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27. August 2001: Auch die jüngste Ankündigung des Hessischen Verkehrsministers Dieter Posch wertet der Oberbürgermeister der Stadt Offenbach, Gerhard Grandke, als politische Augenwischerei. Im Zusammenhang mit dem anstehenden Raumordnungsverfahren für den Flughafenausbau hatte Posch ausgeführt, dass er für den Sommerflugplan 2002 im Nachtflugbetrieb Bewegungskontingente durch Lärmkontingente ersetzen wolle. Wie Oberbürgermeister Grandke erklärt, bedeute dies im Ergebnis noch mehr Nachtflüge über der Stadt Offenbach.

Natürlich, so Grandke, müsse es Ziel aller Luftfahrtgesellschaften und Flughafenbetreiber sein, möglichst lärmarme Flugzeuge einzusetzen. Dies könne jedoch nur Modul eines Gesamtkonzeptes sein, an dessen Ende, konkretisiert für das Rhein-Main-Gebiet, ein weitgehendes Nachtflugverbot sowie die Herstellung von Belastungsgerechtigkeit in der gesamten Region stehen müsse.

Grandke: "Unsere Forderungen heißen Nachtflugverbot zwischen 22 Uhr und 6 Uhr sowie Lärmverteilung! Die vom Fluglärm geplagten Menschen in Bieber, Tempelsee und im Lauterborngebiet haben ein Recht auf Nachtruhe. Auch die modernen Flugzeuge, die weniger Lärm emittieren, verursachen in der Einflugschneise immer noch so laute Geräusche, dass das Leben und insbesondere der Schlaf vieler Tausend Offenbacherinnen und Offenbacher massiv gestört wird.

Der Verkehrsminister will nun, einfach gesagt, viele laute Flugzeuge durch noch mehr nicht ganz so laute Flugzeuge ersetzen. Das kann nicht sein."

Die Sturheit und Ignoranz, mit der Posch sich über die Interessen der betroffenen Menschen hinwegsetze sei, so Grandke, unerträglich. Posch vertrete einseitig die Interessen von Fraport, während die Belange der Bevölkerung auf der Strecke blieben. Die im Dialogforum immer wieder postulierten "vertrauensbildenden Maßnahmen" seien in der Realität alles andere als ein Verfahren, in dem versucht werde, Konsens mit der Bevölkerung herzustellen. Vielmehr würden ein ums andere Mal die vom Fluglärm betroffenen Bürgerinnen und Bürger hinters Licht geführt. Noch dazu sei das Verhalten des Wirtschaftsministers als auch das der Hessischen Landesregierung wenig geeignet, um das Vertrauen in Politik und Partizipationsprozesse zu stärken.

In dieses von Arroganz geprägte Bild passe die von Fraport-Chef Bender angekündigte Erhöhung des sogenannten Koordinationseckwertes von 78 auf 80 Flugbewegungen wie ein weiteres Puzzleteil, so Grandke. Mit dieser Maßnahme wolle Fraport nach den Berechnungen des Beraters der Stadt Offenbach, Dieter Faulenbach da Costa, eine Kapazitätserweiterung durchführen, die pro Jahr eine Mehrbelastung von ca. 40.000 auf dann 500.000 Flugbewegungen mit sich bringe. Diese zusätzlichen Flugbewegungen, so Faulenbach da Costa, entsprächen in etwa der Gesamtkapazität des Flughafens der Stadt Bremen.

Voraussetzung seien jedoch umfangreiche Baumaßnahmen auf dem Airport, deren planungsrechtliche Genehmigung, nach Aussage von Oberbürgermeister Grandke, derzeit vom juristischen Vertreter der Stadt geprüft würden.

In diesem Zusammenhang weist Grandke auf die geänderte, kostenlose Telefon-Nummer für Fluglärmbeschwerden hin: 0800 / 23 45 679.