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„Messen, messen, messen“ ist für Flughafendezernent Paul-Gerhard Weiß das Ergebnis einer Bürgerveranstaltung zum Thema Ultrafeinstaub aus Flugzeugabgasen. „Mehr Messergebnisse erlauben eindeutigere Schlussfolgerungen auf Handlungsoptionen für die Einschätzung der gesundheitlichen Auswirkungen von Ultrafeinstaubpartikeln (UFP) infolge des Flugverkehrs auf den Menschen“, erklärt Weiß.
Fluglärmmessstation Leibnizschule
© georg-foto.de

Seitens der Stadt Mühlheim gibt es parallel den Vorschlag auf Anschaffung eines gemeinsamen Ultrafeinstaubmessgeräts durch die Städte Offenbach, Mühlheim und Hanau.

Weiß spricht sich dennoch grundsätzlich dagegen aus, dass jetzt jede betroffene Kommune eigene Geräte anschafft und misst. „Die Erfahrungen mit eigenen Lärmmessungen in der Vergangenheit  haben gezeigt“ wird Weiß deutlich, „dass bei den Ministerien, Landesämtern und Gerichten keine Akzeptanz vorhanden ist Messergebnisse nicht offizieller Stellen anzuerkennen, zumal die selten den Qualitätsstandards genügen. Und wenn sie diesen entsprechen sollen, sind sie sehr teuer.“

Weiß schlug deshalb Mühlheims Bürgermeister Daniel Tybussek  und dem Oberbürgermeister von Hanau, Claus Kaminsky vor, auf Anschaffung eines gemeinsamen Messgeräts durch die Städte Offenbach, Hanau und Mühlheim zu verzichten  und sich stattdessen beim Hessischen Ministerium für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz für Messstellen in Überfluggebieten einsetzen, die den Qualitätsstandards genügen. „Es ist notwendig die Prüfaktivitäten ausweiten, um die Größenverteilung der Ultrafeinstäube zu untersuchen, weitere Messstellen müssten nicht unbedingt in Offenbach sein, sie können auch in Hanau, Mühlheim oder Neu-Isenburg aufgestellt werden“, so Weiß. Vor allem Messungen in Überfluggebieten sind unter Berücksichtigung der hauptsächlichen Windrichtung – in  Offenbach und den angrenzenden Kommunen von Südwest nach Nordost – wichtig. Ebenfalls sollten bei diesen Messungen die jeweiligen aktuellen Flugbetriebsrichtungen einbezogen werden.

Zudem wird Stadtrat Weiß das Thema in einer der nächsten Fluglärmkommissionssitzungen erneut auf die Tagesordnung setzen.

In einer gut zweistündigen Podiumsdiskussion Ende November im Gründercampus Ostpol, organisiert vom Flughafendezernat und der Bürgerinitiative Luftverkehr in Offenbach (BIL), haben der Dezernent für Luftreinhaltung und Immissionen beim Hessischen Landesamt, Prof. Dr. Stefan Jacobi, und die Vertreter des Arbeitskreises Ultrafeinstaub im Bündnis der Bürgerinitiativen, Wolfgang Schwämmlein und Joachim Alt, ins Thema eingeführt.

Ultrafeinstab ist eine Mischung aus Stoffen mit unterschiedlichen chemischen und physikalischen Eigenschaften, deren Durchmesser weniger als 100 Nanometer beträgt. Für größere Staubpartikel mit 10 und 2,5 Mikrometern Durchmesser existieren für die EU Grenzwerte, nicht aber für Ultrafeinstaub.

Deutlich wurde, dass eine mögliche Gesundheitsgefährdung durch Ultrafeinstaub in Flugzeugabgasen kontrovers diskutiert wird, basierend darauf, dass die Untersuchungsergebnisse über einen zweijährigen Zeitraum von Prof. Dr. Jacobi und den Herren Alt und Schwämmlein unterschiedlich bewertet werden.

Nach Ansicht der beiden Experten der Bürgerinitiativen gebe es deutliche Hinweise, dass kleinste Staubteilchen stark gesundheitsschädlich seien. Für sie ist auch klar, dass Flugzeuge viele ultrafeine Partikel emittieren und damit eine besondere Gefährdung darstellen. „Die vom Landesamt erbrachten Messungen zeigen den unmittelbaren Zusammenhang zwischen dem Flugbetrieb und der Belastung mit ultrafeinen Partikeln unter den Anflugrouten deutlich auf“, legte Alt sich fest. „Der Eintrag kommt unmittelbar von den Flugzeugen und wird durch Wirbelschleppen nach unten gedrückt, also in die Wohngebiete.“

Das wollte Jacobi so nicht stehenlassen zwar liege an der flughafennahen Messstation Raunheim die UFP-Konzentration sowohl im Mittel als auch im Extremausschlag über der in anderen urbanen Gebieten, aber kaum signifikant höher als an straßenverkehrsbelasteten Stellen.

„Ziel ist deshalb, um die unterschiedlichen Positionen mit Daten und Fakten zu erhärten“, stellt Dezernent Weiß abschließend fest. Er fordert „eine Vernetzung der Messstellen in Form eines Messverbunds beim Hessischen Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie, der die Informationen regional umfänglich auswertet und dann den betroffenen Kommunen zugänglich macht. Mit diesem umfassenden Datenmaterial über die UVP-Verteilung und weiteren Erkenntnissen über die Wirkungen auf die menschliche Gesundheit ist dann eher die Chance gegeben, beim Bundesgesetzgeber oder gar in der EU Grenz- bzw. Schwellenwerte zu fordern“.

Offenbach am Main, 20. Dezember 2017