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Beschreibung

Emil Rosenberg wurde am 10. Dezember 1887 in Bürgel als Sohn des jüdischen Kaufmanns Alfred Rosenberg und seiner Ehefrau Regina Rosenberg, geb. Meyer geboren. Im Mai 1920 heiratet er Fanny Blum aus Göttingen. Mit ihren drei Kindern leben sie in Offenbach, seit 1927 in der Hohe Straße 35.

Sie alle gehören zur Israelitischen Religionsgemeinde. Emil arbeitet nach seiner Ausbildung an der Kunstgewerbeschule Offenbach als Vertreter und selbständiger Kaufmann in Lederwaren. Nachdem ihm diese Tätigkeit verboten wird, errichtet er in seiner Wohnung eine kleine Produktionsstätte für hochwertige Kleinlederwaren und deren Vertrieb. Seine Spezialität sind Brieftaschen und Herrentresors aus Krokodil- und Saffianleder.

Ihren drei Kindern wird der Besuch einer öffentlichen Schule noch vor dem Verbot unmöglich gemacht. Sie besuchen seit 1935 die Jüdische Bezirksschule in einem Seitenbau der Synagoge in der Kaiserstraße. Während der Pogromnacht zieht die NSDAP-Ortsgruppe Senefelder am 10. November 1938 in mehreren Gruppen marodierend durch die Straßen. Zahlreiche Schaulustige folgen ihnen. Unter der Leitung des Ortsgruppenleiters Kronenberger zerstören sie jüdische Geschäfte und Wohnungen. Der auf die jüdische Bevölkerung ausgeübte Druck ist unübersehbar.

Emils Geschwister, 2 Brüder und eine Schwester, flüchten aus Offenbach ins Ausland nach Großbritannien und Australien. Auch Rosenbergs Sohn gelingt noch im Dezember 1938 mit 15 Jahren die Flucht nach Belgien. Die älteste Tochter flieht im März 1939 im Alter von 17 Jahren nach Großbritannien. Die Eltern bleiben mit ihrer 10jährigen Tochter Ruth in Offenbach zurück.

Die finanzielle Lage wird immer unerträglicher, nachdem Emil auf Grund der „Verordnung zur Ausschaltung der Juden aus dem deutschen Wirtschaftsleben“ im Dezember 1938 auch sein Gewerbe in der Hohe Straße abmelden muss. Die Familie ist jetzt auf die finanzielle Unterstützung von Fannys Mutter Ester angewiesen. Aber auch deren Vermögen unterliegt einer „Sicherungsanordnung“ der Zollfahndungsund der Devisenstelle, ist also ihrer freien Verfügung entzogen. Außerdem wird sie gezwungen, eine „Judenvermögensabgabe“ als „Sühneleistung“ für „die feindliche Haltung des Judentums gegenüber dem deutschen Volke“ zu entrichten. Ihr Kaufhaus für Manufaktur- und Möbelwaren in Göttingen hat sie bereits 1934 unter Druck verkaufen müssen.

Bei einem Aufmarsch der Göttinger SA Ende März 1933 anlässlich des reichsweit bevorstehenden Boykotts jüdischer Geschäfte werden ihr die Fensterscheiben eingeschmissen. Ihre vier Söhne haben Deutschland längst den Rücken kehren müssen. Nachdem auch Fannys letzte Schwester ins Ausland geflüchtet ist, zieht ihre Mutter Ester 1940 mit ihrer Tochter Fanny, ihrem Schwiegersohn und ihrer Enkelin in Offenbach a.M. zusammen. „Ein Jude kann sich auf den gesetzlichen Mieterschutz nicht berufen“, heißt es seit April 1939 lapidar im „Gesetz über Mietverhältnisse mit Juden“.

Ende 1940/Anfang 1941 werden sie gezwungen, gemeinsam in die Kaiserstraße 115 umzuziehen, eines der Offenbacher Häuser, in denen Juden zusammengepfercht werden, bevor sie in den Tod deportiert werden. Ester wird von der Gestapo im September 1942 nach Frankfurt verbracht und am 15. September 1942 von dort in das Ghetto Theresienstadt verschleppt, wo sie am 8. Dezember stirbt.

Ihre Tochter Fanny wird mit deren Ehemann Emil und der gemeinsamen Tochter Ruth sowie Fannys Schwägerin Frieda Rosenberg, geb. Hahn, am 30. September von Darmstadt aus deportiert – vermutlich in das Vernichtungslager Treblinka. Auch Emils Vater, der seit 1939 in einem jüdischen Altersheim in Mainz lebt, wird 3 Tage zuvor von Darmstadt in das Ghetto Theresienstadt verschleppt und stirbt dort am 10. Februar 1943. Fannys Bruder Siegfried wird nach seiner Flucht in Belgien inhaftiert, nach Auschwitz deportiert und schließlich 1945 in Buchenwald ermordet.


Hohe Straße 35
63069 Offenbach