitarbeitern des ESO Stadtservice aus dem Geschäftsfeld Stadtservice an Orten angebracht, die von Passanten besonders stark frequentiert werden und die in einem Radius liegen, den ein Flaschensammler täglich in kurzer Zeit ablaufen kann. Der Klassiker ist dabei die Fußgängerzone, hier sollen 25 Pfandringe zwischen Marktplatz und Aliceplatz flächendeckend installiert werden. Die Abfallkörbe zwischen Aliceplatz und Kaiserstraße bleiben ohne Ringe, damit im Rahmen des Testlaufs verglichen werden kann, wie viel Pfandgut dort noch eingeworfen wird.

Weitere zehn Pfandblumen werden auf der Hafeninsel zwischen Jean-Weipert-Straße und dem oberen Molenpark angeschraubt und die restlichen 15 sind dann auf dem Maindamm ab dem Parkplatz in Höhe der Kaiserstraße angebracht.

Einige Pfandringe nötig, um System zu etablieren

„Wir brauchen schon eine gewisse Menge an Pfandringen, um das System zum Laufen zu bringen, sonst nehmen die Bürger dieses Angebot nicht wahr“, sagt Klaus Dworak, Abteilungsleiter Entsorgung beim ESO Stadtservice. „Mit fünf Stück dringen wir nicht in das Bewusstsein der Leute.“ Die Stahlmanschetten sind in der Innenstadt passend zur Farbe der Abfallbehälter in kobaltblau gehalten, auf der Hafeninsel sind sie anthrazitfarben. Sie werden bei der regulären Leerung der Abfallbehälter von nicht bepfandeten Flaschen und Dosen sowie Unrat befreit und regelmäßig gereinigt. „Wir hoffen, dass wir damit nicht nur bedürftigen Menschen das Leben einfacher machen, sondern auch dazu beitragen, dass weniger Pfandflaschen und -dosen achtlos weggeworfen werden“, sagt Bürgermeister Schneider.

07.09.2017