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Bürgermeister Schneider: „Echte Entlastung aber nur durch längeres Nachtflugverbot, Lärmobergrenzen und veränderte Anflugrouten“

Keinen Grund zu Jubel, aber teilweise positive Effekte erkennt Bürgermeister und Fluglärmdezernent Peter Schneider in den Zahlen der gestern veröffentlichten Monitoring-Ergebnisse zum Probebetrieb des Lärmpausenmodells, das seit zehn Monaten rund um den Frankfurter Flughafen angewandt wird.

„Dieses Ergebnis war zu erwarten“, sagt Schneider und verweist auf die besondere Lage der Stadt Offenbach, die unter drei Anflugschneisen liegt. „Wir haben bereits vor dem Beginn des Probebetriebs deutlich gemacht, dass einige Offenbacher Anwohnerinnen und Anwohner durch das Lärmpausenmodell eine Stunde mehr entlastet werden, im Gegenzug jedoch wieder eine stärkere Belastung für die Menschen im Süden der Stadt entsteht.“

Das Lärmpausenmodell bedeute für die Stadt Offenbach keine echte Lärmreduzierung, sondern nur eine Verteilung des Lärms, erläutert Schneider. „Eine echte Entlastung für Offenbach bringt nur die Umsetzung unserer langjährigen Forderungen nach einem achtstündigen Nachtflugverbot, echten Lärmobergrenzen und veränderten Anflugrouten („Segmented Approach“), damit auch über einwohnerschwächere Gebieten eingeflogen wird und nicht nur über die Großstadt.“

Die Stadt erkenne jedoch an, dass Entlastungseffekte morgens beziehungsweise abends für einen Teil der Bevölkerung messbar sind, so Schneider. „Wir werden diese Messergebnisse in der nächsten Sitzung der Fluglärmkommission am 09. März 2016 genauer betrachten und besprechen. Wichtig sind mir auch die Detailergebnisse der Befragung von Offenbacherinnen und Offenbachern.“

Offenbach liegt unter allen drei Einflugschneisen des Frankfurter Flughafens und leidet deshalb bei der mit Abstand am häufigsten vorkommenden Westwetterlage besonders unter dem Fluglärm. Unter der Einflugschneise der Nordwestbahn leben in Offenbach 45.000 Menschen, unter der Anflugroute der Südbahn knapp 14.000 Menschen. Unter den beiden Einflugschneisen zur Süd- und Centerbahn sowie nördlich der Centerbahn leben zusammengerechnet rund 36.000 Offenbacherinnen und Offenbacher.

Veränderte Anflugrouten bedeuteten deshalb, so Schneider, immer nur für einen Teil der Offenbacher Bevölkerung eine Entlastung, während gleichzeitig ein anderer Teil Mehrbelastungen erfährt. „Auch Forderungen nach einer sofortigen Schließung der Nordwestbahn brächten für Offenbach übrigens wenig: Dann bekäme der Süden Offenbachs wieder erheblich mehr Lärm ab, in etwa so wie vor der Eröffnung der Nordwestbahn“, betont Schneider. „Durch das derzeit angewandte Lärmpausenmodell erhält der Süden zwar eine Stunde lang ca. 3,5 db(A) mehr Lärm am Abend, dafür erhalten aber mehr Menschen im Bereich der Nord-West-Einflugschneise in der gleichen Zeit eine Entlastung um etwa 5 db(A).“

Bürgermeister Schneider geht davon aus, dass die Bevölkerung bei dieser Betrachtung die Veränderungen mehrheitlich positiv bewertet. „Mir ist allerdings auch klar, dass die Auswirkungen im Alltag zum einen praktisch kaum wahrgenommen werden, zum anderen je nach Stadtteil die Meinungen unterschiedlich ausfallen werden.“ Im Endeffekt zähle die Summe aller Maßnahmen, die zu einer echten Entlastung der Bürger führen und die umgesetzt werden müssten: „Offenbach hilft nur ein Nachtflugverbot von 22 bis 6 Uhr und eine Kombination aus Lärmobergrenzen und Lärmreduzierung durch geänderte Anflugrouten.“

Veranstaltungshinweis:

Die Bürgerinitiative Luftverkehr (BIL) veranstaltet am 11. Mai 2016, von 19.30 bis 21 Uhr zusammen mit der Stadt Offenbach einen Informationsabend zur Fluglärmbelastung, bei der die Evaluation des Lärmpausenmodells ebenso thematisiert werden wird wie die Pläne der Landesregierung zur Lärmobergrenze. Ihre Teilnahme angekündigt haben Staatsminister Tarek Al-Wazir und die Stabsstellenleiterin Fluglärmschutz in seinem Ministerium Regine Barth.

12. Februar 2016