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Jeder Schüler in Offenbach sollte im Laufe seiner Schulzeit einmal den Wetterpark besucht haben. Denn dort kann man das Zusammenspiel von Sonne, Wind und Wolken erkunden und das Klima verstehen lernen. In ihrem Bemühen, den einzigartigen Wetterpark als grünes Klassenzimmer zu etablieren, könnte die Stadt Offenbach nun einen wichtigen Schritt weiter kommen. Die Offenbacher Projektentwicklungsgesellschaft (OPG) hat Pläne für ein Besucherzentrum vorgelegt. Für den Wetterpark, dem es bisher an Infrastruktur für Besucher mangelt, wäre die Einrichtung ein enormer Qualitätssprung.

Schon heute ist der Wetterpark mit seinen frei zugänglichen Exponaten ein beliebtes Ausflugsziel weit über Offenbach hinaus. Die Offenbacher Stadtinformation GmbH (OSG), die das Besuchermanagement betreibt, vermittelt pro Jahr mehr als 300 Führungen für angemeldete Gruppen. Die hoch qualifizierten Wetterpark-Führer, meist ausgebildete Meteorologen, bieten außerdem regelmäßig öffentliche Führungen durch den Themenpark an. Auch als Veranstaltungsort hat sich der Wetterpark inzwischen etabliert. "Blaue Stunde" heißt die Reihe mit Filmen und Vorträgen zu Aspekten von Wetter und Klima.

Auch die Schulen haben den Wetterpark schon als interessanten Lernort für den naturwissenschaftlichen Unterricht entdeckt. Ein Handbuch und ein Experimentierkoffer, herausgegeben von der OSG, geben Anregungen für eindrucksvolle Experimente mit einfachen Mitteln. Beides wird gut nachgefragt.

Doch mit der wachsenden Beliebtheit offenbaren sich die logistischen Grenzen umso deutlicher: Es gibt keine feste Besuchertoilette, keinen Kiosk, wo man Getränke oder kleine Snacks kaufen kann. Es gibt keinen Raum, wo man Unterrichtsmaterialien lagern kann. Und ohne Unterstand ist man dem Wetter im Wetterpark tatsächlich ausgeliefert. Für jede Veranstaltung muss laut OSG-Geschäftsführer Matthias Müller extra Equipment herangeschafft werden, was etwa 90 Prozent der jeweiligen Kosten verursache und schon am nächsten Tag wertlos sei.

Mit dem Besucherzentrum könnte sich das ändern: Der OPG-Entwurf sieht ein eingeschossiges Gebäude in Holzbauweise vor, energieeffizient und mit ressourcenschonendem Materialeinsatz. Auf etwa 200 Quadratmetern sollen ein kleines Café mit Toiletten und Garderobe sowie ein Raum für Ausstellungen und Veranstaltungen untergebracht sein. OPG-Geschäftsführerin Daniela Matha beziffert die reinen Baukosten mit rund 935.000 Euro. Finanziert werden könnte dies aus dem Verkaufserlös für das Grundstück am Buchhügel, wo das neue Polizeipräsidium Südosthessen errichtet werden soll. Die Stadt Offenbach kann außerdem auf einen Zuschuss von der Dachgesellschaft des Regionalparks Ballungsraum Rhein-Main hoffen: Sie hat knapp 300.000 Euro für die Innenausstattung und die Außenanlagen des Wetterpark-Besucherzentrums in Aussicht gestellt, um den Wetterpark als zweites Regionalpark-Portal neben den Weilbacher Kiesgruben auszuweisen. Dies würde die Bedeutung des Wetterparks als Zentrum für Umweltbildung unterstreichen. Schon heute ist er Teil des Landschaftsparks Rhein-Main.

"Wir sehen den Wetterpark als ein Ort, an dem Familien ihre Freizeit interessant und aktiv gestalten können", sagt Matthias Müller. Für ihn ist der Wetterpark aber auch ein Standortfaktor. Zum einen stärke er Offenbachs Profil als Wetterstadt. Zum anderen schlage er auch eine Brücke zur Wirtschaft und zur Wissenschaft. Der Deutsche Wetterdienst sei einer der wichtigsten und innovativsten Arbeitgeber in der Region. Und möglicherweise würden aus einigen Wetterpark-Besuchern von heute die Meteorologen von morgen.

Die Kosten für den Betrieb des Besucherzentrums schätzt Müller auf etwa 120.000 Euro jährlich. Das Besucherzentrum solle von März bis Ende Oktober an sechs Tagen pro Woche geöffnet sein. 1,25 hauptamtliche Stellen plus fünf Helfer auf Honorarbasis seien dafür nötig. Ein Teil der laufenden Kosten soll mit Hilfe von Sponsoren getragen werden. Die Gründung eines Wetterpark-Fördervereins ist geplant.

Nachdem der Magistrat bereits zugestimmt hat, soll nun im Mai die Stadtverordnetenversammlung über die vorliegenden Pläne für das Besucherzentrum entscheiden.