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Offenbach am Main, 21.09.2016 – Auch eine Stadt muss flexibel und schnell reagieren und beschlossene Pläne ändern – vor allem wenn es „unabweisbare Notwendigkeiten“ gibt. Mit diesen Worten ging Oberbürgermeister Horst Schneider bei der Magistrats-Pressekonferenz am 15. September auf die notwendige Änderung des Schulsanierungsplans ein. Der Grund: Routineuntersuchungen haben ergeben, dass die Brandschutzklappen der Lüftungsanlage in der Edith-Stein-Schule in Offenbach Asbest enthalten.

Die gute Nachricht vorneweg: „Es besteht keine Gesundheitsgefährdung für die Kinder und das Personal an der Schule“, betonte Anna Heep, Bereichsleiterin Hochbaumanagement beim Amt für Stadtplanung, Verkehrs- und Baumanagement. Das ist zum einen durch die Arbeitsgruppe Gefahrenstoffe unter dem Vorsitz des Stadtgesundheitsamtes geklärt worden. Zum anderen befinden sich die Brandschutzklappen mit dem verbauten Asbest in abgehängten Decken und somit an prinzipiell unzugänglicher Stelle. Die Klappen dienen dazu, dass sich kein Rauch bei einem Feuer von einem in andere Räume ausbreitet. „Da sie nicht für den Personenschutz erforderlich sind, können sie dauerhaft geschlossen bleiben“, erläuterte Heep eine der vorläufigen Maßnahmen, die bis zur Sanierung umgesetzt werden.

Den Asbestgehalt in den Brandschutzklappen hat ein Ingenieursbüro im April 2015 festgestellt. Dieses sollte vom TÜV Hessen festgestellte Mängel an einigen Brandschutzklappen beheben. Die für die Instandhaltung der Schulen zuständige GBM Gebäudemanagement beauftragte daraufhin im Juni 2015 Raumluftmessungen, die keine gesundheitsgefährdende Asbestkonzentration ergaben. „In einem Raum wurde eine einzelne Asbestfaser gefunden. Dies entspricht 100 Fasern in einem Kubikmeter Luft“, konkretisierte Heep das Untersuchungsergebnis. „Der Zielwert für eine Asbestsanierung liegt nach der Asbest-Sanierung bei 500 Fasern pro Kubikmeter Luft.“ Damit wird der Zielwert um das Fünffache unterschritten. Aufgrund des Asbestfundes soll die ursprünglich für 2020/21 geplante Sanierung der Edith-Stein-Schule nun vorgezogen werden. Denn gemäß der Asbest-Richtlinie muss mit der endgültigen Sanierung innerhalb von drei Jahren begonnen werden. Das weitere Vorgehen haben Oberbürgermeister Horst Schneider und Bürgermeister Peter Schneider mit der Schulleitung und dem Schulelternbeirat abgestimmt. „Um einer möglichen Raumluftbelastung vorzubeugen und damit die Räume weiter benutzt werden dürfen, hat die GBM vorläufige Maßnahmen ergriffen“, so Anna Heep. Dazu gehören die dauerhafte Schließung der abgehängten Decken, halbjährliche Raumluftmessungen, das Weiterbetreiben der Lüftungsanlage sowie das feuchte Reinigen aller Boden- und Ausstattungsflächen.

„Der Anlass für die bevorstehende Sanierung ist ärgerlich“, sagte auch Schuldezernent Paul-Gerhard Weiß, „da die Schule bereits vor 30 Jahren asbestsaniert wurde.“ Mit einem solchen Fund habe daher niemand gerechnet. Die Schule habe besonnen reagiert und die Stadt habe alle Eltern in einem Brief über das seit April vorliegende Untersuchungsergebnis und das weitere Vorgehen informiert. „Die Sanierung bedeutet für die Schule aber auch die Chance das Schulgebäude vorzeitig zu modernisieren, Räumänderungen- und -erweiterungen vorzunehmen und eventuell eine größere Mensa umzusetzen“, unterstrich der Schuldezernent.

Ein genauer Termin für den Sanierungsbeginn kann noch nicht genannt werden. Der Magistrat hat jedoch beschlossen, den ersten Teilauftrag zur Übernahme der Projektsteuerung an die Offenbacher Projektentwicklungsgesellschaft (OPG) zu vergeben. Sie wird zusammen mit dem Stadtplanungsamt Ziele und Aufgaben definieren und eine europaweite Ausschreibung veranlassen. Die endgültigen Kosten sind noch nicht abschätzbar. Der Schuldezernent geht aber davon aus, dass die ursprünglich für die Sanierung vorgesehenen 10 Millionen Euro nicht ausreichen werden. Ob die 800 Schülerinnen und Schüler während der ganzen Bauphasen weiter im Schulgebäude unterrichtet werden können, ist ebenfalls noch nicht absehbar. „Natürlich ist Asbest ein Begriff, der Ängste schürt“, erklärte Schulleiterin Iris Kamarowsky bei der Pressekonferenz. „Die regelmäßigen Kontrollen sind wichtig und bei der geringsten Zunahme müssen neue Lösungen gefunden werden.“