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Beschreibung

Rudolf Andorn lebte mit seinen Eltern Florentine und Jakob Andorn und seinen vier Schwestern in der Mittelseestr. 34 in Offenbach. Er war das „Nesthäkchen“, sehr spät hatte die Familie doch noch einen Sohn bekommen. Seine vier Schwestern Irene, Else, Lieselotte und Margot waren älter als er.

Im Erdgeschoss befand sich damals das Geschäft für Schneiderbedarf von Florentine Andorn. Voller Angst erlebte die Familie die Pogrome, Zerstörungen und Plünderungen während der Pogromnacht am 9./10. November 1938, auch sie und ihr Haus waren davon betroffen.

Kurz darauf schickten die Eltern ihre fünf Kinder ins Ausland, zunächst nach Belgien. Doch der Junge Rudolf kam zu seinen Eltern zurück, seine Schwestern waren mit seiner Betreuung überfordert. Die vier Mädchen konnten in Belgien im Untergrund die Nazizeit überleben. Die folgende Zeit war geprägt von der Angst und vielen verzweifelten und erfolglosen Versuchen, das Land mit einem Visum verlassen zu können.

Die Großmutter von Rudolf Andorn, Karoline Andorn, ist Ende Januar 1939 zu ihrer Tochter Ida Wolf in das Nachbarhaus, Hospitalstr. 01 gezogen, um den vielen jüdischen Menschen Platz zu machen, die seit 1939 zusätzlich hier wohnten. Karoline Andorn wurde im Alter von 83 Jahren zusammen mit anderen Nachbarn am 27. September 1942 nach Theresienstadt deportiert.

Rudolf Andorn und seine Eltern wurden drei Tage später zusammen mit anderen Mitbewohnern abgeholt. In den Akten steht: „verschollen in Polen“. Rudolf Andorn wurde 15 Jahre alt.


Hospitalstraße 1
63065 Offenbach