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Fußgängerzone Innenstadt
© Alex Habermehl
Wie wird einkaufen zukünftig aussehen? Welche Funktion haben Innenstädte noch, wenn sie kaum noch zum Einkaufen genutzt werden und wie lässt sich Offenbach wieder als Einkaufsstadt entwickeln und positionieren? Antworten auf diese und weitere Fragen soll ein „Zukunftskonzept Innenstadt“ liefern. Der unter dem Vorsitz des IHK-Geschäftsführers Frank Achenbach segelnde Verein Offenbach Offensiv e.V. und die Stadt Offenbach haben den Prozess dazu angestoßen.

Zählungen belegen, dass Offenbach vor einigen Jahren noch mehr Kundinnen und Kunden aus den umliegenden Gemeinden zum Einkaufen zwischen Markt- und Aliceplatz lockte. „Die aktuelle Situation in der Innenstadt treibt viele Menschen in Offenbach um“, weiß Oberbürgermeister Dr. Felix Schwenke aus zahlreichen Gesprächen und betont, dass die Politiker im Rathaus durchaus mit offenen Augen durch ihre eigene Stadt gehen: „Wer sich umschaut sieht, da ist noch viel Luft nach oben.“ Wege, wie der seit Jahren schwächelnde Einzelhandel gestärkt und die City wieder attraktiver werden kann, soll das Zukunftskonzept Innenstadt weisen.

Ideen aus dem Masterplan reichen nicht aus

Insgesamt 200.000 Euro ist den Verantwortlichen die Erarbeitung des Konzeptes wert, je zur Hälfte finanziert von Stadt und dem im Rahmen des Masterplans gegründeten Verein Offenbach Offensiv e.V. Der Verein bündelt die Interessen von rund 60 Gewerbetreibenden, die sich gemeinsam für die Stärkung des Standortes einsetzen. Achenbach geht davon aus, dass sich der Verein in seiner nächsten Sitzung gemeinsam hinter die jetzt beschlossene Initiative stellt: „Wir alle wissen, dass die Ideen aus dem Masterplan insbesondere für die Innenstadt vertieft werden müssen. Rein strategisch zu denken, ist da bei weitem nicht ausreichend.“

Handel neu erfinden

Mit der Suche nach neuen Konzepten und Ideen ist die Stadt Offenbach nicht alleine, „Strategien hat es immer gegeben“, betont Stadtplanungsdezernent Paul-Gerhard Weiß unter anderem mit Verweis auf die Impulse, die das Einkaufscenter KOMM seinerzeit gegeben hat. „Mit der Eröffnung hat die Passantenzahl anschließend nachweislich zugenommen.“ Allerdings haben Digitalisierung und Onlinehandel den Einzelhandel in den letzten Jahren auch in anderen Kommunen ordentlich umgekrempelt, in Offenbach kommt die besondere Lage zwischen Hanau und Frankfurt hinzu. Während Frankfurts Zeil ohne Anstrengung jeden Tag tausende Konsumenten lockt, hat Hanau in den letzten Jahren viel Geld in den Umbau und die Aufwertung der Innenstadt investiert. „Ein Weg, den Offenbach schon aufgrund der aktuellen finanziellen Gegebenheit nicht gehen kann“, so Stadtrat Weiß. Zumal alle Beteiligten wissen, dass die Innenstadtentwicklung nur gemeinsam möglich ist. Heißt konkret: Der Einzelhandel muss sich neu erfinden, attraktiver werden und das Angebot besser werden. „Das“, weiß Oberbürgermeister Schwenke, „funktioniert nur im Zusammenspiel mit Handel und Hauseigentümern. Die Stadt ist nur ein Teil von vielen. Wir als Stadt werden aber unseren Beitrag leisten und via Wirtschaftsförderung, Citymanagement und Stadtplanung unterstützen.“

Diagnose: Fehlende Kaufkraftbindung

Schließlich ist es weniger der Mangel an Kaufkraft, der Menschen vom Besuch der Innenstadt abhält, sondern eher der fehlende Dreiklang von Aufenthaltsqualität, Erlebnis und Angebot. Stadtgestalterisch ist in den letzten Jahren schon viel zur Aufwertung der Innenstadt passiert, erklärt Simon Valerius, Leiter des Amtes für Stadtplanung, Verkehrs- und Baumanagement, mit Verweis auf die Neugestaltung der zentralen Plätze wie Wilhelmsplatz, Stadthof, den Abriss der zweiten Ebene, der einem „Befreiungsschlag für den öffentlichen Raum“ gleichkam und die positiven Veränderungen, die private Bauvorhaben beispielsweise entlang der Berliner Straße umgesetzt haben. Auch mit dem Fassadenprogramm hat die Stadt etliche Privatvorhaben zur Verbesserung des Stadtbilds angestoßen, rund 180.000 Euro wurden dafür in den vergangenen Jahren investiert. Und auch mit dem Parkleitsystem wurde ein wichtiger Beitrag geleistet, einkaufen in Offenbach attraktiver zu machen.

Offenbach neu zu denken

Der Auftrag an die auszuwählende Beratungsfirma ist klar: Sie muss ein Konzept entwickeln, dass der Individualität der Stadt Offenbach entspricht, das kreativ und innovativ genug ist, um alle vom Potenzial der Stadt zu überzeugen und sie zum Mitgestalten in dem Prozess motivieren. „Wir wollen eine konkrete Maßnahmenliste mit Handlungsempfehlungen“, so Schwenke, der sich vor allem ein konkurrenzfähiges Warenangebot in der Stadt wünscht: „Gesucht sind Ideen und Konzepte, die Offenbach als besonderen Marktplatz positionieren und etablieren.“ Diese sollen in einem strukturierten Vergabeverfahren bis Anfang August gefunden und im nächsten Schritt in dem zu erarbeiteten Zukunftskonzept entwickelt werden.

Offenbach am Main, 2. Mai 2018