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21. Januar 2009: Kindern und Jugendlichen gute Bildungschancen und damit Zukunftsperspektiven zu bieten, bedarf in Offenbach besonderer Anstrengungen. Auch der vierte Bericht „Erziehung und Bildung in Offenbach“ (EBO) dokumentiert, dass die Stadt Offenbach diese Herausforderung annimmt. Der Bericht listet auf, welche Angebote es für die Altersgruppe der 0- bis 16-Jährigen gibt. Bildungsdezernent Paul-Gerhard Weiß: „Ich denke, dass wir auf dem richtigen Weg sind, auch wenn noch viele Aufgaben vor uns liegen.“

Zum ersten Mal erfolgt eine Darstellung des, für die Bildungsplanung der Stadt Offenbach hoch relevanten, Merkmals des Migrationshintergrunds. Das Merkmal wurde durch die Jugendhilfeplanung aus Einwohnermeldedaten ermittelt. Für die EBO-relevante Zielgruppe lassen sich folgende, vorläufigen, Ergebnisse festhalten: 48 Prozent der Kinder und Jugendlichen bis 16 Jahren haben einen Migrationshintergrund, davon 29 Prozent mit ausländischer und 19 Prozent mit deutscher Staatsangehörigkeit. Die Analyse zeigt, dass zunehmend Kinder in das Schulsystem hineinwachsen, die die deutsche Staatsbürgerschaft sowie einen Migrationshintergrund besitzen (Anteil bei Kleinkindern 30 Prozent, Anteil bei Schulkindern zwölf Prozent).

Systematische Sprachförderung

Armut in Verbindung mit geringem Bildungsstand sowie Migrationshintergrund verbunden mit einem besonderen Förderbedarf beim Erlernen der deutschen Sprache sind Faktoren, die in Offenbach eine größere Rolle spielen als im hessischen Durchschnitt. Der Bericht zeigt, wie die Stadt in Kooperation mit anderen Bildungsträgern darauf mit einer besonderen Angebotspalette reagiert. So gibt es systematische Sprachförderung mit wissenschaftlicher Begleitung in allen städtischen Kindertagesstätten. 2009 wird sie im Zuständigkeitsbereich des Eigenbetriebs Kindertagesstätten Offenbach (EKO) bereits 1500 Kindern zu Gute kommen, und damit laut Betriebsleiter Hermann Dorenburg allen Kindern, für die Deutsch die Zweitsprache darstellt. Auch die naturwissenschaftliche und musische Elementarbildung in den Kindertagesstätten soll laut Bürgermeisterin Birgit Simon verstärkt werden, und man will verstärkt auf die freien Träger einwirken, dass auch diese Sprachförderung in ihren Kindertagesstätten anbieten.

Die Stadt hat eine Fortbildungsoffensive für die Erzieherinnen und Erzieher in städtischen Kitas gestartet. Mit der Entlastung durch zusätzliches Personal und mit Unterstützung von Coaches, sollen im Zuge des Fortbildungsprozesses ganze Kita-Teams gemeinsam geschult werden, um die Qualität der Erziehungs- und Bildungsarbeit in den einzelnen Einrichtungen zu steigern. Die Fortbildungen finden nicht extern, sondern intern statt und berücksichtigen jeweils die spezifische Situation der Kita. 900.000 Euro sind dafür im diesjährigen Wirtschaftsplan des EKO veranschlagt.

Reibungsloser Übergang zur Grundschule

Damit die individuelle Förderung in der Grundschule bruchlos fortgesetzt werden kann, hat sich die Stadt für eine Vereinbarung mit dem Staatlichen Schulamt eingesetzt: Mit Beginn des Schuljahres 2009/2010 soll es für jedes Kindergartenkind einen Förderplan geben, der den Bedarf an zusätzlicher Unterstützung dokumentiert, damit die Grundschule daran anknüpfen kann. Diese Förderpläne sind individuell auf jedes einzelne Kind ausgerichtet und vermitteln eine Diagnose des aktuellen Lernstandes.

Auch Dr. Peter Bieniussa, stellvertretender Leiter des Staatlichen Schulamts, misst der Sprachförderung einen zentralen Stellenwert bei, wenn es darum geht, den Schulerfolg wirksam zu steigern. „Offenbach hat an Bildungsaktivitäten mehr zu leisten als andere Kommunen“, ist auch er überzeugt. Nicht zufrieden ist das Staatliche Schulamt mit der Zahl derer, die ihre Schullaufbahn ohne Hauptschulabschluss beenden. Der EBO für das Jahr 2007 weist hierfür zwar keine offizielle Zahl aus. Die Verfasser haben durch eigene Nachfragen bei den Schulen jedoch die Zahl 84 ermittelt. Das entspricht einer Quote von 19 Prozent, womit Offenbach weiterhin über dem Landesdurchschnitt liegt. Die Bildungsanstrengungen im Kita- und Grundschulbereich trügen erst allmählich Früchte, zumal es eine relativ hohe Zahl an sogenannten Seiteneinsteigern gebe, also Schüler, die bedingt durch den Zuzug nach Offenbach erst im Verlauf der Mittelstufe an eine deutsche Schule kommen, und die dann nicht innerhalb weniger Jahre in der Lage seien, einen Schulabschluss zu erreichen.

Erfolgsmodell Ganztagsklassen

„Der Ausgleich von Bildungsbenachteiligungen ist nur durch Ganztagsangebote zu schaffen“, ist Bürgermeisterin Simon überzeugt. Sie hat gemeinsam mit dem EKO ein Offenbacher Modell für Ganztagsklassen an Grundschulen auf dem Weg gebracht. An der Eichendorffschule startet das Modell im kommenden Schuljahr die vierte Ganztagsklasse. An der Goetheschule, der Buchhügelschule und der Mathildenschule werden es dann bereits jeweils drei Klassen sein, in denen Erzieherinnen des EKO gemeinsam mit Lehrkräften an einem Ganztagsprogramm mitwirken, das Unterricht und Freizeitangebote kombiniert. Eltern bietet dieses Programm eine verlässliche Unterbringung ihrer Kinder von 7.30 Uhr bis 17 Uhr. Das Angebot der Stadt, dieses Modell zu übernehmen, richte sich an alle Grundschulen, so Simon. Jede Schule könne allerdings frei entscheiden, ob sie das Angebot wahrnehme oder nicht. Lehrer müssten dann bereit sein, ihre Arbeitszeit anders einzuteilen, erklärt Peter Bieniussa.

Mit ihrem Schulneubau- und -sanierungsprogramm mit einem Investitionsvolumen von 250 Millionen Euro will die Stadt Offenbach nach und nach alle Offenbacher Schulen räumlich in die Lage versetzen, einen Ganztagsbetrieb einzurichten.

50 Prozent Ganztagsschulen

An fünf Schulen der Sekundarstufe I wird eine „Offene Ganztagsbetreuung“ mit städtischen Mitteln gefördert, an der im Jahr 2007 1588 Schülerinnen und Schüler teilgenommen haben. Schließlich wurde in 2007 an Bach-, Ernst-Reuter- und Mathildenschule das Projekt „Kooperatives und schülerzentriertes Ganztagsschulprojekt“ (KUS) begonnen. Ganztägig arbeitende Schulen erhalten von der Stadt einen Zuschuss von 10.000,- Euro im Jahr und drei Sekretariatswochenstunden für den Ganztagsbetrieb. Im Jahr 2007 bestehen an allen Offenbacher Grund- und Förderschulen Betreuungsangebote, von den 24 allgemeinbildenden Schulen sind im Berichtsjahr 12 als ganztägig arbeitende Schulen anerkannt.

Die Idee, ein verpflichtendes Vorschuljahr einzuführen, findet Offenbachs Bildungsdezernent Weiß durchaus gut. Räumlich sei Offenbach jedoch in einigen Stadtteilen derzeit kaum in der Lage, diese Idee umzusetzen. Schon jetzt gebe es Schulen, die aus allen Nähten platzten, wie zum Beispiel die Goetheschule im Nordend, die bereits sechszügig angelegt sei.

Mittel bedarfsgerecht verteilen

Weiß fordert deshalb, die Mittel aus dem Konjunkturprogramm für Investitionen in den Schulbau bedarfsgerecht an die Kommunen zu verteilen und das Geld nicht mit der Gießkanne auszuschütten. Wichtig sei auch die Zuweisung von Lehrerstellen nach einem Sozialstrukturindex. „Wir haben in Offenbach einen anderen Bedarf als Königstein“, so Weiß.

Um die Entwicklung des EBO weiter voranzutreiben, werden Stadt und Staatliches Schulamt 2009 an der Erprobungsphase „Regionales Bildungsmonitoring“ des Bundesministeriums für Bildung und Forschung teilnehmen.