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Stadt Offenbach

Abendrot

Im Atem tiefster Romantik

SO, 9. OKTOBER 2022
Praeludium: 16.00 Uhr
Konzertbeginn: 17.00 Uhr

„Schläft ein Lied in allen Dingen / Die da träumen fort und fort / Und die Welt hebt an zu singen / Triffst du nur das Zauberwort.“


Der Vierzeiler von Joseph von Eichendorff ist sehr konkret: Er formuliert die Gesamtheit einer von Geist und Gefühl belebten und belebenden Welt – subtile Sinnlichkeit und feine Magie in einem. Die Natur weckt und spiegelt das Gefühl; die Seele verschmilzt mit dem Wind, dem fließenden Wasser, dem Kreislauf des Werdens und Verhauchens von Baum und Blume.

Johannes Brahms‘ 2. Sinfonie, die er 1877 in der Naturidylle in Pörtschach am Wörther See beginnt, gilt als seine ‚Natursinfonie‘ – sie atmet pastorale Sanftheit und naturhaften Elan; der berühmte Kritiker Eduard Hanslick attestiert ihr damals, sie „leuchte in gesunder Frische und Klarheit.“ Das Horn, das Robert Schumann „die Seele des Orchesters“ nennt, schlägt mit einem meisterhaften Interpreten im mozartischen Hornkonzert die Brücke zum zweiten sinfonischen Werk.

Franz Liszts Sinfonische Dichtung ‚Les Préludes‘ von 1848/1854 galt lange Zeit als d a s orchestrale Meisterwerk ihres Komponisten. Dennoch traf sie der Bann der Musikwelt. Die NS-Propaganda nutzte ein Bruchstück daraus für die Kriegswochenschau und missdeutete den Kosmopoliten Liszt (gebürtiger Ungar und gleichermaßen Frankreich, Deutschland wie Italien zutiefst verbunden) für ihre mörderischen Zwecke. Während ‚Les Préludes‘ selbst in Israel stets gespielt wurden, hatten sie in Deutschland jahrzehntelang zu schweigen. Dieses tiefe und wunderschöne Werk weiter erklingen zu lassen, erachten wir auch als eine Art kleiner Restitution gegenüber Franz Liszt als einem lebenslangen Protagonisten der Völkerverständigung.

Johannes Brahms
SINFONIE NR.2
(1877)

Wolfgang A. Mozart
HORNKONZERT NR.4 ES-DUR KV 495
(1786)

Franz Liszt
LES PRÉLUDES
(1848-1854)

Jörg Brückner, Horn
CAPITOL SYMPHONIE ORCHESTER
Dirigent: Niklas Benjamin Hoffmann


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