Sprungmarken
Suche
Suche

31. März 2008: Das Haus der Stadtgeschichte hat ergänzend zu seiner umfangreichen Briefesammlung der ersten deutschen Erfolgsautorin Sophie von La Roche (1730-1807) Gegenstände aus dem engsten Familienkreis der Schriftstellerin angekauft. Es handelt sich um drei Exponate aus Privatbesitz, die bereits im Rahmen der Sophie von La Roche-Ausstellung \"Meine Freiheit, nach meinem Charakter zu leben\" zu sehen waren.

Folgende Gegenstände konnten erworben werden:

1. Johann Conrad Felsing nach Friedrich Jakob Hill, Bildnis Franz Wilhelm von La Roche F.[riedrich] J.[akob] Hill pinx:[it] 1791. C.[onrad] Felsing sc:[ulpsit] Darmst:[adt] Franz von la Roche / Fürstl.[ich] Hessen-Darmstädt.[ischer] Jagdjunker und Oberforstamts-Assessor. […] Punktierstich in Rötelfarbe 27 x 19,5 cm (Blatt)1791

Der Darmstädter Bildnis- und Miniaturmaler Friedrich Jakob Hill (1758-1846), dessen gemalte Vorlage Johann Conrad Felsing (1766-1819) als Punktierstich anlegte, hatte im Todesjahr des Dargestellten ein wohl postumes Porträt gefertigt. Franz Wilhelm von La Roche (1768-1791) verstarb als Lieblingssohn der Sophie von La Roche überraschend nach achttägiger Krankheit, verlobt mit Henriette von Bültzingslöwen, im Alter von nur dreiundzwanzig Jahren. Eine »Entzündungskolik« nannte Sophie von La Roche als Todesursache gegenüber Elise Gräfin zu Solms-Laubach in einem Brief vom 14. September 1791 [Haus der Stadtgeschichte, Archiv, Offenbach am Main]. Das Gedenkblatt nach dem Gemälde wurde in Auftrag gegeben von Franz Wilhelm von Loskant, der sich als Kaiserlicher Kammergerichts-Assessor und Pate in der Widmungsinschrift nennt. Franz Wilhelm von La Roche fand seine letzte Ruhestätte auf dem Kirchhof des damals noch selbständigen Ortes Bürgel, auf dem im Jahr 1788 bereits der Vater bestattet worden war. Sophie von La Roche erwähnte das Bildnis in einem Brief aus Offenbach am Main, 8. Februar 1793, an Johann Friedrich Christian Petersen (1753-1827) in Darmstadt geschrieben [Freies Deutsches Hochstift / Frankfurter Goethe-Museum].

2. Franz Wilhelm von La Roche, Auf dem Luzerner See Mit Schriftzug des Georg Carl von La Roche von meinem verstorbenen Bruder Franz v Laroche gezeichnet.Federzeichnung, unvollendet 11,6 x 17 cm 1784

Die vor der Ausstellung im Haus der Stadtgeschichte der Fachwelt unbekannte Zeichnung trägt einen Vermerk des Georg Carl von La Roche (1766-1839) als Bruder des zuvor verstorbenen Franz Wilhelm von La Roche (1768-1791). Während Franz Wilhelm durch diesen als Zeichner des Blattes überliefert ist, verweist das Motiv selbst in die schweizerische Landschaft. Eine auf den Tag genaue Zuordnung des undatierten Blattes und auch die Benennung des Motivs wurden durch eine Textstelle in Sophie von La Roches \"Tagebuch einer Reise durch die Schweitz\" (Altenburg 1787), das die gemeinsam mit ihrem Sohn Franz Wilhelm unternommene Reise von 1784 beschreibt, im Rahmen der Ausstellung erstmals ermöglicht. Unter dem Eintrag \"Den 11ten Julii halb 7 Uhr auf dem Lucerner See\" schreibt sie über eine dortige Bootsfahrt: \"Nun sehen wir bey einer Wendung einige große Felsklumpen im See, denn Inseln kan[n] man es nicht nennen, ob sie schon rings um mit Wasser umgeben sind; auf dem einen ist ein Kreuz, auf dem andern eine Capelle errichtet, zu welcher man auf einer Leiter aus dem Schiffe steigt. Im Vorbeyfahren sahen wir die Statue des heiligen Nicolaus an dem Fenster mit der segnenden Hand gegen den See […]\". Offenbar ist dies die Szene, die ihr Sohn Franz Wilhelm mit dieser unfertigen Zeichnung wohl noch auf der Bootsfahrt festhielt.

3. Medaillonbildnis Georg Carl von La Roche Signatur EG. 1791 Auf der Rückseite: Hellmuth / von Laroche Gerahmtes Medaillonbild hinter Glas, Gouache mit schraffiertem Hintergrund in Bleistift H: 12 x T: 2,2 x B: 10,1 cm (oval)

Das vor der Ausstellung im Haus der Stadtgeschichte der Fachwelt ebenfalls unbekannte Bildnis im Profil nach links, das ein Künstler im Jahr 1791 unter der bislang nicht aufgeschlüsselten Signatur EG fertigte, trägt als rückseitige Notiz von alter Hand den Hinweis auf Hellmuth von La Roche. Es handelt sich dabei um einen Enkel der Sophie von La Roche, nämlich um einen Sohn des Georg Carl von La Roche (1766-1839) und dessen Ehefrau Friederike, geb. Freiin von Stein-Miltitz. Hellmuth kann mit diesem Medaillon allerdings nicht dargestellt sein, da sein Vater Georg Carl im Entstehungsjahr des Bildes selbst erst fünfundzwanzig Jahre zählte, während das Bildnis bereits einen erwachsenen Mann zeigt.

Wahrscheinlich gehörte dieses Medaillon, aufgrund des rückseitigen Vermerks – der somit als Besitzvermerk gedeutet ist – Hellmuth von La Roche, und zwar als Erinnerung an die Jugendjahre seines Vaters. Unter dem Datum des 20. Februar 1804 blieb ein aus Offenbach am Main geschriebener Brief der Sophie von La Roche an diesen Enkel Hellmuth erhalten [Freies Deutsches Hochstift / Frankfurter Goethe-Museum]. In diesem Brief schreibt sie: \"Du siehst deinem Vater ähnlich, werde liebes Kind! in allem, wie er von jung auf war, denn nie – nie – hat Er weder den Großvater, noch mir, den mindesten Anlaß zu klagen gegeben und immer liebten ihn, alle Kluge – und alle rechtschafne Männer\".