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Große Klassik intensiv erleben – unter diesem Motto bietet die Capitol Classic Lounge nun schon seit 2006 außergewöhnliche Konzerte im Offenbacher Capitol Theater.

Als besonderen Erfolg kann die Musikreihe die große Zahl von Abonnentinnen und Abonnenten verbuchen: Mittlerweile sind fast die Hälfte der 860 Plätze pro Saison fest belegt. Als Dank für deren Treue luden die Verantwortlichen die CCL-Freunde nun erstmals zu einer exklusiven Veranstaltung: Am Montagabend, 1. Juni 2015, durften sie selbst auf der Bühne Platz nehmen, sie erhielten vorab Einblicke in die zehnte CCL-Spielzeit und stießen im Backstage-Bereich auf die neue Saison an.

Das neue Format wurde gleich hervorragend angenommen: Rund 150 Gäste genossen den ungewohnten Seitenwechsel im Capitol. „Jetzt nehmen wir einmal die Perspektive des Orchesters ein“, freute sich ein Abonnent, als er von der Bühne aus den Blick über die Publikumsplätze im Palladium schweifen ließ. Einige Musiker der Neuen Philharmonie Frankfurt spielten an diesem Abend exklusiv für die Gäste – und blickten dabei ihrerseits auf die Bühne.

Domizil in Offenbach war für Musiker „ein Sechser im Lotto“

“Die Capitol Classic Lounge ist eine wunderbare Offenbacher Erfolgsgeschichte: Sie zeigt, wie aus einem kleinen Knotenpunkt ein großes Netz entsteht“, sagte Oberbürgermeister und Kulturdezernent Horst Schneider, der auch CCL-Schirmherr ist. Alles begann damit, dass die Neue Philharmonie Frankfurt Anfang 2005 ein neues Domizil suchte. „Capitol-Geschäftsführerin Birgit von Hellborn und ich boten dem Orchester einen Proberaum im Capitol an, was sich als großer Glücksgriff erwies“, berichtete Classic-Lounge-Initiator Winfried Männche, Geschäftsführer der Gemeinnützigen Baugesellschaft Offenbach (GBO). Als Gegenleistung für 20 kostenlose Probetage verpflichtete sich die Neue Philharmonie Frankfurt (NPF), eine Sinfoniekonzertreihe zu konzipieren.

„Was heißt Verpflichtung – das war für uns wie ein Sechser im Lotto“, betonte der kaufmännische Leiter der NPF, Dirk Eisermann. In einer Blitzaktion kamen die Verträge zustande, die Musiker zogen nur 14 Tage nach den ersten Gesprächen im Capitol ein – und Offenbach bekam ein Sinfonieorchester mit mehr als 50 Mitgliedern. „Dafür zahlen andere Städte etliche Millionen Euro im Jahr“, sagte Männche. In Offenbach kostet eine Spielzeit etwa 230.000 Euro, die zur Hälfte aus dem Kartenverkauf finanziert wird. Die Zahl der Abos hat sich von knapp 200 auf gut 400 verdoppelt, und im Durchschnitt sind etwa 90 Prozent der Plätze belegt.

Dass sich die Stadt ein solch renommiertes Kulturangebot leisten kann, ist auch den Sponsoren zu verdanken, die die andere Hälfte der Kosten tragen. Treue Unterstützer sind unter anderem die GBO aus dem Geschäftsfeld Immobilien der Stadtwerke Offenbach Holding, die EVO, die Sparkasse Offenbach und Sparkassenstiftung Hessen-Thüringen, die Messe Offenbach und die Mediacom. Neu dazugekommen ist die Societät Knolle. Weitere Unternehmer und eine Gruppe Offenbacher Bürger unter der Federführung von Michael Beseler tragen die Veranstaltung mit. Auch die OSG Offenbacher Stadtinformation Gesellschaft mbH unterstützt von Anfang an die Capitol Classic Lounge. „Das Programm wird jedes Jahr ein Stück besser, auch wenn das kaum mehr möglich scheint“, sagte OSG-Geschäftsführer Matthias Müller.

Orchester spielt auch mit David Garrett und Deep Purple
Seit Beginn der Reihe 2006 sind die außergewöhnlichen Programme, die Dr. Ralph Philipp Ziegler als künstlerischer Leiter der Neuen Philharmonie Frankfurt dramaturgisch gestaltet, ein Kennzeichen der CCL. „Das Orchester nimmt das Ernste durchaus ernst, es nimmt aber auch vieles sonst auf, was das Leben spannend und schön macht.“ Die Mischung passe perfekt zum Capitol – einem „historisch aufgeladenen Gebäude, das gleichzeitig chic und glamourös ist“, so Ziegler.

Dieser Stil-Mix prägt alle Auftritte der Neuen Philharmonie Frankfurt. „Klassische Musik trifft auf Pop und Rock – das war von Anfang an unsere Geschäftsidee, und in Bezug auf diesen Mix sind wir bundesweit das gefragteste Orchester“, berichtete Eisermann. Die NPF trat mit weltberühmten Sängern wie José Carreras und Andrea Bocelli auf, sie spielte mit Rock-Legenden wie Deep Purple und Peter Gabriel und gilt als „Hausorchester“ des Star-Geigers David Garrett, mit dem es ab 12. Juni auf die „Classic Revolution“-Tour durch Deutschland geht. „Das A und O unseres Orchesterwirkens“ sind für Dirk Eisermann aber die Abende der Capitol Classic Lounge in Offenbach.

Der Gedanke, abseits gewohnter Grenzen zu arbeiten, prägt auch das Programm der Jubiläumsspielzeit. Neben großen Klassikern stehen ein Live-Hörspiel und ein sinfonisches Märchen sowie „Nebbia a Venezia“ nach Karl Leipold auf dem Spielplan, und natürlich darf der Stummfilm-Klassiker mit musikalischer Live-Begleitung nicht fehlen.

Spielzeit 2015/16 bietet Mahlers Fünfte und „Modern Times“

Für das Eröffnungskonzert am 11. Oktober kündigte Ziegler die „Fünfte“ von Gustav Mahler an, „die größte je in der Reihe gespielte Sinfonie“, was ein Raunen in den Reihen der Abonnenten auslöste. Dirigent ist der Offenbacher Roland Boer, der die Classic Lounge von Beginn an begleitet und mittlerweile auch an Häusern wie der Mailänder Scala dirigiert. Am 8. November folgt „British Vol.2 – Hidden Jewels“, eine Fortsetzung des mehr als 40-mal gespielten Kult-Programms „…absolutely British!“ Zu den Klassikern des Königreichs zählen diesmal „Land of Hope and Glory“ und das gruselige „The Hound of the Baskervilles“ für Sprecher und Orchester sowie ein archaischer Auftritt mit Dudelsack und Schottenrock.

Tschaikowskys „Dornröschen“ beehrt die Capitol-Bühne zum Weihnachtskonzert am 6. Dezember, hinzu kommt laut Ziegler eine echte Uraufführung: Die sinfonische Kantate über alte Advents- und Weihnachtslieder von Tomasz Adam Nowak wird derzeit noch komponiert. Um „FarbLichtKlang“ geht es dann bei der Panorama Lounge am 21. Februar. „Der Zusammenklang von Ton und Licht wird seit über 100 Jahren auf der Bühne erprobt, da wird es für uns höchste Zeit“, sagte Ziegler und erntete einige Lacher, als er die Lichtkunst zu Mozarts Don Giovanni-Ouvertüre als „Fifty Shades of Green“ ankündigte. Illuminierte Werke von Rachmaninow, Debussy und Vivaldi, aber auch aus „Star Wars“, gehören ebenfalls zum Programm.

„Sie ermöglichen uns das, was wir lieben“

Freudig reagierte das Publikum auf die Ankündigung der Capitol Cinema Lounge: Charlie Chaplin ist am 20. März als Tramp in seinem Stummfilm-Klassiker „Modern Times“ zu sehen. Am Dirigentenpult steht Frank Strobel, ebenfalls ein Bekannter aus frühen CCL-Jahren, der europaweit zu den angesehensten Filmmusik-Dirigenten gehört. Am 1. Mai geht es um ein „JahrHundert“ - dann jährt sich die Einweihung der Jüdischen Synagoge, die heute das Capitol beherbergt, zum 100. Mal. „In Offenbach stand damals einer der modernsten Sakralbauten Europas“, berichtete GBO-Geschäftsführer Männche. Zur Feier des Jubiläums erklingt die jubelnde „Lobgesang“-Sinfonie Felix Mendelssohn Bartholdys. Um der wechselvollen Geschichte des Gebäudes gerecht zu werden, kommt auch das unendliche Leid der Juden im Dritten Reich in der Musik des einzigen bedeutenden deutschen Komponisten der inneren Emigration, Karl Amadeus Hartmann, zum Ausdruck.

Die „Last Night of the Lounge“ ist dann schon traditionell das Offenbacher Lichterfest im August; der Abend steht unter dem Motto „Männersachen“ - von Richard Wagner bis Robbie Williams. Auch bei diesen Open-Air-Konzerten, die sie manchmal im strömenden Regen unter Plastikcapes verbringen müssen, erscheinen die Abonnenten immer sehr zahlreich. „Sie ermöglichen uns das, was wir lieben und was für uns die Orchestermusik ausmacht“, sagte Dirk Eisermann. Zum Dank für ihre Treue waren die Gäste abschließend zu einem Umtrunk mit Häppchen in den Backstage-Bereich neben der Bühne geladen, den sonst nur die Musiker betreten dürfen.

01.06.2015