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Ralf Hohs,vermisst ein Schlagloch.
Ralf Hohs misst die Tiefe eines Schlaglochs und trägt sie dann direkt in den Plan auf seinem Tablet ein. © Monika Müller
Spektakuläre Wolkengebilde, blühende Bäume, vorbeifliegende Vögel bemerkt Ralf Hohs nicht, wenn er beruflich rund 15 Kilometer pro Tag auf Offenbachs Gehwegen unterwegs ist. Sein Blick ist immer nach unten gerichtet und gilt dem Pflaster auf dem Bürgersteig und dem Straßenasphalt. Der Angestellte des Stadtservices der Stadtwerke Unternehmensgruppe ist Straßenbegeher, so die offizielle Berufsbezeichnung.

>Sein Arbeitsplatz sind die 320 Kilometer Offenbacher Straßennetz. Als gelernter Baumaschinenführer weiß Hohs, auf welche Schwachstellen er bei einer Straße zu achten hat. Er und ein weiterer Kollege schreiben bei ihren getrennten Touren auf, wo  Stolperfallen auf dem Gehweg aufragen oder sich Schlaglöcher auftun, sie begutachten die angrenzenden Radwege, Sinkkästen, Kanaldeckel, Schieberkappen auf Gefährdungspotenzial. Diese Schäden werden mit der Spraydose markiert, damit sie von den Kollegen vom Straßenbau beseitigt werden können.

Ihre Touren richten sich nach einer Prioritätenliste, auf der alle Offenbacher Straßen kategorisiert sind: Hauptverkehrsstraßen nehmen die Straßengeher alle zehn Tage unter die Füße, Fußgängerzonen, Bahnunterführungen, Treppenanlagen werden wöchentlich abgelaufen. Insgesamt werden so jährlich rund 6300 Kilometer öffentliche Verkehrsflächen in Offenbach begangen und auf ihre Verkehrssicherheit geprüft.
Bisher haben Ralf Hohs und sein Kollege sich dabei per Hand Notizen von den rund 100 täglich auffallenden Schäden gemacht. Im Anschluss wurden diese am Computer beim Stadtservice in der Daimlerstraße 8 aufwändig in eine Datenbank händisch übertragen. Seit Anfang dieses Jahres konfiguriert und installiert ein beauftragter Softwareentwickler gemeinsam mit den Abteilungen EDV und Straßenbau eine auf das Offenbacher Straßennetz zugeschnittene Software, die in ähnlicher Form bereits in anderen Kommunen erfolgreich eingesetzt wird. Mit dieser Digitalisierung der Straßenkontrollen wird der Arbeitsablauf deutlich verbessert.

Schlagloch in einer Straße.
Markantes Schlagloch auf der Fahrbahn einer Straße. © Monika Müller

Digitale Dokumentation

Zur Zeit testen die Straßenbegeher nun ein regen- und stoßfestes sogenanntes Fieldbook, ein Tablet mit eingespieltem Stadtplan. „Die Kollegen können auf dem Display neben dem Satellitenbild der betreffenden Straße die Schlaglöcher und Mängel samt Anmerkungen und einem Foto als Vorgang direkt anlegen und bearbeiten“, sagt Thomas Möller, Leiter der Abteilung Straßenbau beim Stadtservice. „Die Eingaben landen in Echtzeit auf dem Server und können direkt von den eigenen Bautrupps je nach Dringlichkeit entsprechend kurzfristig abgearbeitet werden.“

„Das ist nicht nur effektiver und spart die Nachbereitung, auch Übertragungsfehler sind ausgeschlossen“, sagt Barbara Link aus der IT-Abteilung des Stadtservices. Perspektivisch soll auch die Aufbruchsverwaltung digitalisiert werden. Wann immer dann eine Fahrbahn von anderen Versorgern für die Verlegung beispielsweise von Telefon- oder Stromleitungen aufgegraben wird, wird dies von den Straßenbegehern per Tablet dokumentiert. Weist die wiederhergestellte Fahrbahn später Schäden auf, kann mit diesen Aufzeichnungen der Verursacher ermittelt und zur Reparatur herangezogen werden.
Die Routen der Straßenbegeher werden ebenfalls jeden Tag aufgezeichnet und gespeichert. Diese Linien im digitalen Stadtplan können eines Tages bares Geld wert sein: „Eine Kommune hat die gesetzliche Vorgabe, ihrer Verkehrssicherungspflicht nachzukommen, das heißt ihr Straßennetz regelmäßig zu kontrollieren und Schäden zu reparieren, und muss dies auch dokumentieren“, sagt Thomas Möller. „Mit diesen Aufzeichnungen können wir bei einem Versicherungsfall nachweisen, dass wir dieser Verpflichtung nachgekommen sind.“ Denn das Gerät kann nicht manipuliert werden.

Zusätzlich überprüfen die Straßenbegeher die Eingänge im Mängelmelder. Unter https://www.offenbach.de/maengelmelder können Bürger die Stadt auf Straßenschäden hinweisen. „Die Angaben sind aber nicht immer genau“, sagt Hohs und empfiehlt, dass jeder Melder ein Foto mit Adresse beifügt. „Bevor dann die Kollegen aus dem Straßenbau lange nach dem Schaden suchen, schauen wir uns die Sache an und machen dann exakte Angaben.“ Dabei kann sich dann auch mal die Meldung „tiefes Schlagloch“ sowohl als ein fünf Zentimeter tiefes Löchlein als auch als einen Meter tiefer Straßeneinbruch entpuppen.
Solche Straßeneinbrüche können die Straßenbegeher nicht vorhersehen. Ursache dieser Schäden ist meist ein Defekt am Kanal tief im Boden, der zu Ausschwemmungen des darüber liegenden Erdreichs führt. Manchmal geben auch dort, wo vor Jahrzehnten Häuser standen, nicht richtig verfüllte Keller nach. Hohs erzählt aber noch von einer weiteren, vermeidbaren Ursache: „In der Nähe von Hochhäusern oder Restaurants, wo Lebensmittelreste durch die Toilette statt kostenlos in die Biotonne entsorgt werden, hatten wir auch schon Einbrüche von Löchern, die die vielen davon angelockten Ratten gegraben haben.“

Seinen Job mag Hohs sehr gerne, natürlich vor allem bei schönem Wetter. Aber auch Regen, Frost und Sturm stoppen ihn nicht: „Wir gehen immer.“

27.09.2018