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Der Masterplan-Prozess hat wichtige Impulse geliefert und auch die Wirtschaftsförderer um Amtsleiter Jürgen Amberger haben in den letzten Monaten viel bewegt: 141 Gewerbe-Neuansiedlungen, Bestandspflege und ein Plus von 1300 sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätzen, dazu insgesamt weniger Leerstand bei Büro- und Gewerbeflächen, tragen zu einer vergleichsweise positiven Jahresbilanz bei.

„Während der Wohnungsmarkt wächst, herrscht im Gewerbe beinharte Konkurrenz“, bringt es Oberbürgermeister und Planungsdezernent Horst Schneider auf den Punkt. Mit dem Masterplan, der im Februar 2016 in den Gremien beschlossen werden soll, sind wichtige Weichen für die weitere Entwicklung der Stadt gestellt. In dem Anfang des Jahres von dem Verein „Offenbach offensiv“ um IHK-Präsident Alfred Clouth und Oberbürgermeister Horst Schneider angestoßenen Masterplan-Prozess hatten Stadtplaner und Architekten des Planungsbüros Albert Speer & Partner (AS&P), Bürger und Entscheider Ideen für die Stadt entwickelt und diskutiert, die Offenbach in den nächsten fünfzehn bis zwanzig Jahren für Investoren attraktiv und für die Bewohner weiterhin lebenswert machen. Die Verzögerung sei „in Anbetracht des Geltungsbereiches bis 2030“ absolut zu verschmerzen, meint Schneider: „Immerhin geht es dabei eben auch darum, Investoren und Unternehmen langfristig Planungssicherheit zu geben.“ „Sie wollen schließlich wissen, ob ihre Investitionen sinnvoll und werthaltig sind“, ergänzt Jürgen Amberger, Leiter der Wirtschaftsförderung.

„Schwankungen der Unternehmensgröße und daraus resultierende veränderte Flächenbedarfe sind je nach Auftragslage normal“, weiß der Wirtschaftsförderer. Umso wichtiger ist die Bestandspflege, um Abwanderungen zu verhindern und gleichzeitig Neuansiedlungen zu akquirieren. So wurden auch ansässige Unternehmen intensiv in den Masterplan-Prozess eingebunden und zahlreiche Einzelgespräche geführt. Darüber hinaus zeigten die Wirtschaftsförderer bei unterschiedlichen Veranstaltungen in der Rhein-Main-Region und auch bundesweit Präsenz und waren auch bei der wichtigsten Immobilienmesse Europas vertreten, um für den Standort Offenbach zu werben. Mit Erfolg, immerhin entwickelten sich aus den zahlreichen Gesprächen zwei konkrete Aufstellungsbeschlüsse für vorhabenbezogene Bebauungspläne und drei Bauanträge, die voraussichtlich Anfang 2016 eingereicht werden.

Eigene Veranstaltungsformate

Neben dem Besuch von Unternehmen und Veranstaltungen, war die Wirtschaftsförderung auch 2015 mit eigenen Formaten vertreten. Darunter mit inzwischen etablierten Veranstaltungen wie dem Sommerfest der Kreativwirtschaft, aber auch mit neuen Themen wie dem Symposium „Webinale“, das zum zweiten Mal gemeinsam mit der Frankfurter Software & Support Media im Capitol realisiert wurde. Oder den „Goethe Lectures“, einer „kleinen feinen Reihe“, so Amberger, die in Kooperation mit dem Exzellenzcluster „Normative Ordnung“, einem interdisziplinären Forschungsverbund an der Goethe-Universität Frankfurt im Klingspor-Museum stattfand. „Neben dem Knüpfen von Kontakten und der Netzwerkpflege geht es dabei auch darum, den Standort Offenbach für Kreative und Unternehmen weiter zu positionieren“, erläutert Amberger.

Kreativwirtschaft wächst

Immerhin zählt die Förderung der Kreativwirtschaft seit 2007 zu einem wichtigen Tätigkeitsschwerpunkt der Wirtschaftsförderung und das mit Erfolg: so hat sich die Zahl der Unternehmen der Kreativwirtschaft in den letzten Jahren mehr als verdoppelt und ist von 1345 (2007) auf 2967 (2013) gestiegen. „Dabei“, erklärt Amberger, „sind alle Sparten gleichmäßig vertreten, eben Werbung, Marketing, Unternehmensberatung, IT-Wirtschaft und natürlich auch Design, Grafik und Mode.“ Von ein-Mann-Agenturen bis zu größeren Unternehmen ist alles dabei, wichtig sei, kleinere Agenturen auch über Gründerkredite und Netzwerke beim Wachstum weiter zu unterstützen und ihnen dann die geeigneten Flächen anzubieten, so Amtsleiter Amberger weiter.

Flächenmanagement neu aufgestellt

Ein Grund, weshalb das Flächenmanagement Anfang des Jahres neu aufgestellt wurde. Diplom-Verwaltungswirtin Verena Sänger hat diesen Bereich im Januar übernommen und sich in einem ersten Schritt mit allen zur Verfügung stehenden Flächen in Offenbach vertraut gemacht: „Mir war es wichtig Objekte und Eigentümer kennenzulernen, um bei Anfragen individuelle Angebote machen zu können.“ Interessenten erhalten bei ihr daher nicht nur eine Liste mit Flächen und Preisen, sondern auch eine individuelle Einschätzung. „Denn“, so Sängers Credo „die Flächen müssen hundertprozentig passen.“ Diese Herangehensweise hat sich bewährt, so konnte sie nicht nur den Eigentümer einer 2000 Quadratmeter großen Liegenschaft in Bieber-Waldhof von einer kleinteiligen Vermietung an Künstler und Existenzgründer überzeugen, sondern auch elf Unternehmen neu in Offenbach ansiedeln.

Gründerstadt Offenbach

Neben Neuansiedlungen und der Bestandspflege kümmert sich das Team der Wirtschaftsförderung auch um Neugründungen und startups. Auch dies mit Erfolg, mit 12,09 Prozent Gewerbeneueinrichtungen je 1.000 Einwohner nimmt die Stadt Offenbach bereits zum neunten Mal in Folge den Spitzenplatz des bundesweiten NUI-Rankings (Neue Unternehmerische Initiative) ein. Dieses Ergebnis führt Amberger auf die guten Rahmenbedingungen, aber auch die Struktur der Stadt zurück, nämlich eine vergleichsweise größere Risikobereitschaft bei jungen Menschen und jenen mit Migrationshintergrund, die hiesige Kreativschmiede HfG (Hochschule für Gestaltung), relative günstige und flexible Flächenangebote und ein gutes Gründernetzwerk. „Zudem leisten die Zollamtstudios und der Ostpol einen wichtigen Beitrag. Aber wir brauchen weitere solche Hotspots mit Magnetwirkung, wie beispielsweise den im Masterplan vorgesehenen Campus auf dem Clariant-Gelände.“ „Die Entwicklung des 3 Hektar großen Areals müsse zügig angegangen werden“, ergänzt Schneider, „damit die Flächen in vier bis fünf Jahren zur Verfügung stehen.“

Innenstadt

Ein zentrales Element für die Entwicklung Offenbachs ist die Innenstadt, hier gilt es in den nächsten Jahren wichtige gestalterische Akzente zu setzen, um deren Attraktivität und Aufenthaltsqualität zu steigern. Mit dem geplanten Umbau des Marktplatzes wird zwar eine Flaniermeile vom Wilhelmsplatz bis zum Aliceplatz geschaffen, allerdings, weiß Amberger, muss auch das Angebot in der Innenstadt stimmen. Hier sei der Einzelhandel gefragt, sich mit attraktiven Angeboten gegen den Internethandel durchzusetzen. Bundesweit hat die Kundenbindung im stationären Handel nachgelassen und die Prognosen gehen von einer weiteren Abnahme aus: 93,8 Prozent der Umsätze wurden 2008 noch im stationären Handel generiert, 2013 waren es noch 90,3 Prozent und bei einer weiteren Fortschreibung dieses Trends werden es bis 2020 noch 78 Prozent sein. Mit der Verbindung aus Onlinebestellung und stationärer Abholung, dem sogenannten „click & buy“ versuchen beispielsweise Häuser wie C&A oder Kaufhof diesem Trend zu begegnen. Ob sich ein solches Angebot betriebswirtschaftlich auch für Offenbacher Einzelhändler lohnt, wird derzeit vom Gewerbeverein Treffpunkt geprüft. „Man braucht viele, die mitmachen“, erklärt dessen Vorsitzender, Stefan Becker. Als Geschäftsführer des Modehauses M. Schneider weiß er, wie wichtig die Kundenbindung ist und dass bei der Sicherung der Einkaufserlebnisses nicht nachgelassen werden darf. Dazu zählen neben guten Konzepten Lage, Zustand und Aufmachung einer Ladenfläche. Das KOMM hat in diesem Jahr in eine weitere Rolltreppe investiert und mit kleinen baulichen Eingriffen die Attraktivität des Centers gesteigert. Erfreulich ist in diesem Zusammenhang die absehbare Veränderung der City-Passage zu nennen: „Das ist endlich geregelt“, erklärt Schneider, „der Investor will seine Pläne im Frühjahr vorstellen.“ Gleiches gilt für die freigewordenen Flächen des Saturn-Marktes, auch plane der Eigentümer einen Umbau, weiß Amberger. Die OSCO-Fläche am Beginn der Frankfurter Straße kann erst nach Klärung rechtlicher Belange vermietet werden – das Unternehmen war Mitte des Jahres Insolvent geworden. „Der Bau beziehungsweise die Vermietung dieser drei Objekte werden 2016 sicher im Fokus des City Managements stehen“, so Amberger weiter. Das City Management arbeitet mit den Innenstadtakteuren und Institutionen an attraktiven Rahmenbedingungen und modernen, umsetzbaren Konzepten. Zudem realisiert es imagebildende Maßnahmen wie den Künstlermarkt auf dem Wilhelmsplatz, kümmert sich um Zwischennutzungen leerstehender Flächen und unterstützt den Handel mit flankierenden Aktivitäten.

Ausblick

Der Masterplan hat das Potential des Standorts Offenbach am Main aufgezeigt, aber auch für das kommende Jahr gehen Amberger und Schneider von einer weiter positiven Entwicklung aus.