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Heißer Asphalt, schweres und scharfes Gerät, große Höhen, riesige Maschinen und der Straßenverkehr: Die Gefahr lauert für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Geschäftsfeldes Stadtservice der Stadtwerke Unternehmensgruppe überall bei ihrer täglichen Arbeit. Sie stehen an großen Pressen, klettern in Baumkronen, arbeiten im Straßenbau, laufen hinter Müllfahrzeugen her oder stehen neben offenen Kanalschächten und bedienen Schweißgeräte oder Kettensägen. Trotz des besonderen Gefahrenpotenzials gibt es aber nur relativ wenige Arbeitsunfälle beim Stadtservice und fast alle verlaufen glimpflich. Das ist aber nicht nur eine Frage des Glücks, sondern vor allem das Ergebnis konsequenter Prävention.
Baumkolonne des Geschäftsfelds Stadtservice im Einsatz
Gut gesichert am Werk: Mitarbeiter der Baumkolonne. © Bernd Georg

„Wir arbeiten das ganze Jahr daran, Arbeitsunfälle zu vermeiden“, sagt Anne Brendel, Leiterin Qualitätsmanagement beim Geschäftsfeld Stadtservice. Dazu werden vor allem die rund zwei Drittel der insgesamt rund 380 Mitarbeiter geschult, die keinen vergleichsweise sicheren Bürojob haben. „Im fließenden Verkehr sind die Mitarbeiter am meisten gefährdet“, sagt Harald Witt. Er ist Sicherheitsingenieur oder auch Fachkraft für Arbeitssicherheit und bei der Meinhardt Städtereinigung in einer eigenen Beteiligungs- und Beratungs GmbH angestellt. Da das Geschäftsfeld Stadtservice mit Meinhardt auch die Dienstleistungs GmbH gemeinsam stemmt, greift es seit 2014 auch auf dessen Dienste in Sachen Sicherheit zurück. Da beispielsweise ein Baumkletterer oder ein Gärtner, der mit der Kettensäge arbeitet, anderen Gefahren ausgesetzt sind als ein Straßenkehrer, hat Harald Witt entsprechend der Anforderungen der unterschiedlichen Berufsgenossenschaften diverse Fortbildungen absolviert.

Spatenstich
Der richtige Schuh gehört zur Grundausrüstung. © Alexander Habermehl

Arbeitssicherheit ist Pflicht

Wenn es um die Arbeitssicherheit geht, müssen alle ran: Die Geschäftsleitung ist im viermal jährlich tagenden Arbeitssicherheitsausschuss ebenso vertreten wie alle leitenden Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Leiterin des Gremiums ist Anne Brendel, Harald Witt hält hier Vorträge über Arbeitsschutz und erklärt beispielsweise, welche gesetzlichen Neuerungen es gibt und wie sie bei der täglichen Arbeit umgesetzt werden müssen. Die Mitarbeiter selbst werden mindestens einmal im Jahr über Gefährdung und die Vermeidung von Unfällen mit Bildern und Videos geschult. Die Teilnahme ist Pflicht, es werden mehrere Termine angeboten.

Und auch am Arbeitsplatz auf der Straße, in der Sortierhalle, dem Wertstoffhof oder der Werkstatt selbst schaut Harald Witt nach Gefährdungspotenzial und überprüft, ob die eingebläuten Verhaltensregeln auch umgesetzt werden. Er sucht nach Stolperfallen ebenso wie nach manipulierten Geräten, aber auch nach richtig eingestellten Computern und Schreibtischstühlen in Büros und ob bei der Arbeit draußen die Schutzkleidung getragen wird. „Die Schutzkleidung ist beim Stadtservice gut etabliert“, sagt Harald Witt, auch wenn die dicken Sicherheitsschuhe, durch die von unten kein Nagel oder die Hitze von Asphalt durchdringt und deren dicke Eisenstahlkappen die Zehen schützen, wenig geliebt werden: Im Winter kalte und im Sommer kochende Füße, lautet das Fazit der Mitarbeiter. Dafür unversehrte, predigt Harald Witt immer wieder. Die langen Hosen bei Sommertemperaturen bis zu 40 Grad sind ebenfalls keine Verhandlungssache – sie schützen vor spritzendem heißen Asphalt, Abwässern, Farbe und nicht zuletzt vor Sonnenbrand.

Wenige Unfälle und geringe Ausfallzeiten

Prävention, Schulungen und Begehungen sind keine freiwilligen Angebote des Stadtservices, er erfüllt damit gesetzliche Vorgaben. „Aber es gibt hier eine gute Kultur und ein hohes Bewusstsein für Arbeitssicherheit“, sagt Witt. Das Qualitätsmanagement sei sehr gut organisiert. Dies lasse sich auch an den wenigen Arbeitsunfällen ablesen. Aus Datenschutzgründen darf er keinen Vergleich zu anderen Kommunen bekanntgeben, „aber der Stadtservice ist im unteren Drittel der Unfallzahlen und das sind fast immer Bagatellfälle“. Ein Beleg dafür sind die geringen Ausfallzeiten nach einem Arbeitsunfall.

Und wo lauert die größte Gefahr beim Stadtservice? An der Kanalballenpresse, die aus Altpapier und Kartonagen in einer beeindruckenden Maschine riesige bunte Pakete quetscht? In der Werkstatt unter den riesigen Lastwagen? Am Einzug der Müllfahrzeuge? „Maschinen wie die Presse sind kein Problem, wenn sie regelmäßig gewartet und nicht manipuliert werden“, sagt Harald Witt. Viel gefährlicher, zumindest laut Statistik, sind die Trittbretter der Lastwagen, von denen die Mitarbeiter abrutschen oder beim Absteigen falsch aufkommen. Und eine der häufigsten Unfallursachen haben die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter am eigenen Körper: „Viele ziehen ihre Arbeitsschuhe nicht richtig an. Ein knöchelhoher Schuh bringt beim Umknicken nichts, wenn er nicht richtig zugebunden ist.“

Infos:

  • Arbeitsunfälle sind erst meldepflichtig, wenn Arbeitnehmerin oder Arbeitnehmer mehr als drei Tage krankgeschrieben sind.
  • Unterschieden wird in Arbeitsunfälle und Wegeunfälle auf dem Weg zur Arbeit oder von der Arbeit nach Hause. Dazu zählen beispielsweise Stürze bei Glatteis auf dem Weg ins Büro.
  • Zur Prävention sind Betriebe gesetzlich verpflichtet, von einer Fachkraft für Arbeitssicherheit ihre Führungskräfte beraten, die Mitarbeiter schulen und die Arbeitsstätten begehen zu lassen.
  • Ob die gesetzlichen Vorgaben eingehalten werden, wird im Rahmen der sogenannten EfbV überprüft, der für den Stadtservice geltenden Entsorgungsfachbetriebeverordnung.

15.08.2019