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Visualisierung MAIN Gate EAST
Das "Main Gate East" bildet den qualitativ hochwertigen Schlussstein am Hafenplatz © Meixner Schlüter Wendt Architekten
Der jährlich erscheinende Flächenreport der städtischen Wirtschaftsförderung ist ein wichtiger Indikator für den Wirtschaftsstandort Offenbach. Er zeigt auf, wie viele Gewerbeflächen in Offenbach vermietet sind und zu welchen Durchschnittspreisen.

„Die Lage auf dem Gewerbemarkt ist so, wie wir uns das erhofft haben“, sagte Oberbürgermeister Dr. Felix Schwenke bei der Pressekonferenz zur Vorstellung des Flächenreports 2019. „Wir haben noch nicht den Durchbruch geschafft, aber es geht weiter vorwärts und aufwärts.“ Dass die Mieten steigen sei eine wichtige und positive Botschaft. Während steigende Wohnungsmieten eher Sorgen bereiten würden, seien steigende Gewerbemieten ein Indikator für die Attraktivität des Standorts Offenbach und die Qualität der angebotenen Flächen. Ein weiterer Indikator für das große Interesse an Offenbach sei die erfolgreiche Vermarktung der Gewerbeflächen: „Von den etwa eine Million Quadratmeter Gewerbegrundstücken, die im Masterplan 2030 identifiziert werden konnten, sind nun noch 600.000 Quadratmeter verfügbar“, nennt Jürgen Amberger, Leiter der Wirtschaftsförderung, die harten Fakten. Auch im abnehmenden Leerstand für gewerbliche Mietflächen zeige sich die positive Entwicklung.

Kaiserlei und Hafen stehen hoch im Kurs bei Büroflächen

In der ersten Jahreshälfte war das Angebot an Büroflächen zunächst gestiegen, weil sanierte und aufgewertete Gebäude wieder auf den Markt gekommen sind. Bis zum Stichtag 30. September 2019 ist der Leerstand an Büroflächen jedoch im Vorjahresvergleich um 0,20 Prozentpunkte auf 7,15 Prozent gesunken. Insgesamt stehen 91.922 Quadratmeter Flächen leer, das sind 2.646 Quadratmeter weniger als im Vorjahr.

„Der Kampf um die Ansiedlung von Unternehmen lebt von kurzfristig verfügbaren Gewerbeflächen“, betont Dr. Schwenke. „Der rückgängige Leerstand ist ein gutes Signal, gleichzeitig müssen wir aber auch Flächen entstehen lassen und an den Markt bringen, damit weiterhin Unternehmen kommen.“ Aus diesem Grund ist die Wirtschaftsförderung im regelmäßigem Austausch mit Gebäudeeigentümern, um leerstehende Büroräume schnell wieder zu vermieten und bei Bedarf zuvor baulich aufzuwerten. Oberbürgermeister und Wirtschaftsförderung sind auch im Gespräch mit dem Eigentümer des City-Towers, der die Flächen aktuell noch zurückhält für den Fall, dass Mieter aus London aufgrund des Brexits nach Deutschland ziehen wollen.

Stark nachgefragt sind vor allem Büroräume am Kaiserlei, wo zunehmend neuwertige und qualitativ hochwertige Büroflächen entstehen oder bestehende Objekte modernisiert werden. So baut zum Beispiel die Becken Gruppe den Neubau für die Axa-Versicherung an der Berliner Straße. Die geplanten Entwicklungen am Nordring und andere freiwerdende Grundstücke am ehemaligen Kaiserleikreisel werden dazu führen, dass auch in den kommenden Jahren genügend Büroflächen zur Verfügung stehen.

Hochwertige Büroflächen sind auch im Hafen sehr begehrt. Hier gibt es bereits den Neubau der Zechstiftung/Deutsche Wohnwerte auf der Inselspitze und das Lofthaus Molenpark. Im kommenden Jahr wird das Bürohochhaus Main Gate East entstehen, das über eine Bruttogeschossfläche von etwa 13.600 Quadratmetern verfügen wird. Gefragt bleiben auch Büroräume in der Innenstadt.

An den beliebten Standorten Kaiserlei und Hafen sind die durchschnittlichen Mietpreise im Vergleich zum Vorjahr leicht um 50 Cent auf 11,50 Euro gestiegen. „Viele hochwertige Flächen wie das Axa-Gebäude sind jedoch noch nicht fertiggestellt. Die Mieten innerhalb dieser Objekte werden den bisherigen durchschnittlichen Büromietpreis im Kaiserlei weit überschreiten. Sobald die Flächen auf den Markt kommen werden, wird sich dieser Preisanstieg auch in unseren Erhebungen bemerkbar machen“, erklärt Amberger den moderaten Preisanstieg. Hohe Mietpreise zeigen die wirtschaftliche Rentabilität des Standorts: „Kein Investor plant einen Neubau, wenn er die Büros anschließend nur für 11,50 Euro den Quadratmieter vermieten kann“, sagt Amberger. Der Kaiserlei habe sich aber so positiv entwickelt, dass heute weitere Unternehmen bereit sind, Geld zu investieren. 

Carsten Dosch, der bei der Wirtschaftsförderung unter anderem für das Flächenmanagement zuständig ist, macht auf die steigenden Mietpreise in den Stadtteilen Bieber, Bürgel und Rumpenheim aufmerksam. „Die Entwicklung am Kaiserlei und in der Innenstadt wird auch an den Randgebieten Offenbachs sichtbar“, stellt Dosch fest. Dazu tragen vor allem die ansässigen Gewerbeparks bei, die hochwertige Büroflächen anbieten.

Stabile Lage bei Lager- und Produktionsflächen

Während Unternehmen früher vor allem große Lager- und Produktionsflächen gesucht haben, sind heute Kombinationsmöglichkeiten aus Büro-, Lager- und kleineren Produktionsflächen sehr gefragt. So sei das ehemalige Mercedes-Gelände in der Daimlerstraße von dem neuen Eigentümer rasant wieder vermietet worden, berichtet Amberger. Und zwar an verschiedene Mieter. „Auch die Spediteure suchen heute vermehrt kleinere Flächen, die multifunktional als Büro- und Lagerraum genutzt werden können“, weiß Amberger. Größere Gewerbeflächen mit über 1.000 Quadratmetern gebe es aktuell sowieso nur noch in Offenbach-Ost und Waldhof. Lager- und Produktionsflächen sind vor allem in Offenbach-Ost, Waldhof, an der Sprendlinger Landstraße und an der Mühlheimer Straße aufgrund der sehr guten Erreichbarkeit stark nachgefragt.

Die anhaltend hohe Nachfrage an Lager- und Produktionsflächen spiegelt sich im Leerstand wider: Zum 30. September 2019 gab es im Vergleich zum Vorjahr einen Rückgang von 6.956 Quadratmetern an verfügbaren Flächen auf 37.687 Quadratmeter. Die Preise sind stabil geblieben, die höchsten Mietpreise werden in der Sprendlinger Straße mit zwischen 6 und 10 Euro pro Quadratmeter gezahlt. Über die Jahre hinweg (seit 2013) sind die Mietpreise allerdings spürbar angestiegen. Das ist vor allem darauf zurückzuführen, dass viele Eigentümer ihre Flächen qualitativ hochwertig ausgebaut haben und diese auch als Showrooms oder Atelierflächen anbieten.

Trend zu größeren Läden im Einzelhandel

Auch wenn einige bei einem Spaziergang durch die Offenbacher Innenstadt den Eindruck haben, dass es immer mehr leere Läden gibt, sinkt der Leerstand im Einzelhandel weiterhin. Und zwar von 6.949 Quadratmetern im Jahr 2018 auf 5.507 Quadratmetern in diesem Jahr. Die Wirtschaftsförderung errechnet bei Ladenflächen nicht die durchschnittlichen Mietpreise, da die Spannbreite sehr weit ist: „Die Mietpreise bei den Ladenflächen sind sehr individuell“, bestätigt Amberger.

Die Nachfrage in der Innenstadt bleibt gleich hoch. Hier werden in Zukunft mit dem Neubau des Rathaus-Plaza etwa 10.000 Quadratmeter an hochwertigen Ladenflächen zur Verfügung stehen. „Insgesamt gibt es die Tendenz weniger Geschäfte mit größeren Flächen anzubieten“, berichtet der Leiter der Wirtschaftsförderung. Auch beim Neubau des Rathaus-Plaza seien weniger aber dafür größere Läden als zuvor geplant. Die Statistik spiegelt diesen Trend wider: 2014 gab es in der Innenstadt 495 Geschäfte und 27 Läden standen leer. Obwohl es heute nur 478 Geschäfte gibt, hat sich der Leerstand mit 28 nicht vermieteten Ladenflächen kaum geändert. „Die harten Zahlen belegen, dass die Innenstadt keine Geisterstadt ist“, so Schwenke. „Aber natürlich zählt auch die subjektive Wahrnehmung, dass der Einzelhandel einbricht und die Innenstadt verödet.“ Daher widme er der Belebung der Innenstadt durch Feste und Kooperationsveranstaltungen ein besonderes Augenmerk.

25. Oktober 2019