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Foto mit Personen rund um die Planstation
v.l.n.r.: Oliver Kremershof (Urban Media Project/ Planstation), Ralph-Philip Ziegler (Leiter des Amts für Kultur- und Sportmanagement), Fotograf Rene Spalek, Heike Hamann (Etagerie), Loimi Brautmann (Urban Media Project/ Planstation), Deborah Rudolph (Schmuckdesign), Chin ManChoi (NIKAMI), Britt Baumann, Nicolas Gerber und Michael Schumacher (beide NIKAMI) © Stadt Offenbach am Main

Der guten Förderpolitik wegen hat sich Deborah Rudolph bei der Standortwahl für ihr Schmucklabel explizit für die Existenzgründerstadt Offenbach entschieden. Auch weil diese „mit Unterstützungen wie dem Förderprogramm der Planstation lockte.“ In der Planstation stecken eigentlich die Förderprogramme „Regionale Wettbewerbsfähigkeit“ RWB und der „Europäische Fonds für regionale Entwicklung“ EFRE sowie das hessische EFRE-Förderprogramm „Lokale Ökonomie“ zur „Förderung der regionalen Wettbewerbsfähigkeit und Beschäftigung in Hessen“. Also ein Programm zur Förderung eines definierten Gebietes zwischen 2007 und 2013. Weil diese Wortungetüme eher abschrecken und erst auf den zweiten oder dritten Blick klar machen, worum es geht, wurden diese in Offenbach von den Koordinatoren Oliver Wittmann und Loimi Brautmann in die Planstation übersetzt und diese wiederum als Anlaufstelle für Kreative etabliert. Letzterer führte das Projekt bis zum Ende des verlängerten Förderzeitraums im Dezember 2015 mit dem Urban Media Project fort, nachdem Wittmann 2012 dem Ruf des Kompetenzzentrums Kultur-Kreativwirtschaft Nordrhein-Westfalens nach Köln gefolgt war.

Gute Bedingungen, auch für Kleine

„Das kleine Team war auch ein Teil des Erfolgs“: Jürgen Amberger, Leiter der Wirtschaftsförderung, hat seit Längerem Existenzgründer, Start-Ups und Kreative im Visier. Mit Erfolg, denn deren Anzahl hat sich seit 2007 mehr als verdoppelt. Seinerzeit arbeiteten rund 1.200 Unternehmer unterschiedlicher Größen im Bereich der Kreativwirtschaft, inzwischen sind es rund 3.000, Tendenz steigend. „Denn“, weiß Amberger, „inzwischen haben auch Hauseigentümer das Potential von Startups erkannt und vermieten lieber kleinteilig zu günstigen Konditionen als Flächen leer stehen zu lassen.“ Jüngstes Beispiel ist „Upper City Center“ am Marktplatz, das als „Start Up Center mit second-Home Charakter“ vermarktet wird.

Kreativ und Wirtschaft zusammendenken

Mit der Planstation schufen Wittmann und Brautmann eine Anlaufstelle für das Programm Lokale Ökonomie, das in Offenbach die Kreativwirtschaft fokussierte. Andere an dem Programm teilnehmende Kommunen, insgesamt 13, setzten wiederum andere Schwerpunkte. Ein Fördergebiet identifizieren mussten sie alle. In Offenbach umfasste das Kernfördergebiet die östliche Innenstadt rund um den Ostpol in der Hermann-Steinhäuser-Straße, als erweitertes Fördergebiet kamen das Nordend, der Bereich rund um die Hochschule für Gestaltung (HfG) bis zur Bismarckstraße und schließlich, nach der Verlängerung des Programms 2013, noch die Zollamt-Studios hinzu. „Wegen des Erfolgs wurde das Programm 2013 verlängert und auch aufgestockt“, berichtet Brautmann. Dies unter anderem auch, weil andere Kommunen hinter den eigenen Erwartungen zurückblieben, Projekte nicht realisierten und Gelder nicht abriefen.

„Offenbach war mit der Planstation gut aufgestellt, diese hat mit dem Urban Media Project den Standort bekannter gemacht und es geschafft, Unternehmen zu binden“, ergänzt Ralph-Philipp Ziegler, Leiter des Amts für Kultur- und Sportmanagement. Zudem begeistere ihn die Durchlässigkeit der Szene immer wieder, in der dann doch alles „irgendwie zusammenfunkt“. Nicht nur unter Kreativen funkte es, sondern es gelang auch der Schulterschluss zwischen Kultur, Wirtschaftsförderung und dem Amt für Arbeitsförderung, die ebenfalls zu den Projektpartnern gehörten.

Basisworkshop, Fritz!Box oder Tischplatten

Kreative mit Büro oder Atelier in diesen Gebieten konnten Fördergelder zur Anschaffung von Hardware wie Mac und PC oder für Fortbildungen beantragen, die Planstation beriet bei der Antragsstellung, prüfte und legte diese dem Förderausschuss aus Wirtschaftsförderung, Kulturamt, Hochschule für Gestaltung (HfG), IHK Offenbach und Amt für Arbeitsförderung vor. 151 Anträge wurden im Programmzeitraum zwischen 2010 und 2015 gestellt, von denen 142 bewilligt und letztlich 133 realisiert wurden. Ein nicht unerheblicher Teil der geförderten Unternehmen waren HfG-Absolventen, deren Anteil lag bei 33 Prozent. Neben Gründern beantragten aber auch etablierte Künstler und Unternehmer eine Förderung. Der Fotograf René Spalek gehört zu den Geförderten und konnte dank der Unterstützung sein „kreatives Know-How mit einem zeitgemäßen Fotoequipment ergänzen“. Die Investition habe zwar langfristig ohnehin angestanden, gesteht er, „aber die Förderung hat den Entscheidungsprozess sehr beschleunigt.“ Auch für Innenarchitektin Heike Hamann, Mitinhaberin der Etagerie, waren „die Fördermittel eine gute Hilfe für den Einstieg.“ Gemeinsam mit Eva Kirchoff und Linda Hoekstra hat sie vor drei Jahren den Laden für regionale und originale Produkte in der Taunusstraße eröffnet. Die Liste ließe sich verlängern. Über die Fördermittel gefreut haben dürfte sich jeder. Rund 30 Prozent wurden für Hardware und 50 Prozent für Fortbildungen genutzt. Insgesamt 194.405 Euro wurden zwischen 2011 und 2015 abgerufen, mit denen Investitionen in Höhe von 684.922 Euro getätigt wurden. Das waren, je nach Antrag, zwischen 128,70 Euro (geringste Fördersumme) und 7.668,53 Euro (höchste Fördersumme).

Dass sie sich im Gegenzug verpflichten musste, der Stadt fünf Jahre die Treue zu halten, hat dabei nicht geschreckt. Privat sei sie unlängst umgezogen, berichtet Deborah Rudolph, aber über einen Ortswechsel denkt die Schmuckdesignerin nicht nach: „Ich habe hier einen guten Nährboden für meine Ideen und gute Netzwerke.“

6. Mai 2016