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10. Juni 2011: Spielen, Basteln, mit Farben, Klebstoff und Schere experimentieren – für Kinder wichtige Elemente, fördern sie doch Kreativität, räumliches Denken und soziale Kompetenz. Jedoch ist der Umgang mit für uns so selbstverständlichen Gegenständen wie eben beispielsweise Knete und Würfel keine universelle Kulturtechnik, sondern muss erst gelernt werden. Im Rahmen des Projektes „ELMO – Eltern lernen mit in Offenbach“ werden Eltern bei der Stärkung und Unterstützung ihrer Kinder in Bildungs- und Entwicklungsprozessen begleitet.

„Beratungsangebote für Eltern müssen passgenau sein“, erklärte Bürgermeisterin Birgit Simon bei der Vorstellung der ersten Projekte des Netzwerks Elternschule. Oftmals fehle die Zeit, vielfach aber auch Sprachkenntnisse und daraus resultierend die Basis, um einen Elternabend in der Schule zu besuchen, ein Gespräch mit den Lehrern zu führen. „Hinzu kommt“, so Simon, „dass Eltern aus anderen Ländern die hiesigen Kulturtechniken schlichtweg fremd sind und sie ihre Kinder daher auch nicht unterstützen können.“ Das bestätigt auch Mahshid Najafi. Die Iranerin berät für den Verein für Kultur und Bildung (KUBI) e.V. Menschen, die aus dem Ausland nach Offenbach gekommen sind und sie erinnert sich gut, dass Spielen in ihrer Heimat den Kindern vorbehalten war. Als Mutter in Deutschland habe sie vieles neu lernen müssen und vieles von dem, was ihre Tochter aus dem Kindergarten an Ideen mit nach Hause brachte, kannte sie nicht.
Die Aussage „andere Länder, andere Sitten“ ist für Urlaubreisende spannend, für das tägliche Leben jedoch eine Herausforderung: viele vertraute Handgriffe passen nicht mehr in die hiesigen Alltagswelten und müssen angepasst werden. Kindern kann dies bei entsprechender Unterstützung gut gelingen. Hier setzt „ELMO“ an: denn die insgesamt vier Projektpartner CariJob gGmbH, Deutsches Rotes Kreuz, Internationaler Bund (IB) und eben KUBI qualifizieren Frauen für aufsuchende Elternarbeit. Diese Hausbesucherinnen vermitteln den Eltern, was sie mit Kindern spielerisch machen können, damit diese leichter Anschluss finden. Ob im Kindergarten oder in der Schule – die hiesigen Erwartungen und Anforderungen an die Kinder sind andere als in den Ursprungsländern zahlreicher Familien. Die Projektmitarbeiterinnen besuchen die Familien mit Kindern im Vorschulalter und bringen Lernmaterialien, Übungen und Spielanleitungen mit. Sie ermutigen und unterstützen die Eltern, regelmäßig mit ihren Kindern zu spielen und zu sprechen. Schließlich können Spiele eine Art von Verständigung darstellen, sie können als Türöffner fremder Länder und Kulturen dienen. Davon können Eltern und Kinder gleichermaßen profitieren.

„Die aufsuchenden Frauen wohnen im selben Quartier, haben selber Kinder, sprechen dieselbe Sprache und verfügen über einen gewissen Bildungshintergrund. Sie können also Tipps und Hinweise geben, ohne belehrend zu wirken“, erläutert Bernd Bleines, Geschäftsführer der CariJob gGmbH. Das sei auch nicht die Intention, sondern, bestätigt Arif Arslaner von Kubi: „Der kulturelle Kontext der neuen Heimat erfordert neue Kenntnisse und besitzt eben auch eine andere Spielkultur. ELMO soll die Ressourcen der Familien unterstützen, wir wollen die Familien stärken und ihnen keine Defizite aufzeigen.“
Das Besondere an ELMO ist allerdings die Kombination von Hausbesuchen und Gruppentreffen.

ELMO ist zunächst auf 12 bis 18 Monate finanziert, die vier Träger werden in diesem Zeitraum mit insgesamt 135.000 EURO gefördert. Nach einer Qualifizierungsphase Ende August startet ELMO in den Stadtteilen. Das Deutsche Rote Kreuz und CariJob arbeiten in ihrem Standort im Mathildenviertel, der IB und Kubi starten das Projekt in der südlichen Innenstadt und im Lauterborn.
Interessierte Frauen können sich bei Frau Sebnem Erhan-Dammasch, Jugendamt der Stadt Offenbach, melden: 069/8065-3610.