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Die Hochwasserpumpen werden regelmäßig gewartet
Die Hochwasserpumpen werden regelmäßig von Nils Podrosa und Andreas Hämel gewartet (von links), mit dabei ist Thomas Becker (rechts). © Monika Müller
Von der großen Terrasse vor dem Rumpenheimer Schloss haben Besucher einen wunderbaren Blick über Main und Fähre bis zum anderen Ufer nach Bischofsheim. Die Aussichtsplattform ist aber nur ein Nebenprodukt für den eigentlichen Zweck des Bauwerks. Dort liegt unterhalb des Schlosses die Rumpenheimer Pumpstation. Insgesamt vier solcher großen technischen Anlagen gibt es in Offenbach: Im Maingarten in Bürgel, an der Schleuse zur Stadtgrenze und an der Kuhmühle/Mainstraße. Generell werden überall dort Pumpstationen gebaut, wo im Stadtgebiet das Gefälle so gering ist, dass das Abwasser über eine bestimmte Höhe nicht mehr von alleine fließen kann.

„Wir haben in Rumpenheim insgesamt fünf Pumpen installiert“, erklärt Thomas Becker, stellvertretender Leiter der Entwässerung im Geschäftsfeld Stadtservice der Stadtwerke Unternehmensgruppe. „Drei große, die nur bei Hochwasser und Starkregen zum Einsatz kommen, und zwei kleinere, die rund um die Uhr abwechselnd laufen und das Schmutzwasser pumpen.“ Falls eine dieser beiden Pumpen ausfällt oder die technischen Anlagen gewartet werden, wird der Betrieb nicht unterbrochen.

Damit es gar nicht erst zu Störfällen kommt, werden die Stationen täglich von Nils Podrosa und Andreas Hämel aus der Abteilung Entwässerung kontrolliert oder auch gewartet. Zusätzlich haben alle Pumpen Störungsmelder, die direkt auf das rund um die Uhr besetzte Bereitschaftshandy der Abteilung und zusätzlich per E-Mail an das Büro gehen.

Hochwasserpumpe schafft 32.000 Liter Wasser pro Minute

Mit der Hebeanlage, die in manchem Keller von Privathäusern liegt, teilen die Anlagen der Pumpstation das Funktionsprinzip, sind aber von der Leistung etwas besser aufgestellt: Die normalen Abwasserpumpen können pro Sekunde 120 Liter Abwasser pro Sekunde in Richtung Kläranlage nach Frankfurt zu schicken, die großen jeweils 530 Liter, ebenfalls pro Sekunde. Zum Vergleich: Eine Standard-Feuerwehrpumpe schafft 800 Liter – aber pro Minute. In der Zeit laufen durch eine Hochwasserpumpe 32.000 Liter Wasser ab.

Im Inneren der Pumpstation rauscht das Abwasser durch eine geflieste Rinne in ein unterirdisches Becken. Wird darin ein bestimmter Pegelstand erreicht, pumpt eine der beiden Pumpen in einem benachbarten Raum es in das Kanalnetz.

Wo die Abwasserbrühe durchfließt wird regelmäßig sauber gemacht.
Wo die Abwasserbrühe durchfließt wird regelmäßig sauber gemacht. Nils Podrosa und Andreas Hämel bei der Arbeit am Becken in der Pumpstation Rumpenheim. © Monika Müller

Bei Hochwasser springen drei große Pumpen an

Erst bei Hochwasser und wenn es so stark regnet, dass das Kanalnetz die Wassermassen nicht mehr fassen kann, kommen die drei großen blaulackierten Exemplare gleich im Eingangsbereich der Station ins Spiel: Dann muss der Hochwasserschieber geschlossen werden. So wird vermieden, dass Mainwasser über die Kanalisation zurückdrückt und in die Straßen läuft.

Aber auch das Wasser im Stationsbecken wird nicht mehr in den Kanal gepumpt, entsprechend steigt hier der Pegel über den Normalstand. Darauf sind nun die Sensoren der drei großen Pumpen eingestellt. Je nach Wasserstand springen sie nacheinander an und befördern das mit Regenwasser stark verdünnte Abwasser über die Hochwasserschwelle, das ist der Punkt, über den das Mainwasser nicht mehr steigt, direkt in den Fluss.

Pumpen in Rumpenheim sind rund um die Uhr in Betrieb

Die beiden Rumpenheimer Abwasserpumpen sind die einzigen, die rund um die Uhr in Betrieb sind. Das liegt nicht nur an den geografischen Gegebenheiten, sondern hat auch historische Gründe: Der Ursprungskanal in Rumpenheim wurde lange vor der 1942 erfolgten Eingemeindung nach Offenbach gebaut und liegt tiefer als die Offenbacher Rohre. Entsprechend muss das Abwasser eine Hürde vom Rumpenheimer Kanalnetz in die Offenbacher Rohre überwinden und braucht dabei technische Unterstützung.

Früher wurde das Regen- und Abwasser direkt in den Main geleitet. Die meisten Wohnhäuser hatten aber bis in die 1960er Jahre noch Sickergruben, aus denen regelmäßig große Tankwagen die Abwässer aus Toilette, Küche und Badewanne absaugten. Als die Wohngebiete dann alle an die Kanalisation angeschlossen wurden, baute die Stadt auch die Pumpstation, die nicht nur für einen freien Kanal sorgt, sondern auch den schönen Blick über den Main bietet.

31.07.2019