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29. September 2008: In Hessen sind wichtige Zeugnisse einer im Einklang mit der Natur stehenden Landnutzung Bestände alter, hochstämmiger Obstbäume, Streuobstwiesen genannt.

Die darunter liegenden Wiesen wurden in der Vergangenheit meist von Kleinbauern ein- bis zweimal jährlich gemäht oder als Weiden extensiv genutzt. Oft fand unter den Bäumen sogar wenig rentabler Ackerbau statt.

Die mühsame Obsternte von diesen hohen Bäumen, preisgünstige Obstproduktion auf niedrig wachsenden Bäumchen in Plantagen und billige Mostobstimporte aus dem Ausland sowie der Rückgang der Viehhaltung haben das Interesse an der arbeitsaufwändigen Bewirtschaftung schwinden lassen. Steigender Baulandbedarf ließ gleichzeitig die Bodenpreise im Umfeld der Städte und Dörfer derart ansteigen, dass Eigentümer von Streuobstflächen in Erwartung guter Verkaufserlöse die Bewirtschaf-tung vieler Flächen aufgaben. Innerhalb von knapp zwei Jahrzehnten, zwischen 1965 und 1987, verschwanden mehr als 83% der hessischen Obsthochstämme und mit ihnen Elemente einer alten, artenreichen Kulturlandschaft.

Früher war das auch in Offenbach so:
Am Rand der Stadtteile Bieber, Bürgel und Rumpenheim wurden kostbare Streuobstflächen zunächst als „Bauerwartungsland“ betrachtet und nicht mehr gepflegt. Massenerträge ließen bald hunderte von ungeschnittenen Apfelbäumen zusammenbrechen. In der Folge wurden typische Vogelarten der Obstwiesen, wie Gartenrotschwanz, Grauschnäpper und Rotrückenwürger und viele Fledermausarten selten, schon immer seltene Arten, wie Wendehals und Steinkauz, verschwanden völlig oder stehen kurz vor dem Aussterben. Auch ehemals häufige Schmetterlingsarten, wie der große Fuchs, Feuer- und Kupferglucke und sogar die früher gefürchteten Obstbaumschädlinge Goldafter und Ringelspinner, sind aus unserer Umgebung verschwunden.
Erst ab Mitte der 80er Jahre des 20. Jahrhunderts wurde der Artenschwund auch für Laien offenbar, da selbst allgemein bekannte und auch Stadtbewohnern vertraute Tierarten immer seltener wurden. So wurden erste Schutzmaßnahmen für die Reste der Streuobstwiesen ergriffen.

So konnte als eines der ersten und erfolgreichsten Projekte am Südrand des Lohwaldes ein alter, völlig verwahrloster Apfel- und Pflaumenbestand saniert und auf der noch freien, östlich angrenzenden Ackerfläche durch Anpflanzung von rund 40 Obstbaumhochstämmen alter Kultursorten ergänzt. Als gebietstypische Besonderheit wurden auch mehrere Speierlinge gepflanzt, die in diesem Jahr auch ihre würzigen, birnenförmigen Früchte präsentieren. Nach Ende der Ackernutzung hat sich aus im Boden noch ruhenden Samen im Lauf von gut 20 Jahren allmählich ein artenreicher Magerrasen entwickelt. Anstelle ehemaliger Grünkohl- und Schnittlauchmonokulturen gedeihen jetzt in einer artenreichen Wiese Bergsandglöckchen, Deutscher Ginster und Kronwicken.
Zur Unterhaltung der Obstbäume konnte mit einem ortsansässigen Verein ein Pflegevertrag abgeschlossen werden. Statt der arbeitsaufwändigen Mahd treibt seit mehreren Jahren ein Schäfer aus dem benachbarten Obertshausen zweimal jährlich seine Herde über die Fläche.

Bis heute erhalten wir damit etwa 1 Hektar dieses ökologisch hochwertigen Lebensraumes. Weitere alte Streuobstflächen finden sich in Bieber, Bürgel und Rumpenheim und sind sind gerade auch in diesem Herbst wieder in vollem Ertrag zu bewundern. Doch gerade der starke Ertrag kann leider auch der Untergang der Bäume sein, wenn sie ihre schwere Last nicht mehr tragen können.

Das Amt für Umwelt, Energie und Mobilität möchte gemeinsam mit den Eigentümern dieser Flächen gerne einen Beitrag zur Erhaltung und weiteren Entwicklung dieses Hessischen Kulturerbes leisten und würde sich über Rückmeldungen unter der Telefonnummer 80652557 oder per e-mail an umweltamtoffenbachde freuen.