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04. Oktober 2007: Die Kreativ-Wirtschaft könnte eine der tragenden Säulen von Offenbachs wirtschaftlicher Zukunft sein. So lässt sich ein wissenschaftliche Studie der Universität Trier zusammenfassen. Gutachter rund um den Lehrstuhl für Kultur- und Regionalgeografie haben in bundesweit einmaliger Genauigkeit die Potenziale und Anforderungen kreativ tätiger Unternehmer und Freiberufler in Offenbach untersucht. Und sie liefern der Stadt sehr konkrete Anregungen, wie sie diesen jungen, dynamischen und vielversprechenden Wirtschaftszweig fördern und binden kann.

Die vage Beobachtung, dass sich Offenbach in den vergangenen Jahren zu einem Standort für die Kreativ-Wirtschaft entwickelt hat, lässt sich mit dem Gutachten der Uni Trier nun belegen. Rund 900 Unternehmen mit etwa 4.100 Beschäftigten sind dieser Branche zuzurechnen. Laut Gutachten sind sie schwerpunktmäßig im Bereich Unternehmensberatung, Werbung und Marketing sowie in der Informationstechnologie und im Design tätig.

Laut Professorin Dr. Ulrike Sailer, die die Untersuchung geleitet hat, ist die Zahl der Firmen für eine Stadt der Größenordnung Offenbachs überraschend. Begründet sei die relativ hohe Dichte (rund sieben Prozent der Arbeitsplätze in Offenbach sind der Kreativ-Wirtschaft zuzurechnen) zum einen durch die günstige Lage innerhalb des Ballungsraums Rhein-Main und zum anderen durch die ortsansässige Hochschule für Gestaltung (HfG), die man als Brutstätte bezeichnen könne. Und Offenbach hat einen weiteren Standortvorteil: vergleichsweise geringe Gewerbemieten.

Zu 55 Prozent handelt es sich um Ein-Mann- beziehungsweise Ein-Frau-Unternehmen, nur fünf Prozent beschäftigen mehr als zehn Mitarbeiter. Die sind allerdings überwiegend sehr gut qualifiziert. Die Mehrheit verfügt über einen Hochschulabschluss und sofern es sich um Unternehmensberatungen oder IT-Unternehmen handele, könne man auch von einem guten Einkommen ausgehen, was wiederum Kaufkraft bedeutet, die wirtschaftliches Wachstum verspricht.

Die Herausforderung für die städtische Wirtschaftsförderung bestehe darin, die Kreativen dauerhaft an den Standort Offenbach zu binden, so Sailer. Denn zwar sind in den vergangenen Jahren etliche Kreative nach Offenbach gezogen und der Umfrage zufolge sind aktuell kaum Abwanderungen zu befürchten. Doch die Mobilität ist groß. Weil die Unternehmen klein und nicht allzu aufwändig ausgestattet sind, sind Umzüge keine Seltenheit und die Verbundenheit besteht eher mit der Region als mit der Stadt.

Offenbach hat das Zeug zum Kreativ-Standort, doch bis dahin gibt es der Studie zufolge noch einiges zu tun – nicht zuletzt am Image. "Es müsste Offenbach als kreative Stadt erlebbar gemacht werden", so ein Vertreter der Branche in einem Interview mit den Gutachtern. Professorin Sailer sieht im Ausbau des Hafenareals einen wichtigen Beitrag zum Standort-Ausbau. "Kreative suchen die Nähe zum Wasser, das sind bevorzugte Standorte", erklärt sie – ein Beispiel: Medienhafen Düsseldorf.

Fördern könne die Stadt die Branche, indem sie gezielt zu deren Vernetzung beitrage: Beispielsweise durch Kreativtage und durch ein Bündelung der Unternehmen im Rahmen des städtischen Internet-Portals. Durch eine zentrale Anlaufstelle könne die Zusammenarbeit zwischen Stadt und Kreativwirtschaft institutionalisiert werden. Hilfreich sei auch die Initiierung eines Mentoren-Netzwerks, innerhalb dessen „Alte Hasen“ jungen Unternehmensgründern auf die Sprünge helfen. Und schließlich müsse Offenbach auch den Standort selbst und sein Image verbessern, kreatives Potenzial sichtbarer machen – zum Beispiel durch Design und Kunst im öffentlichen Raum – und an den Hochschulen in der Region für den Standort werben.

„All diese Vorschläge leuchten uns unmittelbar ein“, so Oberbürgermeister Horst Schneider, der den Empfehlungen Schritt für Schritt folgen möchte. Erste Schritte sind schon geplant: Jetzt, da die Stadt dank der Studie über eine aktuelle Datenbank mit den Adressen aller Unternehmen im Bereich der Kreativ-Wirtschaft verfügt, soll es Anfang 2008 eine Veranstaltung geben, um ein Zusammentreffen der Kreativen zu ermöglichen und sogar regelmäßige Tagungen an wechselnden Orten ins Leben zu rufen. Laut Amtsleiter Jürgen Amberger hat die Stadt Offenbach außerdem ihre Übersicht an Gewerbeflächen überarbeitet, um der Kreativ-Wirtschaft auf Nachfrage gezielt die geeigneten Objekte anbieten zu können.

Das Gutachten "Kreativwirtschaft in Offenbach" sowie dessen Zusammenfassung stehen am Ende dieser Seite als Download zur Verfügung. Der Bericht kann auch auf der Website der Gutachter heruntergeladen werden: www.regionalgeographie.de, unter "Aktuelles".