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Schwäne am Mainufer
Echte Offenbacher: Die Schwäne brüten seit Jahren am Mainufer. Das Absperrgitter trennt sie von Passanten auf dem Fußweg. © SOH
Bei einer Immobilie zählen drei Faktoren: Lage, Lage, Lage. Wenn man also Nachwuchs erwartet, ist es gar nicht so schlecht, direkt am Main mit Nähe zum Spielplatz und mit Anschluss an einen Radweg zu bauen. So jedenfalls hält es seit mehreren Jahren ein Schwanenpaar, das sich regelmäßig im Frühjahr auf der schmalen Fläche zwischen Main und Fußweg unweit des Spielplatzes ein Nest baut und dort brütet. Offenbar hat es dort bisher keine schlechten Erfahrungen gemacht, sonst würde es nicht jedes Jahr erneut kommen und praktisch zu Füßen der Passanten nisten.

Damit das auch so bleibt, erhält es vereinte Offenbacher Unterstützung: Spaziergänger und Radfahrer informieren zuverlässig das städtische Amt für Umwelt, Energie und Klimaschutz, dass das Schwanenpaar wieder sein Nest baut. Dort wiederum rufen die Kollegen beim Stadtservice der Stadtwerke Unternehmensgruppe an und die bauen ein Absperrgitter zwischen der jungen Familie und den Passanten auf.

Mit brütenden Schwänen ist nicht zu spaßen

Dabei ist die Frage, wer eigentlich vor wem geschützt werden muss. Denn dem Gelege oder den Küken eines brütenden Schwanenpaares zu nahe zu kommen wäre eine ähnlich hirnrissige Idee, wie der Versuch, einem Kampfhund die Welpen zu entreißen. Wer noch nicht selbst einen wütenden Schwan in Aktion gesehen hat, kann sich einige beeindruckende Beispiele auf Youtube anschauen.

Schwäne am Mainufer
© SOH

Vor allem Kinder sollten darauf hingewiesen werden, dass ein Besuch am Nest eine ausgesprochen schlechte Idee ist, die heftige Blessuren zur Folge haben kann. Auch die Hunde selbst scheinen sich davor zu hüten, mit den schönen weißen Vögeln auf Konfrontationskurs zu gehen.

Wobei das Paar aktuell tiefenentspannt im Nest hockt und die vielen Spaziergänger, die sich eine Weile das Idyll von der anderen Seite des Zauns anschauen, völlig ignoriert. Die Schwäne vertrauen offenbar darauf, dass die Absperrung als Grenze respektiert wird. Einer der Vögel brütet, vertritt sich auch mal die Beine oder richtet was am Nest, der andere dümpelt unterdessen in Sichtweite meist träge auf dem Fluss.

„Die Schwäne sind Offenbacher“

Das Offenbacher Amt für Umwelt, Energie und Klimaschutz hat übrigens eine relativ profane Erklärung für den ungeschützten Nistplatz: Weil die Vögel am Offenbacher Mainufer ständig von Spaziergängern gefüttert werden, nimmt auch die Population immer weiter zu und die versteckten Nistplätze werden rar. Also nehmen manche Paare auch Plätze, die nicht verborgen liegen. Und da die beiden Schwäne bisher offenbar keine schlechten Erfahrungen gemacht haben, sehen sie wohl auch keinen Anlass, sich eine neue Bleibe zu suchen. Sie sollten aber dennoch auf keinen Fall von den Spaziergängern Futter bekommen.

„Die Schwäne sind Offenbacher“, sagt Heike Hollerbach, Leiterin des Amtes für Umwelt, Energie und Klimaschutz. Die Tiere sind nicht nur standorttreu und kommen deshalb in jedem Frühling wieder an diese eine exponierte Stelle, sondern bleiben auch als Paar ein Leben lang verbunden. Und dieses Leben kann lange dauern: Bis zu 27 Jahre. Es ist also davon auszugehen, dass das Paar sich noch einige Male in unmittelbarer Nähe des Weges niederlässt und dort in Wasserlage, Nähe zum Spielplatz und mit Anbindung an einen Radweg weitere Generationen Offenbacher Schwäne ausbrütet.

12.04.2018