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Lärmschutzzone
Die bisherigen Lärmschutzzonen der Südbahn (ganz unten), Centerbahn (Mitte) und Nordwestbahn (oben in blau) müssen höchstwahrscheinlich neu berechnet werden. © Stadt Offenbach
Die im Oktober 2011 in Betrieb genommene Nordwest-Landebahn sollte zur Erhöhung der Kapazitäten am Frankfurter Flughafen beitragen und belastet seitdem zusätzliche Offenbacher Stadtgebiete mit Fluglärm. Dieser Belastung stehe aber auch eine Entlastung im Süden entgegen, argumentierte bisher die Fraport. Denn von den bisher dort verlaufenden beiden Einflugschneisen solle eine entfallen. Das Betriebs- und Lärmschutzkonzept zum Ausbau des Flughafens sah vor, die etwas weiter nördlich liegende Centerbahn nicht mehr zum Landen, sondern nur noch zum Starten zu nutzen. Von der Lärmentlastung profitieren sollten etwa die Stadtteile Bieber, Buchhügel, Tempelsee, Musikerviertel und Lauterborn. Jetzt teilte die für die Organisation des Flugverkehrs zuständige Deutsche Flugsicherung (DFS) mit, ab Februar in einem Probebetrieb den Landeanflug auf alle 3 Bahnen auszudehnen, die Centerbahn also wieder regulär zum Landen zu nutzen. Schon diese Ankündigung reiche als Hiobsbotschaft, so Flughafendezernent Paul Gerhard Weiß, der davon ausgeht, dass aus dem Probebetrieb später auch ein Regelbetrieb werden wird. „Damit“, so Weiß, „wird der immer als Offenbacher Märchenstunde abgetane Anflug auf allen drei Bahnen und der damit verbundene Lärmteppich über der Stadt bittere Realität“. Er will daher das Vorgehen der DFS juristisch prüfen lassen, da der Planfeststellung für den ausgebauten Flughafen ein anderes Betriebs- und Lärmschutzkonzept zugrundliege.

Schließlich geht es dem zum Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur gehörenden Unternehmen um eine weitere Erhöhung der Start- und Landekapazitäten, im Planfeststellungsbeschluss genehmigt wurden 700.000 Flugbewegungen im Jahr, aktuell sind es 530.000. Die Stadt Offenbach gehört mit rund 750 Landungen am Tag zu den am stärksten von Fluglärm betroffenen Kommunen und kämpft seit Jahren gegen die Konsequenzen aus dem Flughafenausbau. So gelten für weite Teile des Stadtgebietes schon jetzt Siedlungsbeschränkungen und diverse andere Bauverbote. Weiß sieht in seiner Funktion als Stadtplanungsdezernent schon in Arbeit befindliche Bauflächenentwicklungen gefährdet: „Innerhalb der sogenannten Nachtschutzzone, die sich dann nach Norden ausdehnen wird, sind keine Bebauungspläne für Wohnen mehr möglich. Das gibt für uns einen Wettlauf mit der Zeit.“  Beim Thema Lärmbelastung gehe es um Lebensqualität und Gesundheit der Offenbacher. Flughafenplaner Dieter Faulenbach da Costa berät die Stadt schon seit vielen Jahren mit seiner Expertise als Flughafen-Experte. Für ihn ist der im Abschluss an die Mediation zum Flughafenausbau geschlossene Antilärmpakt schlicht „für die Tonne“. Bei drei Bahnen zum Landen könne von Ruhe keine Rede mehr sein.

Offenbach am Main, 9. Dezember 2019