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30. Juni 2011: Eine Begegnung der besonderen Art führte in Bieber zu einer Rettungsaktion, ein erwachsener Nashornkäfer auf ungewohntem Terrain, in der Hofeinfahrt! Da Nashornkäfer ungefährlich, aber eben auch in unserer Gegend eher nicht heimisch sind, ist ein Umsetzen in eine verträglichere Umgebung erforderlich.

Kurzerhand wurde der Käfer mit viel Sorgfalt in den Amerikawald schnellstmöglich in seiner gewohnten Umgebung, an einem großen, morschen Wurzelrest wieder ausgesetzt.

Grundsätzlich gilt: Nashornkäfer sehen zwar groß und mit ihrem extrem verlängerten Höcker auf der Stirn nicht gerade freundlich aus, von Nashornkäfern (wie eigentlich allen europäischen Käferarten) geht aber keine Gefahr aus. Also sollten Sie in Offenbach einen Nashornkäfer antreffen, können Sie sich sehr glücklich schätzen, da diese Tiere hier sehr selten sind.

Nashornkäfer (Oryctes nasicornis, Familie der Blatthornkäfer, Scarabaeidae) profitieren im Garten von großen Komposthaufen. Mit einer Körperlänge von bis zu 4 cm zählt der kastanien- bis schwarzbraun glänzende Käfer neben Maikäfer, Mistkäfer und Rosenkäfer zu den größten Käferarten Europas. Kennzeichnend für die Männchen ist ein ca. 10mm großes Horn am Kopf mit dem der stärkste Käfer bei Rivalitätskämpfen den Gegner auf den Rücken dreht. Den Weibchen fehlt dieses Horn. Der Nashornkäfer ist sehr wärmebedürftig, was seine ursprüngliche Verbreitung im Mittelmeerraum erklärt.

Durch den Handel mit Eichenlohe (Rinde) - welche früher beim Gerben eingesetzt wurde und hinter der seine Larven natürlicher Weise vorkommen - hat der Nashornkäfer eine Verbreitung bis nach Vorderasien erfahren. Im Kompost sind die Laven des Käfers sehr nützlich, da sie durch ein besonderes Enzym im Magen in der Lage sind, Abgestorbene Pflanzenreste aufzuschließen und zu verdauen. Die Larven schlüpfen im Juni aus einem Kokon, nachdem sie 2-5 Jahre im Larvenstadium verbracht haben. Erst diese Metamorphose bringt die abgebildete Elternform hervor.

Das Beste ist: Das Tier nicht unnötig stressen und den Käfer in einem Pappkarton mit einem befeuchteten Taschentuch in den nächsten Wald bringen und an einer ungestörten Stelle, möglichst in der Nähe von Totholz (umgestürzte Bäume oder Baumstümpfe) aussetzen.
Jeder begeisterte Hobbygärtner hat ein besonderes Verhältnis zum Natur-, Umwelt- und Artenschutz.
So tragen einfache Maßnahmen wie das Aufhängen von Nistkästen und das Anlegen von Komposthaufen nicht nur zu diesem Schutz bei, sondern entlasten häufig auch den Geldbeutel (was auf den Kompost kommt verstopft keine kostenpflichtige Mülltonne)! 

Unterstützung und Beratung bekommen Sie beim Amt für Umwelt, Energie und Mobilität, Dipl. Biologe H. Engelhard, Fachreferent für Natur- u. Landschaftsschutz u. Artenschutz, Tel. 069, 8065 – 3601.