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Theresa Klinkenberg mit einer Auswahl aus der „Theresa Andani“-Kollektion
Theresa Klinkenberg mit einer Auswahl aus der „Theresa Andani“-Kollektion © Stadt Offenbach am Main

Farbenfroh und irgendwie ein bisschen anders ist die Mode, die Schneiderin und Modedesignerin Theresa Klinkenberg in ihrem Offenbacher Atelier entwirft. Anders sind dabei vor allem die verwendeten Stoffe und Accessoires, die die Modelle tragbar und auf angenehme Weise auffallend machen. Furor macht die junge Mutter gerade mit ihren exotischen Dirndl-Modellen, bei denen nur noch der Schnitt an die bayerische Trachtenmode erinnert. Denn statt den üblicherweise verwendeten zarten Mustern, kommen bei Klinkenberg traditionelle Stoffe aus Ghana, Marokko oder Usbekistan zum Einsatz. Mit drei Modellen konnte sie nun die Jury des Hessischen Gestaltungspreises überzeugen und wurde nun für die Transformation des Dirndls in der Kategorie „Mode und Accessoires“ ausgezeichnet.

Von Offenbach in die Welt

Mit dem Preis zeichnet die Arbeitsgemeinschaft der hessischen Handwerkskammern Frankfurt, Wiesbaden und Kassel alle zwei Jahre besondere Ideen und Fertigkeiten in allen gestalterischen Tätigkeiten aus, erläutert Christiane Löbig, Abteilungsleiterin Betriebswirtschaftliche Beratung bei der Handwerkskammer Frankfurt Rhein-Main: „Diese müssen, wie im Fall von Theresa Klinkenberg nicht Existenzgründer sein.“ Voraussetzung ist ein Gesellenbrief und eben eine gute Idee im Bereich Möbel + Skulptur, Wohnen + Leben, Schmuck + Gerät.

Löbig war durch einen Artikel im zweimonatlich erscheinenden Magazin „GO aktuell“ des Netzwerks Gründerstadt Offenbach auf Klinkenberg aufmerksam geworden und hatte ihr zur Bewerbung geraten. Das Netzwerk bündelt seit 18 Jahren die Aktivitäten der Stadt Offenbach im Bereich Existenzgründung und junge Unternehmen. Zum Netzwerk gehören unter anderem auch die IHK Offenbach, MainArbeit, Hochschule für Gestaltung sowie der Gründercampus Ostpol und das dort ansässige KIZ. Jochen Bloß ist seit vielen Jahren als Berater für Gründer und Start-ups bei der KIZ Sinnova gGmbH beschäftigt und kümmert sich um alle Branchen, „von Hightec bis Handwerk“. Mit Bildungsgutscheinen der Agentur für Arbeit und der Idee für transkulturelle Mode kam auch Theresa Klinkenberg zu ihm. Sie hatte nach ihrer Ausbildung zur staatlich geprüften Modedesignerin und Schneiderin beim Schauspiel und der Oper Frankfurt gearbeitet und wollte sich nach Auslaufen ihres Vertrags umorientieren. Gemeinsam arbeiteten die beiden ein zukunftsfähiges Konzept aus, dass der jungen Mutter langfristig die Existenz sichern soll. Dazu gehörte neben einer Kalkulation in Klinkenbergs Fall auch ein Label. „Eine gute Idee reicht leider nicht, letztlich muss sie auch tragfähig sein“, erklärt Bloß. Das sieht er bei Klinkenberg mehr als gegeben, „wir haben alles genau durchkalkuliert und jetzt geht es darum, die anvisierte Zielgruppe auch zu erreichen.“ Damit ihre Mode nicht nur gutsituierte kunst- und kulturinteressierte Frauen mit einem Hang zur Extravaganz erreicht hat Klinkenberg bei ihrem Label „Theresa Andani“ auch kostengünstigere Mode im Angebot, diese vornehmlich in fließender Jersey-Qualität gearbeiteten Stoffe mit Stickereien oder Perlen kosten um 200 Euro. Die um einiges aufwändigen Dirndl gibt es für 800 bis 1000 Euro.

Stoffe erzählen Geschichten

Momentan ist jedes Modell ein handgearbeitetes Unikat, langfristig würde Klinkenberg, die sich auch als Textilanthropologin begreift, gerne vor Ort mit jungen Menschen arbeiten, ihnen Handwerk und Kunstfertigkeit vermitteln. Vor Ort heißt für sie in Ghana, denn in das westafrikanische Land hat sich durch ihren Mann eine besondere Beziehung. Daher wundert es auch nicht, dass sie zu beinahe jedem der verwendeten Stoffe eine Geschichte zu erzählen weiß.

Für Dr. Matthias Schulze-Böing, Leiter des Amtes für Arbeitsförderung, Integration und Statistik und Geschäftsführer der MainArbeit, ist Klinkenberg ein gutes Beispiel für den von der Stadt verfolgten Ansatz, junge Talente von Anfang an zu begleiten und zu fördern. „Außerdem“, so Schulze-Böing, “passt sie mit ihrer Arbeit und ihren Ideen wirklich gut zu Offenbach.“