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Gastronomie am Wilhelmsplatz
© Stadt Offenbach
Testweise sollen für drei Monate die Seitenstraßen des Wilhelmsplatzes an Markttagen gesperrt werden. Ziel des geplanten Versuchs ist es zu erfahren, ob und wie sich eine Verkehrsberuhigung dauerhaft rund um den Wilhelmsplatz realisieren lässt.

Umgehend nach dem Stadtverordnetenbeschluss vom 18. Juni hat Oberbürgermeister Dr. Felix Schwenke Anfang dieser Woche mit der Straßenverkehrsbehörde und der Wirtschaftsförderung beraten, wie der Test umgesetzt werden kann. „Ich möchte den Modellversuch so begleiten, dass er ein Erfolg wird. Zwar hätte ich eine Sperrung an allen anderen Tagen, nicht aber zu Marktzeiten, für sinnvoller gehalten. Dann nämlich hätte es der Gastronomie am meisten genutzt und dem Wochenmarkt am wenigsten Risiko bedeutet. Der Wilhelmsplatz ist ein sehr gut funktionierender Platz, weil er Einzelhandel, Wochenmarkt und Gastronomie an einem der schönsten Orte der Stadt vereint. Deshalb muss man bei Änderungen aufpassen, dieses System nicht aus dem Gleichgewicht zu bringen. Darauf lege ich Wert.“

Grundsätzlich ist auch OB Schwenke überzeugt, dass weniger Verkehr der Attraktivität und Atmosphäre des Wilhelmsplatzes nutzt: „Der Verzicht aufs Auto ist ein wichtiger Beitrag zum Klimaschutz und für bessere Luft in unserer Stadt. Das gilt insbesondere in der Innenstadt und damit auch für den Wilhelmsplatz. Mir ist jetzt als Oberbürgermeister und Wirtschaftsförderer wichtig: Die Verkehrsberuhigung muss so organisiert sein, dass auch die direkt Betroffenen die Veränderungen mittragen können.“

Wichtig ist dem OB deshalb Angebote machen zu können für Menschen, die ihre Einkäufe nicht ohne weiteres ohne Auto transportieren können: „Mein größter Traum wäre ein funktionierender Lieferservice nach Hause: Kunden könnten dann in Ruhe auf dem Markt einkaufen, ihre Waren vor Ort abgeben und sie sich noch am Vormittag oder nachmittags bequem nach Hause liefern lassen. Ein solches Angebot würde alle berechtigten Sorgen aufnehmen und auflösen. Und es würde es attraktiv machen, nicht mit dem Auto zu kommen, also auch den erhofften ökologischen Nebeneffekt haben. Wenn das auch günstig sein soll, so dass die Nutzung attraktiv ist, müssten wir ganz sicher ein Vergabeverfahren durchführen und einem privaten Betreiber einen Betriebskostenzuschuss zahlen. Dafür müsste die Stadtverordnetenversammlung dann noch zusätzliches Geld zur Verfügung stellen.“

Möglichst viele Gewinner durch weniger Verkehr

Am Ende müssten sich die Stadtverordneten entscheiden, wie viel Geld ihnen ein Konzept für einen autofreien Wilhelmsplatz wert ist, so Schwenke weiter. „Es geht darum, dass es durch eine Verkehrsberuhigung möglichst viele Gewinner und wenige Verlierer gibt. Nur so können wir sicherstellen, dass weniger Verkehr dem Wilhelmsplatz in der heute so gut funktionierenden Einheit aus Einzelhandel, Wochenmarkt und Gastronomie mehr nützt als schadet. Im Leben darf es nicht immer nur um den Kampf gehen, ob etwas gemacht wird, ganz entscheidend für die Betroffenen ist oft die Frage, wie etwas gemacht wird.“ Ob ein solcher Anbieter gefunden werden kann, ist derzeit völlig offen. „Klug wäre aus meiner Sicht gewesen, den Beginn einer Sperrung von der vorherigen Entwicklung eines Wilhelmsplatz-Konzeptes unter Einbeziehung der Betroffenen abhängig zu machen. Dazu hätte ganz sicher auch der Aufbau eines solchen Lieferservice gezählt“ so Schwenke weiter.

Über das Thema Lieferservice hinaus denkt Schwenke auch an andere Bausteine eines funktionierenden Wilhelmsplatz-Konzeptes: „Eine gute Option wäre auch ein Trageservice zum Auto und eine Fahrradbewachung.“ Die Wirtschaftsförderung hat OB Schwenke beauftragt, Kontakte aufzunehmen und Angebote einzuholen. „Weil ich außerdem verhindern möchte, dass Kunden fernbleiben, die nicht mit dem Bus oder dem Fahrrad zum Markt kommen werden, werden wir im Vorfeld mit Flyern und online umfangreich informieren, wie man den Wochenmarkt auch zukünftig erreichen kann. Es darf nicht der Eindruck entstehen, der Wochenmarkt sei jetzt gar nicht mehr zu erreichen.“

Zudem lässt der OB Angebote einholen, zu welchem Preis die umliegenden Parkhäuser ein Angebot wie in manchen anderen Städten machen würden, zum Beispiel bei der Einfahrt zwischen 7 und 12.30 Uhr zwei Stunden kostenlos an allen Markttagen zu parken. „Ich kann mir aber vorstellen, dass die Betreiber hier unrealistische Preise aufrufen. Dann gibt es ein solches Angebot eben nicht. Priorität muss die Verwendung des Geldes für Maßnahmen haben, die auch ökologisch sinnvoll sind.“

Vorbereitungen für testweise Sperrung

Die testweise Straßensperrung soll so schnell wie möglich kommen, so Schwenke. „Wir müssen aber zunächst noch einige wichtige Vorbereitungen treffen.“ Voraussichtlich im Spätsommer kann es dann losgehen. Knifflig werden aus seiner Sicht die verkehrlichen Änderungen, die für den Versuch notwendig werden. „Die beiden Straßenflächen müssen für Feuerwehr und Rettungswagen sowie Anwohner zu jeder Zeit frei bleiben. Auch finde ich es wichtig, dass alle Behindertenstellplätze, die in den Seitenstraßen wegfallen, ersetzt werden. Gerade diese Menschen sind auf ihr Auto angewiesen.“ Noch vor der Sperrung soll außerdem wie von der Stadtverordnetenversammlung beschlossen eine erste Umfrage durchgeführt werden. Hierzu soll in Kürze ein unabhängiges Institut beauftragt werden, dass die Befragungen vorbereiten und dann vor, während und nach der Testphase durchführen soll. „Diese Ergebnisse müssen belastbar sein, da sie ja auch die Grundlage dafür sein sollen, wie dauerhaft mit dem Thema Verkehr am Wilhelmsplatz politisch umgegangen werden soll.“

26. Juni 2020