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Der Magistrat der Stadt Offenbach hat den Sozialbericht für das Jahr 2013 vorgelegt. Nach Ansicht von Sozialdezernent Dr. Felix Schwenke ist die soziale Situation in der Stadt stabil. Gestiegen sind allerdings die Ausgaben für Leistungen nach dem Sozialgesetzbuch II (Grundsicherung für Arbeitssuchende). Der Bericht zeigt außerdem die Entwicklung im Bereich der Grundsicherung nach Sozialgesetzbuch XII (Sozialhilfe). Ergänzt wurde er um Auswertungen zum Bildungs- und Teilhabepaket sowie um Daten zu Maßnahmen gegen Wohnungslosigkeit in der Stadt Offenbach.


Nach mehreren Jahren eines deutlichen Rückgangs setzte sich im Jahr 2013 die bereits zur Mitte des Vorjahres begonnene Entwicklung fort, wonach die Fallzahlen im SGB II wieder ansteigen. Die Zahl der Leistungsberechtigten stieg um 553 Personen auf 19.236 (plus 3,4 Prozent). Die SGB II-Quote (Relation der Zahl der Leistungsberechtigten zur Bevölkerung unter 65 Jahren) nahm demnach von 18,1 auf 18,3 Prozent zu und liegt damit um 3,15 Prozentpunkte über dem hessischen Durchschnitt.
Die Zahl der erwerbsfähigen Bezieher von Arbeitslosengeld II stieg um 186 Personen und damit 1,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf 12.541. Die Fallzahlsteigerung liegt damit über dem ebenfalls angestiegenen Durchschnitt Hessens (Hessen: plus 2,0 Prozent Leistungsberechtigte sowie plus 2,0 Prozent Bedarfsgemeinschaften), im Vergleich zu der Anzahl der Arbeitslosengeld II-Bezieher liegt Offenbach jedoch mit 1,5 Prozent unter dem landesweiten Schnitt.

Besonders angestiegen ist die Anzahl der Ausländerinnen und Ausländer unter den Leistungsberechtigten, von 2012 auf 2013 um 5,8 Prozent. Die Gesamtquote der SGB-II-Empfänger unter den Offenbacher Einwohnern beläuft sich auf 18,3 Prozent. Für alle Migranten beträgt die Quote 23 Prozent (9113 Menschen), für die Deutschen 15,4 Prozent (10.137). „Dies steht im Zusammenhang mit einem schwachen Arbeitsmarkt in Offenbach und der fortgesetzt starken Zuwanderung aus den Krisenländern in Süd- und Südosteuropa“, erläuterte Sozialdezernent Dr. Felix Schwenke im Rahmen der jüngsten Magistrats-Pressekonferenz. Laut Schwenke seien die Zugewanderten „in den sozialen System angekommen“. Wie sich die Entwicklung fortsetze, könne man derzeit kaum prognostizieren.

Auffallend ist, dass Zugewanderte aus den jüngsten EU-Beitrittsländern nicht stärker auf staatliche Hilfe angewiesen sind als andere Ausländer: 19,3 Prozent (504) der Bulgaren und 11,9 Prozent (386) Rumänen benötigen Unterstützung. Überdurchschnittlich auf Sozialleistungen nach SGB II angewiesen waren in 2013 Menschen aus Afghanistan, Pakistan, Marokko, der Türkei und Italien.

Unterm Strich seien „auffällige Strukturverschiebungen nicht feststellbar“, urteilte auch Dr. Matthias Schulze-Böing, Leiter des Amtes für Arbeitsförderung und Geschäftsführer der MainArbeit und des Kommunalen Jobcenters Offenbach. Er war an der Ausarbeitung des Sozialberichts maßgeblich beteiligt. Der Anstieg der Zahlen beruhe hauptsächlich auf der Zunahme der nicht erwerbstätigen Leistungsbezieher. Besonders von Armut betroffen seien in Offenbach aber nach wie vor Kinder: Jedes dritte Kind unter 15 Jahren lebte 2013 in einer SGB II- Bedarfsgemeinschaft.

Auch im SGB XII setzte sich der Anstieg der Leistungsberechtigten wie in den Vorjahren fort. Der Bereich Grundsicherung nach Kapitel 4 SGB XII (Grundsicherung im Alter und wegen Erwerbsminderung) hat mit mehr als drei Viertel aller Leistungsberechtigten (2613 Personen) den größten Anteil. Rund 2,7 Prozent der Offenbacher Bevölkerung (3371 Personen) erhielt im vergangenen Jahr Leistungen nach SGB XII – ein Plus von 3,2 Prozent. Schulze-Böing: „Hier sind erste Auswirkungen des demografischen Wandels zu spüren.“ Ein leichter Rückgang sei bei aus dem Ausland stammenden Mitbürgern zu verzeichnen, deren Anteil auf 34,8 Prozent sank.

Positiv zu vermelden ist laut Schwenke die gestiegene Inanspruchnahme des Bildungs- und Teilhabepakets. Dabei werden Familien für etwa Schulausflüge, Klassenfahrten, Schulbedarf und Mittagsverpflegung unterstützt. Die meisten stellten Anspruch auf Leistungen für Schulbedarf (44 Prozent) und Mittagsverpflegung (29,6 Prozent). Ein hoher Anteil von 72 Prozent der Berechtigten nahm die Leistungen in Anspruch, deren Kosten das Land Hessen übernimmt.

Erstmals nennt der Bericht 2013 auch Zahlen zur Wohnungslosigkeit. Demnach steigt die Zahl der Wohnungslosen, die in Notunterkünften untergebracht sind, von 221 im Jahr 2010 auf 374 im vergangenen Jahr. Schulze-Böing verwies in diesem Zusammenhang auf „den angespannten Wohnungsmarkt“ in der Region und der damit einhergehenden „erschwerten Unterbringung Wohnungsloser“. Prinzipiell steige die Zahl der Menschen, die in Notunterkünften untergekommen sind, immer weiter an, da die Betroffenen nur sehr schwierig in reguläre Wohneinheiten zu vermitteln seien.