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Offenbach am Main, 20. Oktober 2017 – Seit 30 Jahren dient Werner Frei den Offenbachern ehrenamtlich als Schiedsmann bei Konflikten. Und er ist bereit, das weiterhin zu tun: Am Donnerstag, 19. Oktober, erhielt er vom Amtsgerichtspräsidenten Stefan Mohr die Bestätigung für eine weitere Wahlperiode von fünf Jahren. Mit neuerdings 135.000 Einwohnern ist der Schiedsamts-Bezirk von Werner Frei der größte in Deutschland. Im Durchschnitt betreuen Schiedspersonen Bezirke mit etwa 15.000 Einwohnern

Mohr gratulierte gemeinsam mit dem Offenbacher Oberbürgermeister Horst Schneider Werner Frei zur seit 30 Jahren erfolgreichen Wahrnehmung dieses Ehrenamtes.

Ein Schiedsmann darf nicht richten, sondern er bietet den Konflikt-Parteien eine Plattform, die Sache gründlich zu besprechen und nach einer Lösungsmöglichkeit zu suchen. Das Ziel einer solchen Schlichtungsverhandlung ist der Vergleich. „Hier geht also niemand als Sieger oder Verlierer aus der Verhandlung, sondern man einigt sich  - oder nicht. Im letzteren Fall steht der weitere Rechtsweg offen“, erklärt Frei.

Die ausführliche Besprechung eines Streites zum Beispiel ist im wahren Leben kaum möglich, weil die Parteien entweder nicht mehr miteinander sondern nur übereinander reden. Solche Streitgeschichten ziehen sich nicht selten über viele Jahre hin und eskalieren mit der Zeit immer mehr. Hier, beim Schiedsmann, kann jeder in nicht öffentlicher Sitzung alles sagen, was ihm auf dem Herzen liegt, dann wird die Gegenpartei angehört und schließlich ist es die Aufgabe des Schiedsmanns als neutrale Person, Vorschläge zur Konfliktbewältigung zu machen und eine Lösung zu finden, mit der beide Seiten leben können. Es wird also kein Urteil gefällt, sondern einvernehmlich Rechtsfrieden hergestellt. „Und das ist mir in diesen dreißig ehrenamtlichen Dienstjahren schon sehr oft gelungen“, sagt Frei und zieht Bilanz: In bürgerlich-rechtlichen Angelegenheiten, also zum Beispiel in Nachbarschaftssachen habe er eine Erfolgsquote von fast 80 Prozent. Bei Strafsachen, also zum Beispiel bei Beleidigung, Bedrohung, Körperverletzung liegt die Quote niedriger, weil „hier nicht selten eine Rechtsschutzversicherung mehr Mut zur Strafanzeige macht und man unbedingt ein Gerichtsurteil haben möchte“.

Weitaus mehr als die förmlichen Schlichtungsverfahren, in denen es auch zu einer Verhandlung kommt, beschäftigen den Schiedsmann die so genannten Tür-und-Angel-Fälle, wo Werner Frei mit einem Rat, einem Brief, einem Gespräch oder einer sonstigen Hilfeleistung helfen und das Problem aus der Welt schaffen kann. So hat er erst kürzlich einem aus Italien stammenden Rentner dabei geholfen, aus einem Mobilfunk-Vertrag herauszukommen, der dem alten Mann von einem übereifrigen Werber aufgeschwätzt wurde.

Gemeinsam mit seinem Stellvertreter Markus Eck besucht Werner Frei regelmäßig Fortbildungslehrgänge beim Bund Deutscher Schiedsmänner und –Frauen (zum Beispiel auch über Mediation) und ist so immer auf dem neuesten Stand.

Auch nach dreißig Jahren hat Schiedsmann Werner Frei immer noch Spaß an seinem Ehrenamt. „Es macht mir Freude, Konflikt-Parteien zusammenzuführen, Lösungen zu finden und sich zu einigen. Bei Gericht werden Urteile gefällt, wo der eine gewinnt und der andere verliert. Beim Schiedsmann gibt es das nicht, man rauft sich mit seiner Hilfe und Erfahrung zusammen und findet eine Problemlösung, auch für die Zukunft.“

Die ordentlichen Gerichte werden durch die Tätigkeit der Schiedspersonen von sehr vielen sogenannten kleinen Rechtsstreiten entlastet. Selbst wenn sich Parteien nicht einigen, genügt es ihnen oft, dass die Sache störungsfrei besprochen und geklärt werden konnte, und sie verzichten auf weitere rechtliche Schritte.

Die Sprechstunden des Schiedsmannes finden jeden Donnerstag von 16.30 bis 17.30 Uhr im Raum 1202 des Offenbacher Rathauses statt.

Bildinformation:

Werner Frei erhält die Bestätigung seiner Wahl als Schiedsmann. Von links nach rechts: Markus Eck, Werner Frei, Bianca Weihert, Amtsgerichtspräsident Stefan Mohr und Oberbürgermeister Horst Schneider.