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20. Januar 2010: Karin Haßinger ist neue Leiterin des Offenbacher Amtes für Veterinärwesen und Verbraucherschutz. Die zuständige Dezernentin, Bürgermeisterin Birgit Simon, stellte die neue Amtsleiterin vor, die seit 15. Dezember 2009 in Offenbach tätig ist. Anders als in der Amtsbezeichnung steht in der Praxis der Verbraucherschutz an erster Stelle. Laut Karin Haßinger, Jahrgang 1955, liegt der Schwerpunkt vor allem auf Qualitätskontrollen in der Gastronomie und im Lebensmittelhandel. Im Sinne von Bürgermeisterin Simon will Haßinger das Qualitätsbewusstsein der Anbieter ebenso verstärken wie die Aufklärung der Verbraucherinnen und Verbraucher.

Seit 2005 sind die Aufgabengebiete Veterinärwesen und Verbraucherschutz nicht mehr beim Land Hessen, sondern bei den Kommunen angesiedelt. Das Land finanziert allerdings einen Großteil der Personal- und Sachkosten, die im Falle des Offenbacher Amtes jährlich rund 450.000 Euro betragen. Laut Bürgermeisterin Simon wurde die Finanzzusage des Landes auf Drängen der kommunalen Spitzenverbände jüngst um weitere zwei Jahre verlängert.

Drei Lebensmittelkontrolleure sind im neunköpfigen Amt für Veterinärwesen und Verbraucherschutz beschäftigt, laut Haßinger hoch qualifizierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die für die Überwachung von mehr als 1500 Lebensmittelbetrieben zuständig sind, darunter rund 450 Einzelhandelsbetriebe, circa 480 Gaststätten - vom Spitzenrestaurant bis zur Dönerbude - und 170 Kantinen. „Wir schauen auch in den Kindertagesstätten mit Mittagstisch: was wird geliefert, wie wird es verarbeitet und wie kommt es auf den Tisch“, ergänzt Bürgermeisterin Simon. Das Stadtgebiet ist in drei Kontrollbezirke aufgeteilt. Die Zuständigkeit der Kontrolleure wechselt, um so Befangenheiten zu vermeiden.
1116 Kontrollen fanden im vergangenen Jahr in Lebensmittelbetrieben statt – größtenteils unangemeldet. In 560 Fällen gab es keinerlei Beanstandungen.

In Fällen von mangelnder Hygiene bei der Lebensmittelverarbeitung verfügt das Fachamt über eine ganze Reihe von Sanktionsmitteln, von der kostenpflichtigen Nachkontrolle über Verwarnungen und Bußgelder bis hin zu Betriebsschließungen. Dort, wo dies notwendig ist, um Gesundheitsgefährdungen der Verbraucher wirksam auszuschließen, schreckt das Amt davor nicht zurück. Vier Betriebe wurden im vergangenen Jahr dicht gemacht, 13 Bußgeldverfahren wurden eingeleitet und 59 kostenpflichtige Verwarnungen ausgesprochen.

Sanktionen oder gar Betriebsschließungen sind für Karin Haßinger allerdings nicht der Weisheit letzter Schluss. Schließlich sollten Einzelhändler und Gastronomen die Chance haben, ihr Geschäft in Offenbach erfolgreich zu betreiben. Gleichzeitig sollen Verbraucher das Angebot bedenkenlos genießen können. Haßinger sieht ihre Aufgabe folglich auch darin, Händler und Wirte bei der Qualitätssicherung zu unterstützen, ihnen konstruktive Hinweise zu geben und auch Schulungen anzubieten. Wichtig sei dies vor allem, wenn Inhaber häufig wechselten oder nicht über eine entsprechende Qualifikation verfügten.

Verstärkte Öffentlichkeitsarbeit will das Amt auch im Fall von Lebensmittelskandalen leisten. Gerade dann, wenn die Öffentlichkeit durch Schlagzeilen über die angebliche Gefährdung bestimmter Lebensmittel oder Inhaltsstoffe aufgeschreckt werde, könne das Fachamt zur Versachlichung der Diskussion beitragen.

Bürgermeisterin Simon und Amtsleiterin Haßinger setzen auf souveräne Verbraucher, die auch selbst in der Lage sind, Lebensmittelanbieter kritisch unter die Lupe zu nehmen. „Wenn etwas schlecht riecht, schlecht aussieht oder schlecht schmeckt, dann sollte sich der Verbraucher auf seine ureigensten Prüfinstrumente verlassen“, sagt Karin Haßinger. Aus ihrer Sicht sind Bürgerinnen und Bürger wichtige Außendienstmitarbeiter des Amtes für Veterinärwesen und Verbraucherschutz. Sie sollten sich nicht scheuen, bedenkliche Zustände an das Fachamt zu melden. Falls nach dem Verzehr von Lebensmitteln der Verdacht einer Vergiftung besteht und gravierende Beschwerden wie Durchfall oder Erbrechen auftauchen, ist es laut Haßinger entscheidend, dass ihr Amt sofort verständigt wird. Denn nur dann könne man direkt eingreifen und weitere Erkrankungen verhindern. Ärzte meldeten solche Fälle zunächst ans Gesundheitsamt. Das Amt für Veterinärwesen und Verbraucherschutz erhalte die Information dann oft erst Tage später und so gehe wertvolle Zeit verloren.

Während der üblichen Dienstzeiten können sich Bürgerinnen und Bürger an die Zentrale des Amtes für Veterinärwesen und Verbraucherschutz wenden, Telefon 069 / 80 65 49 10. Außerhalb der Dienstzeiten kann man in dringenden Fällen auch die Leitstelle unter 112 informieren, die dann die Rufbereitschaft des Amtes alarmiert.

Karin Haßinger, die Agrarwissenschaften und Tiermedizin studiert hat, war zuletzt im Lahn-Dill-Kreis in der Abteilung für Veterinärwesen und Verbraucherschutz tätig und hatte dort die Fachdienstleitung für amtliche Lebensmittel- und Fleischhygieneüberwachung inne. Seit 2005 ist sie Fachtierärztin für öffentliches Veterinärwesen. Im Falle von Tierseuchen gehört sie als Amtstierärztin in Offenbach dem entsprechenden Krisenstab an.

Karin Haßingers Amt hat auch dafür zu sorgen, dass Tiere angemessen gehalten werden. Dafür gibt es einen Tiergesundheitsaufseher. „Auch hier gilt es, streng zu sein und Tierhaltern zu vermitteln, wie ordnungsgemäße Tierhaltung auszusehen hat“, sagt Simon.