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Klimakonferenz 2015
© georg-foto, offenbach

24. September 2015: Über die Herausforderungen des Klimawandels diskutierten am Dienstag, 22. September, 60 Führungs- und Fachkräfte aus Infrastruktur, Gewerbe, Handwerk, Verkehr, Umwelt, Kommunen, Planungsbüros, Öffentlichkeitsarbeit sowie Politik und Forschung im Offenbacher Klingspor Museum. Bürgermeister und Umweltdezernent Peter Schneider betonte bei der Klimakonferenz 2015, dass der Klimawandel und seine Auswirkungen auf Gewässer, Böden, Atmosphäre, Menschen und Tiere eine der zentralen Herausforderungen unserer Zeit ist. „Klimaschutz und Klimaanpassungsstrategien beginnen lokal in der Stadt, in der wir leben, hier können wir Einfluss nehmen und unserer Zukunft gestalten.“

Im Gepäck hatte Peter Schneider den Zuwendungsbescheid zur Umsetzung einer Klimaanpassungsstrategie: „Wir werden im kommenden Jahr eine solche Strategie unter Beteiligung möglichst vieler relevanter Akteure erarbeiten“, kündigte er an. Fördergeber ist das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit. Der Förderzeitraum läuft von Februar 2016 bis Januar 2017, die Projektkosten betragen insgesamt 67.116 Euro. Mit einer Förderquote von 70 Prozent trägt die Stadt noch einen Eigenanteil von 20.135 Euro.

Den Schwerpunkt der diesjährigen Klimakonferenz legte das Amt für Umwelt, Energie und Klimaschutz auf das Thema Klimawandel. Amtsleiterin Heike Hollerbach: „Beim Klimawandel müssen wir die Herausforderungen interdisziplinär bearbeiten. Im Mittelpunkt steht der Austausch über Strategien, notwendige Rahmenbedingungen und die erfolgreiche Umsetzung möglicher Maßnahmen, damit wir im nächsten Jahr, gemäß Beschlussfassung der Stadtverordnetenversammlung, rechtzeitig mit dem Projekt starten können.“

Als Referenten konnten hochkarätige Experten aus dem Bereich der Klimaanpassung gewonnen werden. Im Eingangsvortrag legte Dr. Ralf Schüle vom Wuppertalinstitut und Koordinator des Forschungsschwerpunkts für Klimaschutz und Anpassung in der nachhaltigen Stadt- und Regionalentwicklung die Bedeutung der Verstetigung der Klimaanpassung in allen kommunalen Handlungsfeldern vor: „Es liegt nahe, mit der Entwicklung eines Anpassungskonzeptes und dem Aufbau von Verantwortlichkeiten in der Verwaltung das Thema der Klimafolgenanpassung als ,behandelt‘ in einer Kommune zu betrachten. Alle Erfahrung zeigt jedoch, dass ohne die wirksame Integration des Themas in andere Handlungsfelder, also in die Handlungsfelder Bauen und Wohnen, Wirtschaftsförderung, Hochwasserschutz, Abwassermanagement, Gesundheitsschutz etc. die Anfälligkeit einer Stadt gegenüber Klimawandelfolgen kaum gemildert werden kann. Wie der Klimaschutz ist auch die Anpassung an den Klimawandel eine dauerhafte Integrationsaufgabe für die Verwaltung – und vor allen Dingen eine dauerhafte Gestaltungsanforderung für die Stadtgesellschaft.“

Einen Überblick über die Klimaanpassungsstrategie der Stadt Frankfurt und die wesentlichen, darin zu bearbeitenden Handlungsfelder präsentierte Hans-Georg Dannert von der städtischen Koordinierungsgruppe Klimawandel des Frankfurter Umweltamtes. Dabei zog Dannert folgende Schlussfolgerung: „Die Anpassung an den Klimawandel ist neben vielen anderen aktuellen und zukünftigen Themen sicherlich eine der größten kommunalen Herausforderungen. Meines Erachtens wird es darauf ankommen, das Thema in geeigneter Weise in die städtischen Verwaltungsabläufe zu integrieren und neben einer breiten kontinuierlichen Berücksichtigung auch mutig unkonventionelle und innovative Wege zu beschreiten. Neben der ressortübergreifenden Akzeptanz in der Kommunalverwaltung ist hierfür aber auch eine breite politische und gesellschaftliche Unterstützung die Basis.“  

In der Stadt Stuttgart bildet der Themenbereich Stadtklima/Klimaanpassung seit vielen Jahren einen wichtigen Baustein bei der Planung beziehungsweise Umplanung von Stadtvierteln, so dass sich über die Arbeitsgemeinschaft Klimawandel und Klimafolgenanpassung beim Städtetag Baden-Württemberg deutschlandweit anerkannte Expertisen nutzen lassen. Dr. Ulrich Reuter, Leiter der Abteilung Stadtklimatologie und der Arbeitsgemeinschaft Klimawandel und Klimafolgenanpassung beim Städtetag Baden-Württemberg, betont: „Wir müssen uns an den unvermeidbaren Anteil des Klimawandels anpassen. Ein Schlüssel zum Erfolg sind eine gute Begrünung und Belüftung der Städte.“

Die Stadt Bottrop stellt als Gewinner des Wettbewerbs „InnovationCity Ruhr“ einen Vorreiter auf dem Feld der umfassenden, integrierten Berücksichtigung aller Themenfelder des Klimaschutzes dar. Im Masterplan klimagerechter Stadtumbau ist eine Vielzahl an Projekten gebündelt. Die Bottroper Innenstadt ist Untersuchungsraum einer Machbarkeitsstudie für Klimaanpassungspotenziale. Aus der umfangreichen Beteiligung verschiedener Akteure zog Stefan Beckmann, Fachbereichsleiter Umwelt und Grün der Stadt Bottrop, folgendes Resümee: „Unsere Erfahrungen zeigen, dass den BürgerInnen die Lebensqualität in ihrem persönlichen Umfeld ganz besonders am Herzen liegt. Gerade in diesem Zusammenhang sind auch der Klimaschutz und die Klimaanpassung von besonderer Bedeutung und erfordern die Integration in alle städtischen Planungen und Vorhaben.“

Nach diesem umfangreichen Überblick über die verschiedenen Herangehensweisen anderer Städte stiegen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit ihren eigenen Ideen und Vorschlägen, aber auch mit ihren offenen Fragen, in interaktiven Workshops die konkrete Arbeit ein. Drei parallele Workshops beschäftigten sich mit den Handlungsfeldern Wasser, Flächennutzung und Verkehr/Infrastruktur. Die Themen wurden aus den verschiedenen Perspektiven der räumlichen Planungsebenen Region, Kommune und Objekt/Nutzer betrachtet, dabei konnten alle Teilnehmer in die unterschiedlichen Rollen und Funktionen von mindestens zwei Planungsebenen schlüpfen.

Hintergrund Klimaschutz und -wandel:

Schon 2013 hat die Gemeinschaft der Umweltamtsleitungen der deutschen Mittelstädte ein Grundlagenpapier verfasst, das die Eckpunkte des Handelns für die Klimaanpassung formuliert hat. Darin heißt es: „Wir benötigen dringend strategische Planungen in Kommunen zur Reduzierung von belastenden Umweltbedingungen, zum Beispiel auch in den Masterplänen, Prognosen zu den Auswirkungen des Klimawandels und die Entwicklung von Klimaanpassungsstrategien, für den Schutz von Natur- und Landschaftsräumen und für eine Reduzierung des Flächenneuverbrauchs. Die Flächenneuinanspruchnahme für Siedlungen und Verkehr betrug im Zeitraum 2001 bis 2004 durchschnittlich 115 Hektar pro Tag. Zur Erreichung des Ziels der Nachhaltigkeitsstrategie von 30 Hektar pro Tag sind erhebliche Anstrengungen notwendig. Die Aufgaben sind groß, deshalb ist es höchste Zeit, sie anzugehen.“

Im Jahr 2015 stellte das Umweltbundesamt in seinem Monitoringbericht heraus, dass Klimaschutz und Klimaanpassung keine alternativen Handlungsoptionen, sondern gleichermaßen zur Gestaltung unserer Zukunftsfähigkeit erforderlich sind: „Die Notwendigkeit zur Anpassung an die sich ändernden klimatischen Bedingungen ist selbst dann erforderlich, wenn es gelingen sollte, das EU-Ziel einer Beschränkung der globalen Erwärmung auf 2 °C zu erreichen. Die Treibhausgase, die jetzt bereits in der Atmosphäre sind, werden das Klima der nächsten Jahrzehnte beeinflussen, sodass nicht mehr alle Veränderungen aufzuhalten sind. Anpassungsbemühungen dürfen allerdings auch nicht dazu führen, dass Maßnahmen zur Minderung des Ausstoßes von Treibhausgasen vernachlässigt werden. Weder Anpassung noch Minderung allein können die gravierenden Auswirkungen des Klimawandels verhindern. Vielmehr ergänzen sie sich sinnvoll und helfen so, die Risiken des Klimawandels zu verringern.“

Fazit des Amtes für Umwelt, Energie und Klimaschutz:

Die Herausforderungen sind – nach Erkenntnis aller Beteiligten – nur gemeinsam, in der integrativen Bearbeitung mit allen Fachgebieten lösen. Die Industrie sollte mehr gefordert und tagtäglich an die Notwendigkeit des Klimaschutzes erinnert werden. Die Kommunen stellten übereinstimmend fest, wir haben die notwendigen Instrumente, wir müssen die konsequente Umsetzung intensiver verfolgen. Der Start für die Klimaanpassungsstrategie in Offenbach ist erfolgt. Es gab einige Teilnehmer, die bereits ihre Mitarbeit an der Entwicklung der Anpassungsstrategie signalisiert haben, damit Städte und Region gemeinsam agieren können.

Ausblick:

Für die Anpassungsstrategie geht es mit der Projektarbeit im Februar 2016 los, bis dahin werden die Ergebnisse der Klimakonferenz ausgewertet und die Beteiligungsstrukturen für die Konzeptarbeitet vorbereitet.

Fotos: Stadt Offenbach

Klimakonferenz 2015
© georg-foto, offenbach