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Eingang
© Katja Lenz

Beschreibung

In authentischer Kino-Atmosphäre der 70-er Jahre, aber mit moderner Technik zeigen die Mitglieder des Filmclubs ihre selbst produzierten Videos: Die Kurzfilme, Dokumentarfilme und freien Arbeiten sind oft auf hohem Niveau realisiert. Gäste sind jederzeit und herzlich willkommen.

Das sanfte Licht aus den Kugellampen an der Wand verlöscht, der goldene Vorhang öffnet sich. Musik ertönt, der Film beginnt. Hinter der Glasscheibe am Kopfende des Raumes justiert der Filmvorführer einige Regler. Im Zuschauerrraum des Studios ist es still, die Zuschauer blicken konzentriert auf die große Leinwand. Doch hier laufen weder Actionstreifen noch Schmachtfetzen aus Hollywood, sondern selbstgedrehte Filme. Gezeigt werden sie im Studio des Filmclubs Offenbach im Hinterhof der Bernardstraße 17. 1980 haben sich die Mitglieder des Vereins ein eigenes Kino im Lagerraum einer Schreinerei gebaut, und seit damals ist alles unverändert geblieben. Nur die Technik entwickelte sich schnell. Der perfekt verlegte, braun-gemusterte Teppichboden an den Wänden sieht aus, als sei er erst gestern wegen der guten Schalldämmung verlegt worden.

Hier laufen Eigenproduktionen. Reportagen, Naturfilme, Reiseberichte aus der weiten Welt und Filme, die Menschen aus der Nachbarschaft vorstellen. Vor einigen Jahren waren es sogar Spiel- und Zeichentrickfilme. Die Vereinsmitglieder produzieren alles selbst, suchen die Themen, recherchieren, basteln am Skript, wenn nötig am Drehbuch, drehen, schneiden und vertonen. Und sie zeigen den fertigen Film den anderen Vereinsmitgliedern im Studio. Bei den Clubabenden wird intensiv diskutiert und bewertet: Passt die Musik? Sind die Schnitte gut gesetzt? Trägt der Spannungsbogen?

„Hier liefen immer nur die selbst produzierten Filme einer verschworenen Gemeinschaft. Das ist bis heute so geblieben“, sagt der Vereinsvorsitzende Thomas Kempf, dessen Arbeiten bei vielen Wettbewerben mit Gold ausgezeichnet wurden und einige sogar beim Festival des Amateurfilm-Weltverbandes in Südkorea zu sehen waren. Er hat beispielsweise das Porträt eines schwerbehinderten Fliegers produziert oder einen Film über „Gerdas kleine Weltbühne“ in Mühlheim. Sie alle waren zuerst im Studio zu sehen.

1958 gründeten drei Filmfans in Bürgel den „Schmalfilm-Club Offenbach“. Die Filmer drehten auf Doppelacht, bis sich Super Acht durchsetzte. Sie improvisierten mit Licht, Ton und Objektiven, tricksten und probierten, bis die Idee auf Zelluloid gebannt war. 1980 wurde der Verein heimatlos, als er den Saal des Bürgeler Hotels Lindenhof nicht mehr nutzen konnte. Der Schreinerei-Besitzer Arno Planker stellte einen großen Lagerraum zur Verfügung. Der mühevolle Umbau im Hinterhof begann. Das Clubstudio mit etwa 50 Plätzen, einer Bühne, Kinobeleuchtung, Vorführraum und viel Technik entstand. Der Verein organisiert auch Festivals – etwa das jährliche Hessische Amateurfilmfestival in Seligenstadt. Wenn aber andere Clubs und Vereine zu Besuch kommen, staunen die Mitglieder. Denn das Studio in der Bernardstraße ist in ganz Deutschland außergewöhnlich. Es hat schon einige Kinogenerationen vom Zelluloid bis zur 3d-Digitaltechnik kommen sehen. Und wieder gehen. Film ab!

http://www.filmclub-offenbach.de