Sprungmarken
Suche
Suche

24. November 2015: Geringe Löhne, miserable Unterkünfte und schlechte Arbeitsbedingen: die Not von Zuwanderern, insbesondere aus Bulgarien und Rumänien, wird manchmal ausgenutzt. Oft sind es sogar die eigenen Landsleute, die falsch beraten oder Wohnraum zu überdimensionierten Preisen anbieten. Mit der gemeinsamen Broschüre „Sie wollen in Frankfurt oder Offenbach leben und arbeiten“ wollen die beiden Städte diesen Missständen gemeinsam begegnen.

„Wir leben in attraktiven Städten, das Rhein-Main-Gebiet ist seit vielen Jahren Ziel von Wanderungsbewegungen“, weiß Dr. Nargess Eskandari-Grünberg, Stadträtin und Dezernentin für Integration in Frankfurt: „Neben vielen Hochqualifizierten, kommen auch Menschen, denen der Zugang zu Informationen fehlt. Die Broschüre richtet sich an jene Zuwanderer, die, oftmals mit falschen Versprechungen nach Deutschland gelockt, ausgenutzt werden.“ Auffallend oft sind es gerade Menschen aus Bulgarien oder Rumänien, die von Landsleuten schlecht beraten werden und die aus deren Not Kapital schlagen. Vor allem im Zuge der EU-Erweiterung und der Personenfreizügigkeit für Bulgarien und Rumänien seit Januar 2014 hat der Zuzug in die Region zugenommen: lebten beispielsweise 2006 noch 148 Bulgaren und 536 Rumänen in Offenbach, sind es knapp zehn Jahre später rund 3500 Menschen aus Bulgarien und 3900 aus Rumänen. Ähnlich auch die Entwicklung in Frankfurt: zum Stichtag am 30. Juni zählte die Stadt 6903 Bulgaren und 9054 Rumänen. Das seien im Vergleich zur Gesamtbevölkerungszahl keine großen Gruppen, meint daher auch Dr. Armin von Ungern-Sternberg, Leiter des Amtes für multikulturelle Angelegenheiten der Stadt Frankfurt am Main, aber eben doch jene mit einer auffallend divergenten Beschäftigungsentwicklung: „Zuwanderung umfasst ein breites Spektrum, es kommen viele hochqualifizierte Menschen zu uns, aber auch viele, die mangels Informationen in prekären Verhältnissen leben.“ Sie wissen nicht, was ein Zimmer kostet, dass es in Deutschland einen Mindestlohn gibt und vieles andere mehr. „Unwissen macht abhängig“, daher sammelt die Broschüre auf rund 20 Seiten die wichtigsten Informationen zu „Arbeit“, „Wohnung“, „Gesundheit“ und „Ankommen“. Es finden sich Hinweise auf die Krankenversicherung, aber auch Ansprechpartner für den Fall, wenn eine solche nicht besteht. Angesprochen werden Ruhezeiten, Schönheitsreparaturen, Mietkaution, Kindergarten, alles wird in einer einfachen Sprache kompakt und verständlich erklärt. „Die Broschüre enthält Informationen für die Erstorientierung, also Kontaktdaten und eine Aufklärung über Rechte und Pflichten“, erläutert Stadtrat Dr. Felix Schwenke. Allesamt Themen, die sich im Zusammenhang mit der EU-Zuwanderung immer wieder als problematisch erwiesen haben. Daher darf auch der Hinweis auf Scheinselbstständigkeit nicht fehlen. Auch wenn die Zahl der Gewerbeanmeldungen seit Januar 2014 signifikant abgenommen haben, gebe es noch immer viele Graubereiche: „Wir wollen gemeinsam die Schlepper und Hintermänner treffen. Wir sind davon überzeugt, dass die interkommunale Zusammenarbeit mit Frankfurt an dieser Stelle sehr hilfreich sein wird.“ Entsprechend froh sei er, dass es zu dieser Kooperation gekommen ist. Inhaltlich sind neben den Fachämtern der beiden Städte das Projekt „Faire Mobilität“ des DGB Frankfurt und die Migrationsberatung für Erwachsene der AWO Offenbach beteiligt.

Damit die Informationen möglichst viele Menschen erreichen, wurde sie in deutscher, bulgarischer und rumänischer Sprache aufgelegt. „Eine deutsche Ausgabe ist wichtig, damit wir in den Beratungsstellen eine gemeinsame Informationsbasis herstellen können“, erklärt Ali Karakale, Integrationsberater bei der AWO in Offenbach. Die Broschüre wird dort sowie an anderen öffentlichen Stellen, an denen die Zielgruppe häufig anzutreffen ist, ausgelegt. Außerdem wird ein Busunternehmen aus der Rhein-Main-Region, das häufig zwischen den Herkunftsländern und der Rhein-Main-Region pendelt, um Verteilung der Broschüre gebeten.

Die Integrationsbroschüre steht unter folgendem Link zum Download bereit:

http://www.offenbach.de/leben-in-of/soziales-gesellschaft/integration_und_zusammenleben/service-fuer-migranten/index.php