Sprungmarken
Suche
Suche

Mit großem Interesse verfolgt die Stadt Offenbach die aktuelle industriepolitische Debatte in der Nachbarmetropole Frankfurt. Oberbürgermeister Horst Schneider, der in seiner Funktion als Dezernent für Stadtplanung ebenfalls das produzierende Gewerbe stärker in den Fokus rückt, hält eine regionale Abstimmung zur Industrieentwicklung im Rhein-Main-Gebiet für dringend notwendig.

„Wir müssen unser bisheriges Konkurrenzdenken ablegen, um das Wirtschaftswachstum unserer Region und ihrer Städte zu steigern“, betont Schneider, der bedauert, dass in der Vergangenheit immer wieder Unternehmen aus Rhein-Main abwanderten oder sich mangels geeigneter Flächen nicht hier niederließen. „Die Industrie darf nicht aus der Region herausgedrängt werden“, warnt der Offenbacher Oberbürgermeister. Er appelliert deshalb an alle Akteure, gemeinsam an einem regionalen Industriekonzept zu arbeiten. „Die Gebietskörperschaften müssen bereit sein, ihren Beitrag zur Industrie- und Gewerbeentwicklung zu leisten, auch Offenbach wird seine Möglichkeiten hierfür voll ausschöpfen.“

Schneider befürwortet eine interkommunale Zusammenarbeit, die neue tragfähige Lösungswege erarbeitet, um mit der konkurrierenden Einnahmesituation umzugehen. Denkbar seien etwa von mehreren Städten gemeinsam betriebene Gewerbeparks wie es sie in anderen Regionen Deutschlands schon gibt. Steuereinnahmen werden dort untereinander geteilt. „Die Nachfrage nach großen Flächen ist groß in der Industrie und wir müssen diese Flächen schon vor konkreten Anfragen reif für die schnelle und unkomplizierte Bereitstellung machen.“ Schneider verweist in diesem Zusammenhang auf Flächenpotenziale, die zwischen Wiesbaden und Aschaffenburg bestünden, bislang aber nicht richtig vermarktet würden.

Für die Kommunen bedeute zusätzliche Industrie nicht nur einen erheblichen Gewinn an Gewerbesteuern, sondern auch an hoch qualifizierten Arbeitsplätzen, auf die das verarbeitende Gewerbe häufig angewiesen ist. Auch vor diesem Hintergrund, so Schneider, genieße die Bestandssicherung von Gewerbe und Industrie sowie die Ansiedlung neuer Firmen im Einklang mit den Schutzschirm-Bestimmungen des Landes einen hohen Stellenwert in Offenbach. „Was wir nun brauchen, sind regional abgestimmte Konzepte zur Industrieentwicklung!“ Davon könne diese Stadt so wie jede andere Kommune im Ballungsraum nur profitieren.

„Es ist gut, dass Frankfurt mit der jüngst vorgestellten Studie zum Gewerbeflächenbedarf die Industrie zunehmend in den Fokus stellt“, betont auch Jürgen Amberger. Der Leiter der städtischen Wirtschaftsförderung erhofft sich dadurch einen wichtigen regionalen Impuls für eine neue Dynamik in der Debatte. Fragen, die sich dabei stellten, seien: Wo in der Region findet welche Art von Nutzung die optimalen Bedingungen? Und wo können Flächen für das Wachstum von Betrieben und die positive Entwicklung der Region gleichermaßen bereitgestellt werden?

Um eine konzertierte Wachstumsstrategie umzusetzen, sei die Entwicklung eines Nachverdichtungskonzepts für bereits genutzte Gewerbeflächen notwendig, die Entwicklung eines umfassenden Vermarktungskonzepts sowie die breite Unterstützung von Politik und Verwaltung, so Amberger. Damit diese Ziele auch langfristig koordiniert umgesetzt werden, hat die Stadt Offenbach in Partnerschaft mit der Industrie und Handelskammer (IHK) Offenbach einen Masterplanprozess gestartet, der die langfristige Entwicklung des Gewerbestandorts zum Ziel hat. „Offenbach wird dadurch seine Position in der regionalen Industrie- und Gewerbelandschaft stärken und seine Rolle in der Gemeinschaft der Gebietskörperschaften als Standort für Gewerbe und Industrie weiter aktiv wahrnehmen“, ist Oberbürgermeister Schneider überzeugt.

Er verweist auf das Potenzial, das allein die kleine Großstadt Offenbach für eine gemeinsame Standortvermarktung bereitstellen könnte: Für die Industrie stünden etwa eine Million Quadratmeter Gewerbeflächen zur Verfügung, davon befinden sich 82 Prozent in Privateigentum und 18 Prozent in städtischem Besitz. Flächen in jeweils sehr guter Lage gibt es etwa auf dem Clariantgelände mit rund 350.000 Quadratmetern, dem ehemaligen Güterbahnhof mit 100.000 Quadratmetern und im Gewerbegebiet am Lämmerspieler Weg mit etwa 120.000 Quadratmetern. Darüber hinaus stehen freie Gewerbeflächen in Waldhof (50.000 Quadratmeter) und an der Sprendlinger Landstraße (90.000 Quadratmeter) frei.

„Um das Potenzial dieser Flächen optimal zu nutzen, arbeiten wir momentan, gemeinsam mit den Eigentümern, an Bebauungsplänen und Nutzungskonzepten“, so Amberger. Für die Flächen an der Sprendlinger Landstraße hat die Stadt bereits einen Bebauungsplan erstellt, der das Ziel verfolgt, der produzierenden Wirtschaft Standorte zu bieten beziehungsweise die dort vorhandenen Unternehmen zu sichern.

Derzeit sind in Offenbach 12.918 Gewerbebetriebe angesiedelt, darunter 230 aus der Industrie und 1000 aus dem Handwerk. „Die vorhandenen Unternehmen unterstützen wir bei allen An-, Umbau- oder Neubauvorhaben.“ Dazu hat Offenbach im Januar 2014 eine Wirtschaftsentwicklungsstrategie erarbeitet und der Öffentlichkeit vorgestellt. Und erstmals wurden in Kooperation mit der IHK Standards für die Betreuung von Investitionsvorhaben (Bestandssicherung und Neuansiedlungen) festgelegt und vereinbart, dass die IHK diese auch überwacht.