Sprungmarken
Suche
Suche

24. Juni 2005: Als erste Städte in Europa konnten jetzt Offenbach und seine französische Partnerstadt Puteaux das 50-jährge Bestehen ihrer Verbindung feiern.
Beide Städte wurden dafür bereits 1956 vom Europarat mit dem Europapreis ausgezeichnet. Als nun die Jubiläumsfeier anstand, kam der Wunsch aus Puteaux, Ausrichter dieses Ereignisses sein zu dürfen.
Eine Delegation von sechs Vertreter/innen unserer Stadt, Bürgermeister Horst Schneider mit Gattin, Stadträtin Annerose Bovet, die Stadtverordneten Ellen Glaesner und Sigrid Isser sowie Oberamtsrat Frei von der Verwaltung wurde im ehrwürdigen „Hotel de Ville“, dem Rathaus von Puteaux, begrüßt, und es folgte ein interessantes Besichtigungsprogramm.
Alle Mandatsträger aus Offenbach bezahlten ihre Reisekosten übrigens selbst privat, eine Regelung, die bereits vor rund 20 Jahren eingeführt wurde, um jeden Verdacht des „Kommunaltourismus“ in die Partnerstädte zu vermeiden.
Wenn man nach dem Grund fragen würde, warum Puteaux dieses Jubiläum bei sich feiern wollte, muss man wissen, Puteaux kennt Finanznöte, wie sie deutsche Großstädte plagen, nicht. Zu ihrem Gemeindegebiet gehört die große Bürostadt „La Defense“ im Norden von Paris.
Unsere Partnerstadt verfügt daher auch über eine Reihe repräsentativer öffentlicher Einrichtungen, von denen wir (ohne Neid) nur träumen können.

Auf einer großen Insel in der Seine befindet sich ein sehr schönes Sport- und Kulturzentrum mit einem weitläufigen Rosen-Park und einem Verkehrspark, in dem die Kinder verkehrsgerechtes Verhalten im Straßenverkehr erlernen.
Die junge Polizei-Chefin von Puteaux legt hierauf besonderen Wert.
Durch den Rosenpark führt die „Offenbach-Promenade“. Auf dieser Seine-Insel befindet sich ferner ein so genanntes NATUROSCOP, ein Naturkundemuseum, welches auch sehr gut von Gruppen für Aktionen und Experimente genutzt werden kann. Kinder lernen dort zum Beispiel, Tiere, Pflanzen und Naturlaute zu unterscheiden. Das wird täglich genutzt.
Gegenüber dem Rathaus befindet sich ein großer, moderner Kulturpalast, in dem vom Jugendparlament bis zum afrikanischen Tanz viele Veranstaltungen stattfinden. Es gibt eine Spiel-Bibliothek für Kinder und Erwachsene. Die Stadt verfügt über einen eigenen großen Fitness-Club. In einer Volksküche „Le Gourmet“ wird für eine Jahresgebühr von nur 50 € französische Kochkunst gelehrt, und eine schöne alte städtische Villa wurde zur Mode- und Näh-Schule
für jedermann umgebaut.
Außerdem gibt es eine vorbildliche Behinderten-Werkstatt, ein städtisches Cyber-Café und sehr schöne Kindergärten mit Computer-Einzelunterricht ab dem 4. Lebensjahr.

All diese Dinge wurden nicht nur den Offenbachern, sondern auch einer Delegation aus der Stadt Kati im afrikanischen Mali vorgestellt, mit der Puteaux seit 20 Jahren eine Städtepartnerschaft unterhält.

Sehr beeindruckend war auch die Besichtigung der Bürostadt La Defense, in der auf zwei gut funktionierenden Ebenen etwa 1550 Firmen ansässig sind, vom Internet-Cafe bis zu großen Konzernen und Banken. 1320 davon gehören zu unserer etwa 40.000 Einwohner zählenden Partnerstadt und verschaffen dieser einen soliden finanziellen Rückhalt.

Anders als bei uns wird das Jugendparlament von Puteaux nur für ein Jahr gewählt. Es besteht fast ausschließlich aus 10-jährigen Kindern, die pro Jahr drei Sitzungen abhalten und eine Exkursion, wie etwa zum Europäischen Parlament nach Straßburg oder zu einem Gerichtshof, unternehmen.
Puteaux sieht als wichtigste Aufgabe dieses Jugendparlamentes die Heranführung der Kinder und Jugendlichen an die Aufgaben ihrer Stadt. Ein sehr starkes Gewicht liegt auch auf Umweltschutzfragen und der Weckung des Umweltbewusstseins.
Die Offenbacher Delegation, verbrachte über eine Stunde mit dem Jugendparlament von Puteaux, hörte zu, wie u.a. eine „sprechende Mülltonne“ vorgestellt wurde und beantwortete die Fragen der Kinder nach dem Leben in Offenbach.

Selbstverständlich wurde das Jubiläum auch für ein Arbeitsgespräch genutzt.
Bürgermeisterin Joélle Ceccaldi-Raynaud und Bürgermeister Horst Schneider waren sich darin einig, dieses 50-jährige Jubiläum als Neubeginn des städtepartnerschaftlichen Austausches zu nutzen.
Vor allem der Jugend- und Schüleraustausch soll wieder stärker gefördert und regelmäßig vereinbart werden. Hierauf legt auch unsere Partnerstadt ganz besonderen Wert, unsere Kinder zu guten und weltoffenen Europäern zu erziehen.

Madame Ceccaldi regte auch den regelmäßigen Austausch wichtiger Informationen zwischen unseren Städten an. Kulturereignisse, Ausstellungen, Nachrichten über Wahlen usw. sollten ausgetauscht und den Bürgern beider Städte bekannt gemacht werden. Das Internet ist dazu ein gutes Medium.

Künstler aus beiden Städten sollten gegenseitig Ausstellungen besuchen und daran teilnehmen. Musikfestivals verschiedenster Richtungen sowie ein „Künstler-Salon“, eventuell mit Studenten der Hochschule für Gestaltung und etablierten Offenbacher Künstlern, wurden angeregt.

Die Bürgermeisterin möchte, dass möglichst viele Schülerinnen und Schüler für das Erlernen der Sprache in der Partnerstadt interessiert werden und sie will dieses Interesse durch Anreize unterstützen.

Sie schlägt Offenbach ferner vor, sich an dem europaweit angelaufenen Nachbarschafts-Programm „immeubles en fète“ teilzunehmen.
Hier geht es darum, die Bewohner großer Wohneinheiten, Wohnblocks usw. zum gemeinsamen Feiern und Kennen lernen am Europatag anzuleiten.
Die Stadt Puteaux unterstützt dies durch die Bereitstellung von Tischen, Bänken und Sonnenschirmen. Bei uns sind solche Veranstaltungen schon als Straßenfeste bekannt. Die Bürgermeisterin nimmt daran aktiv teil und besucht diese Feste in der ganzen Stadt.

Mit einem feierlichen Festakt im Rathaus von Puteaux klangen die Jubiläumsfeierlichkeiten würdig aus.

Die etwa 250 geladenen Gäste freuten sich sehr, dass Bürgermeister Horst Schneider seine Festrede in einwandfreiem Französisch hielt und bedachten seine Ausführungen mehrmals mit Zwischenapplaus.
Er dankte dem französischen Volk für seine beispielhafte Initiative für diese freundschaftlichen Beziehungen nach dem 2. Weltkrieg, mehrere Jahre vor der offiziellen deutsch-französischen Freundschaft unter General Charles de Gaulle und Konrad Adenauer, und bekräftigte noch einmal die Absicht, diese Städtepartnerschaft mit neuem Leben und neuer Motivation auszustatten. Er will sich dafür vor allem bei den Schulen einsetzen.

Auch seine Gattin Constanze Schneider, die für die Offenbacher Delegation auch als Dolmetscherin fungierte, will sich künftig der Intensivierung des Schüler – und Jugendaustausches widmen. Als Schuldirektorin und Französisch-Lehrerin verfügt sie dazu schon über einige Erfahrung.

Schließlich überreichte Bürgermeister Horst Schneider der Bürgermeisterin für ihren 81-jährigen Vater, Dr. Charles Ceccaldi-Raynaud, der bis April vorigen Jahres 35 Jahre lang Bürgermeister von Puteaux war, als besondere Auszeichnung und Dank die Ehrenplakette der Stadt Offenbach.

Das 50-jährige Bestehen der Städtepartnerschaft wurde würdig und erfolgreich begangen, und es konnte der Grundstein für einen Neustart und die Intensivierung der guten Beziehungen gelegt werden.