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28. April 2011: Psst! Am Schultheisweiher brüten Kormorane. In diesem Frühjahr haben sich drei Pärchen angesiedelt. Zum ersten Mal. Für Naturschützer ist das eine kleine Sensation. Und auch Umweltdezernentin Birgit Simon und die Mitarbeiter des Amtes für Umwelt, Energie und Mobilität freuen sich. Denn die Kormorane sind der Beweis, dass sich am Schultheisweiher ein hochwertiges Ökosystem ausbildet. Die Verantwortlichen hoffen, dass das Nebeneinander von Mensch und Natur auch funktioniert, wenn am 1. Mai die diesjährige Badesaison startet. Der Schultheisweiher gilt hessenweit als einziger See, wo man die Vereinbarkeit von Freizeit und Naturschutz wagt. Mit gebührender Rücksichtnahme kann dieses Wagnis gelingen.

„Es ist ein Kunststück, dafür zu sorgen, dass hier Natur und Freizeit in Einklang stehen“, sagt Bürgermeisterin Birgit Simon. Diese Balance zu erreichen sei in den vergangenen Jahren ein großes Experiment gewesen. Denn vor fünf Jahren stand der Schultheisweiher kurz vor dem Kollaps. Inzwischen ist die fünfjährige Sanierungsphase abgeschlossen. Im Rahmen eines dreijährigen Monitorings wird nun sorgfältig darauf geachtet, wie sich das Gewässer entwickelt. Denn sobald das System aus dem Gleichgewicht zu geraten droht, will man steuernd eingreifen. „Wir brauchen ein ökologisches Management“, sagt Christian Schuller, der die See-Sanierung als unabhängiger Gewässerökologe begleitet hat.

Beispielsweise wurde in der Vergangenheit Kaliumchlorid in den See eingebracht, um das Wachstum von Blaualgen zu hemmen. Auch wurde den Fischbestand gezielt kontrolliert. Pflanzen fressende Fische, darunter Graskarpfen, wurden in großen Mengen abgefischt, um das Wachstum der Wasserpflanzen zu fördern. Denn ein zu starker Pflanzenschwund leistet wiederum dem Blaualgenwachstum Vorschub. Und künftig soll eben auch der Kormoran seinen Teil zur Regulierung des Fischbestandes beitragen. Laut Schuller ist die Unterwasserflora in Ordnung. Inzwischen wurzeln wieder höhere Wasserpflanzen im Sediment, darunter das Tausendblatt und das rauhe Hornblatt. Auch der Ornithologe und Naturschutzbeauftragte Klaus Fiedler ist zufrieden: „Sehr viele Schwäne suchen und finden reichlich Nahrung auf dem Schultheisweiher.“ Auch der Bestand an Blässhühnern habe sich vervielfacht.

Den Messungen des Stadtgesundheitsamtes zufolge steht dem Beginn der Badesaison nichts im Wege. „Es gibt keinen Anlass zur Beanstandung“, sagt der Leitende Amtsarzt, Dr. Michael Maiwald. Am 5. Und am 26. April hat sich das Gesundheitsamt unter anderem den Bakteriengehalt, den pH-Wert sowie die Blau- und Grünalgenkonzentration gemessen. Der Messpunkt befindet sich laut Maiwald dort, wo vor allem Eltern mit kleinen Kindern am liebsten ins Wasser steigen.

Nach den warmen Ostertagen betrug die Wassertemperatur im See 18,3 Grad Celsius. Laut Maiwald ist der Schultheisweiher im Schnitt nur zwei bis drei Meter tief und erwärmt sich daher schnell. Dass die vergleichsweise hohe Temperatur das Pflanzenwachstum beschleunigt, ist aus Schullers Sicht an sich noch kein Problem. Problematischer ist der anhaltende Sonnenschein. In den zehn Wochen vor Ostern habe die Zahl der Sonnenstunden 65 Prozent über dem langjährigen Mittel gelegen. Das wiederum begünstige das Blaualgenwachstum. Schuller prophezeit: Solch stresshafte Witterungsperioden wird es in Zukunft vermehrt geben.“

Die städtische Gesellschaft Gebäudemanagement (GBM) wird ab 1. Mai wieder täglich von 10 bis 20 Uhr die Aufsicht über den Badebetrieb führen und den Strand täglich reinigen. Grüne Schilder zeigen an, wenn der See zum Baden geöffnet ist. Außerhalb der Badezeiten werden Sperrschilder aufgestellt. Auf der Liegewiese wurden drei neue Weiden gepflanzt. Und nun sollen außerdem jene Schilder erneuert und textlich ergänzt werden, die Besucher im „Naturschutzgebiet Rumpenheimer und Bürgeler Kiesgruben“ willkommen heißen.

Aus Sicht des Gewässerökologen Christian Schuller ist der Schultheisweiher ein Lehrbeispiel: „Wir Menschen können nicht gegen die Natur, sondern nur mit ihr leben, denn kein Mensch kann in einem Gewässer baden, dass ökologisch degeneriert ist. Auch er freut sich über die Kormorane: „Es ist gut, dass sie hier sind. Sie gehören hierher.“