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Offenbach am Main, 06.10.2016 - Es war um 1450 als ein gewisser Johannes Gensfleisch in Mainz das Drucken mit beweglichen Lettern erfand und in Europa eine Medienrevolution auslöste. Erst Gutenbergs Erfindung erlaubte die Vervielfältigung von Texten in seriellen Verfahren mit einer hohen Präzision. Aber schon 1377 wurde im koreanischen Cheongju, mit dem Buch Jikji, einer Sammlung buddhistischer Texte, erstmals ein Werk in Auflage hergestellt, gedruckt von beweglichen Metalllettern. Zum UNESCO-Weltkulturerbe gehören beide Bücher.

Kulturgut Sprach-Schrift-Buch

„Dass es in Asien Druckverfahren gibt, war möglicherweise schon zu Gutenbergs Zeiten bekannt“, so Dr. Eva Hanebutt-Benz ehemalige Leiterin des Mainzer Gutenberg-Museums, „aber wir gehen davon aus, dass sich beide Verfahren unabhängig voneinander entwickelten. Westliche Verfahren setzten sich erst im 19. Jahrhundert in Asien durch und in China wurden sogar bis ins 20. Jahrhundert hinein andere Verfahren genutzt.“ 1972 stellte ihr Haus erstmals Druckkunst aus Korea aus, daraus ergab sich die Dauerleihgabe von etwa 100 Werken. Seit 2000 gibt es eine Partnerschaft zwischen dem Gutenberg-Museum und dem Druckkunst-Museum im südkoreanischen Cheongju. Dort fand Anfang September ein vorbereitendes Treffen zur Gründung eines internationalen Zusammenschlusses von Druckmuseen statt. Zu den 50 eingeladenen Vertretern renommierter Häuser aus der ganzen Welt gehörte auch Dr. Stefan Soltek, Leiter des Offenbacher Klingspor Museums, das mit seinen Ausstellungen und der umfangreichen Sammlung die Tradition der Schriftkunst in der Stadt lebendig hält. „Sprache, Druck- und Schriftkunst und Kommunikationskultur gehören zu unserer kulturgeschichtlichen Identität“, erklärt Soltek, „gleichzeitlich stehen wir an einer Stelle, an der wir alle von der digitalen Kommunikation eingeholt werden und sehen, dass etwas verloren geht.“

Museumstreffen in Südkorea

Daher ging es in den fünf Tagen in Südkorea unter anderem darum, wie die Druckgeschichte in den einzelnen Ländern aussieht und wie diese vermittelt wird. Ein intensiver und inspirierender Austausch in unterschiedlichen Panels sei das gewesen, berichten Hanebutt-Benz und Soltek unisono, in denen die Ausstellungsmacher ihre europäische, asiatische, amerikanische oder arabische Position reflektierten und erörterten. „Die eigenen Potentiale bedenken“, „Öffentlichkeit in Kenntnis setzen“, „Chancen, die ein weltweites Netzwerk bietet“, sind nur einige Schlagworte und Aspekte, die die Beiden aus Korea mitgebracht haben. Kooperationen und Austausch zwischen dem Frankfurter Museum für Angewandte Kunst, dem Darmstädter Haus für Industriekultur und eben dem Gutenberg-Museum gibt es schon lange, „aber jetzt gibt es auch persönliche Kontakte zu Museen für Schrift- und Druckkunst beispielsweise in Japan und Australien“, schwärmt Soltek: „Die Möglichkeiten sind beträchtlich.“

Druckgeschichte gemeinsam darstellen

International aufgestellt ist auch sein Haus schon länger, der Museumsleiter ist mit seinem Team immer auf der Suche nach Ausnahmekünstlern und neuen Vermittlungsformen. Dazu gehören auch Kooperationen wie jene mit dem gegenüberliegenden Haus der Stadtgeschichte, die in einer gemeinsamen Ausstellung 2017 die verschiedenen Kapitel der Druckgeschichte in Offenbach zusammenführen soll. Gerne auch langfristig, „wir müssen das Pfund, in die Waage werfen und das Bewusstsein für das Vorhandene schärfen“, so Soltek. Immerhin gibt es mit der Senefelder Gesellschaft eine wichtige Einrichtung neben den Museen, die zur Offenbacher kulturgeschichtlichen Identität gehört und beiträgt. Von der Stadtgesellschaft wünscht Soltek sich dieselbe Aufmerksamkeit für das Klingspor Museum, die es jetzt in Korea erfahren konnte. Regelmäßigere Besuche der Offenbacher wären da ein guter Anfang. Zumindest international ist der Aufschlag gelungen: Soltek war als Redner in den Panels vertreten, „Schrift berührt“ hieß sein Vortrag über die Arbeit in seinem Haus. In zwei Jahren ist ein weiteres Treffen der Museumsvertreter in Korea geplant, bis dahin will eine Arbeitsgruppe eine tragfähige Satzung für den Zusammenschluss ausarbeiten.

 

Bildinformation:

Dr. Eva Hanebutt-Benz, ehemalige Leiterin des Mainzer Gutenberg Museums und Dr. Stefan Soltek, Leiter des Klingspor Museums mit einem Neudruck des Buches Jikji. Das Buch ist nur einmal erhalten und befindet sich in der Pariser Bibliotheque Nationale. Auch in Cheongju gibt es nur eine Kopie. Foto: Stadt Offenbach