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belebte Fussgängerzone in der Frankfurter Strasse
© Stadt Offenbach
Auftakt für die Erarbeitung des Zukunftskonzepts durch das Hamburger Büro Urbanista

„Wird der 3D-Druck die Offenbacher Innenstadt verändern?“ Was erstmal provokativ klingt, offenbart beim Nachdenken eine Vielzahl neuer Möglichkeiten. Genau darum geht es dem Team des Hamburger Büros urbanista OHG, das bis zum Sommer 2019 die Innenstadt neu denken und den Akteuren neue Impulse geben will. Dass Handlungsbedarf besteht, ist auch den Verantwortlichen in der Stadt bewusst. Die Zahlen sprechen seit einigen Jahren für sich: Während sich die Offenbacher Händler lange gegen die Konkurrenz im Umland und dem Internet behaupten konnten, kämpft die Offenbacher Innenstadt seit einigen Jahren um ihre Attraktivität als Einkaufsstandort. Lag die Kaufkraftbindung mit einem Index von 111,1 im Jahr 2013 noch auf relativ gutem Niveau, ist sie bis 2017 auf nur noch 103,4 Punkte abgesunken. Die Kaufkraftbindung bezeichnet das Verhältnis von Einzelhandels-Umsatz und der vor Ort relevanten Kaufkraft. Dementsprechend hat auch die Passantenfrequenz deutlich nachgelassen.

Nachdem die Stadt Offenbach gemeinsam mit dem Verein Offenbach offensiv e.V. bereits 2014 den Masterplan-Prozess mit Leitlinien und Schlüsselprojekten für die Stadtentwicklung bis 2030 angestoßen hat, steht nun die Innenstadt im Fokus der Planer. Neben der Entwicklung des Dienstleistungsstandorts Kaiserlei, des ehemaligen Güterbahnhofs und des Alessa-Geländes soll auch das „Herz der Stadt“ neue Attraktivität gewinnen.

„Wir brauchen“, erklärt Oberbürgermeister Dr. Felix Schwenke, „Antworten auf die Fragen, warum Menschen überhaupt noch in die Innenstadt kommen und warum sie das in fünf und zehn Jahren auch noch tun sollen.“

Deshalb haben Stadt und Verein das Zukunftskonzept Innenstadt beauftragt, das nun durch urbanista erarbeitet wird. Dass dabei einiges auf den Prüfstand kommen wird, ist allen Beteiligten klar. Frank Achenbach, Geschäftsführer der IHK Offenbach und des Vereins Offenbach Offensiv, sieht aber auch „eine große Bereitschaft Offenbachs, sich auf den Weg zu machen und grundlegend andere Wege zu beschreiten“. Die Ansiedlung kleiner Manufakturen für digitale Produktion in den Obergeschossen, neue Nutzformen und Aufenthaltsqualitäten könnten eine Perspektive bieten. Welche weiteren es gibt, sollen die Stadtplaner und Kommunikatoren von urbanista jetzt erarbeiten.

Eine neue Erzählung der Innenstadt

Der erste Gedanke zu Offenbach? „Eine spannende Herausforderung“, sagt Stadtplaner Dr. Julian Petrin von urbanista. Immerhin genieße die Stadt bundesweit den Ruf, im Um- und Aufbruch zu sein. Der Ingenieur sieht Offenbach im Strukturwandel, allerdings einen Schritt weiter als andere, die sich mit ihrer „Nachkriegs-DNA“ schwer tun, sich den Herausforderungen der Gegenwart zu stellen. Zu diesen zählen ein verändertes Konsumverhalten, das Internet, vielfältigere Lebensentwürfe, der demografische Wandel und daraus resultierende gesellschaftliche Zusammensetzungen. Wie dem begegnet werden kann, beschäftigt auch Städte wie Bochum, Hamburg-Harburg, Braunschweig oder Düsseldorf, in denen die „Urbanistas“ schon beratend aktiv geworden sind und daher jetzt mit Expertise und unverstelltem Blick auf Offenbach schauen.

„Innenstädte sind mehr als nur Einzelhandels-Standorte, die Innenstadt ist das Herz der Stadt, also auch ein Ort des Austauschs und der Kommunikation“, so Petrin. „Sie könne zwar nicht alleine betrachtet werden, der Blick müsse immer auch über den Kern der City hinausreichen. Da Stadt und Politik nur ein Akteur seien – und gleichzeitig der tendenziell am wenigsten einflussreichste – gehe es darum, eine „Hausaufgabenliste für alle Akteure“ zu erarbeiten. Im besonderen Blick sind die Hauseigentümer, ohne die gar nichts gehe.

Dass der Prozess der Neustrukturierung und Umwandlung durchaus schmerzhaft sein könne, auch einige alte Zöpfe fallen müssten, verstehe sich dabei fast von selbst, erläutern die Planer und Kommunikatoren. Dessen ungeachtet sei der Prozess ergebnisoffen: Gemeinsam mit Bürgerinnen und Bürgern sowie einem rund 30 Akteure umfassenden „Zukunfts-Club“ soll in Fachrunden und öffentlichen Veranstaltungen eine neue Erzählung der Innenstadt erarbeitet werden.

Damit die entwickelten Ideen dann auch zügig angegangen und umgesetzt werden können, sind im Haushalt 2019 bereits 50.000 Euro für erste Umsetzungsmaßnahmen vorgesehen. „Damit können wir, sofern die Stadtverordneten dem Ende November zustimmen, bereits erste Ergebnisse sichtbar machen“, betont Schwenke. Langfristig müssten Stadt und private Akteure jedoch mehr Geld investieren. „Wichtig ist es, genau jetzt die derzeit sehr erfreuliche Dynamik Offenbachs zu nutzen, um auch die Innenstadtentwicklung gemeinsam voranzutreiben. Der Anfang ist gemacht.“

9. November 2018