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Offenbach am Main, 25.01.16 – Genaugenommen stellt Integration für Offenbach keine große Herausforderung dar, schließlich haben in den vergangenen Jahrzehnten schon Menschen aus 156 Nationen eine Heimat in der Stadt gefunden. Das soll nun auch mit den Gästen funktionieren, die für die Dauer ihres Asylverfahrens im Kaiserleigebiet untergebracht sind, betont Stadtrat und Integrationsdezernent Dr. Felix Schwenke: „Denn auch wenn wir formal nicht zuständig sind, weil die Notunterkunft als Außenstelle der Erstaufnahmeeinrichtung in Gießen vom Land Hessen betrieben wird, muss trotzdem Integrationsarbeit geleistet werden.“ Daher habe die Stadt Offenbach früh über die Möglichkeiten der Integration nachgedacht und hat bereits im Oktober die Stabstelle Ehrenamtliche Flüchtlingshilfe ins Leben gerufen. Unter der Leitung des Ehrenamtsbeauftragten Reinhard Knecht, Sigrid Jacob vom Freiwilligenzentrum und dem Integrationsbeauftragten der Stadt, Luigi Masala, wurden in den vergangenen Monaten Strukturen und Projekte erarbeitet, um die Menschen in der Notunterkunft und Helfer zu unterstützen.

Für die meisten Bürger der Stadt war es von Anfang an keine Frage, die Ankommenden zu unterstützen, schnell und unbürokratisch wurden Kleiderspenden, Helfer und Deutschkurse organisiert; alle packten beherzt zu, als im September vergangenen Jahres die ersten Flüchtlinge in Offenbach ankamen. „Rund 700 ehrenamtliche Helfer haben sich seither bei der Stabstelle registriert, mehr als 550 haben den Newsletter abonniert, berichtet Kommunikationsfrau Monika Pröse. Sie gehört seit Oktober zum Team und kümmert sich neben der Arbeit in ihrer Agentur „unikatwertvoll“ um den Newsletter und Informationsveranstaltungen. Als „Helfer der ersten Stunde“ ist der ehemalige Gastronom Azimet Avci aktiv, anfangs mit Übersetzungen vom Kurdischen ins Deutsche, Begleitung von Neuankömmlingen und Mitarbeit beim Willkommensfest im Hafen 2. Seit Januar gehört er als „Brücke zur Basis“ zum Team der Flüchtlingshilfe: er ist Ansprechpartner für die freiwilligen Helfer in der Notunterkunft und auch für die Kleiderkammer verantwortlich. Diese ist inzwischen nicht nur gut gefüllt, sondern auch bestens sortiert. Für Katja Lenz eine Herzensangelegenheit, immerhin hat sie diese gemeinsam mit ihrem Mitstreiter Eric Wolf im September initiiert. „Die Kleiderkammer ist ein irrsinniger Aufwand“, berichtet die ehemalige Fotografin und Bildredakteurin, „und funktionierte bisher nur über ehrenamtliche Helfer. Es ist gut, mit Azimet Avci jetzt einen hauptamtlichen Ansprechpartner zu haben.“ Auch die facebook-Gruppe „Offenbacher Flüchtlingshilfe“ geht auf ihre Initiative zurück, die Seite hat inzwischen mehr als 800 Mitglieder und bündelt zahlreiche ehrenamtliche Aktivitäten der Bürger. Aber in die Unterkunft in der Kaiserleistraße mussten sie sich erst einmal „reinquengeln“, berichtet Lenz, „weil eben anfangs Kompetenzen und Bedarfe unklar waren.“ Inzwischen allerdings sind nicht nur in der Kleiderkammer die Abläufe besser organisiert, alle haben einen „Modus vivendi“ gefunden, ergänzt Luigi Masala. Der Integrationsbeauftragte beschreibt seine Funktion als „Clearingsstelle“ zwischen Verwaltung und den verschiedenen Gremien, hinzu komme der Austausch mit den Moscheegemeinden, Religionsgemeinschaften und den Sportvereinen: „Die wollen aktiv werden und helfen.“ Damit Engagement und tatsächliche Bedarfe vor Ort weiter optimiert werden können, zählt der Aufbau einer eigenen Internetpräsenz in der nächsten Zeit zu den vorrangigen Themen des Teams. Die Domain www.offenbach-hilft.de ist bereits gesichert und soll nun mit Leben gefüllt werden.

Dafür und für die Fortführung der Arbeit stehen dem Team der Stabstelle bis Ende des Jahres seitens der Stadt Offenbach insgesamt 100.000 Euro zur Verfügung, weitere 60.000 Euro kommen von der in Frankfurt und Offenbach aktiven Dr. Marschner-Stiftung sowie der in Bad Homburg ansässigen aqtivator. Die gemeinnützige GmbH des Unternehmers Stefan Quandt fördert schwerpunktmäßig Bildungs- und Integrationsprojekte. „Offenbach hat bereits bewiesen, dass es Integration kann. Es gibt hier viel gewachsene Kompetenz und belastungsfähige Strukturen“, erläutert Geschäftsführer Dr. Jörg Appelhans das Engagement der aqtivator GmbH, „das hat uns überzeugt“. Den Kontakt hergestellt hatte übrigens der Vorstandsvorsitzende der Stiftung Polytechnische Gesellschaft Frankfurt am Main, Dr. Roland Kaehlbrandt, betonte Dr. Schwenke: „Wir sind dankbar für das Vertrauen. Für die Stadt Offenbach ist es etwas Besonderes, dass die Unterstützung da ist. Das wissen wir zu schätzen“.

Seitens aqtivator sei eine Fortführung des bisher auf 12 Monate angelegten Engagements denkbar, ergänzt Dr. Appelhans, die gemeinnützige GmbH sei „an der Weiterentwicklung der Projektarbeit sehr interessiert.“ Dazu gehört auch die Erweiterung oder der eventuelle Umzug der bisherigen Unterkunft ein paar Meter weiter in das ehemaligen Honeywell-Gebäude in der Kaiserleistraße 39. Die Entscheidung liegt beim Land Hessen, die hauptamtlichen Helfer der Offenbacher Flüchtlingshilfe sehen dem gelassen entgegen, erklärt Sigrid Jakob: „Wir sind gut aufgestellt und haben die Hilfe in den letzten Monaten gut organisiert. Wir werden auch weiterhin alles tun, damit die Menschen, die zu uns kommen, sich willkommen fühlen.“

Bildinformation:

Das Team der Stabstelle Ehrenamtliche Flüchtlingshilfe: v.l.n.r.: Mouhssine Tkilli, Reinhard Knecht, Monika Pröse, Azimet Avci, Sigrid Jakob, Luigi Masala und Katja Lenz. Foto: Stadt Offenbach