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Offenbach am Main, 24. April 2018 – Nach dem Beginn des Freibadbetriebs im Waldschimmbad auf der Rosenhöhe beginnt am 1. Mai auch die Badesaison am Schultheisweiher. Die Vorbereitungen im Naturschutzgebiet Rumpenheimer und Bürgeler Kiesgruben laufen auf Hochtouren. Am vergangenen Samstag hat die Feuerwehr Offenbach die Bojenkette ausgelegt, die den Bereich für die Badegäste vom Naturschutzgebiet trennt. Im Laufe dieser Woche erfolgt eine maschinelle Sandreinigung durch die GBM; das Stadtgesundheitsamt veranlasst eine mikrobiologische Untersuchung des Gewässers gemäß der Badegewässerverordnung.

Die Herausforderungen, den Schultheisweiher für die Offenbacherinnen und Offenbacher als Badegewässer zu erhalten, waren noch nie so groß wie dieses Mal. „Die Situation des Gewässers ist nach wie vor angespannt“, erläutert Heike Hollerbach, Leiterin des Amtes für Umwelt, Energie und Klimaschutz. „Die Belastung durch das große Aufkommen der Sumpfkrebse, die Wasservögel, die hohen Temperaturen und die starken Besucherzahl haben den See im vergangenen Jahr stark belastet.“ Zwar wolle man weiterhin die Bademöglichkeit für die Bürgerinnen und Bürger erhalten. Gleichzeitig sei noch mehr Sensibilität beim Ausgleich zwischen Naturschutz und Baden gefragt. Aus diesem Grund wird die Badesaison in diesem Jahr nur bis Ende August gehen. Sollte die Gewässerwerte bis dahin positiv sein, besteht die Option für eine Verlängerung, so Hollerbach.

„Uns macht Sorgen, dass sich das Gewässer über die Wintermonate womöglich nicht ausreichend erholen konnte, um anhaltend hohe Temperaturen und lange Sonnenperioden zu kompensieren.“ Eine Gefahr sei immer dann gegeben, wenn es zu einer Überwärmung des Wassers und zum Rückgang des Sauerstoffgehalts komme. „Die Nährstoffkonzentration im See ist zu Beginn dieser Badesaison doppelt so hoch wie 2014, das ist der höchste Wert seit 2010.“

Hohe Wassertemperatur schon zu Saisonstart

Die zum Schwimmen einladenden sommerlichen Temperaturen haben das Wasser bereits jetzt auf über 20°C erwärmt. In der Vergangenheit startete die Saison meist bei kühlen 12 °C. Positiv beurteilt Hollerbach die hohen Niederschläge im zurückliegenden Winter. Seit Mitte November hat der Schultheisweiher über 80 Zentimeter an Wassertiefe zugenommen, damit hat der Wasserstand seit der Aufzeichnung ein Rekordhoch erreicht. Ob das bei lang anhaltender Trockenheit zum Vorteil wird, müsse der Verlauf der Badesaison zeigen, so die Amtsleiterin. „Sollte es weiterhin zu extremen Wetterverhältnissen kommen, kann aber auch die Konzentration der Blaualgen wieder anwachsen.“

Der Schultheisweiher ist ein grundwasserdominierter Baggersee mit einer Seefläche von 10,4 Hektar und einer maximalen Wassertiefe von 3,11 Metern (bezogen auf einen Wasserstand von 96,35 Meter über NN). Die Wassererneuerungszeit wird mit 2,3 bis 2,7 Jahren angegeben.

Problematische Phosphorkonzentrationen

Seit dem vergangenen Jahr, in dem die Wasserpflanzen völlig abstarben und der Sauerstoffgehalt gegen Null sank, ist das Problem der hohen Phosporkonzentrationen wieder besonders in den Fokus gerückt. Hintergrund ist auch die explosionsartige Ausbreitung der Sumpfkrebse 2017 und die stark gestiegene Wasservogelpopulation. Obwohl die Stadt alles daran setzt, die Bereiche der Liegewiese sauber zu halten, ist die Verschmutzung durch die Wasservögel, insbesondere Nil- und Kanadagänse, stark gestiegen. „Das erforderte im vergangenen Jahr fast tägliche eine Reinigung des Sandstrandes“, so Hollerbach. „Allerdings lassen sich die Vogelexkremente im Wasser nicht herauszufiltern.“

Als besondere Maßnahme hat die Obere Fischereibehörde deshalb im Oktober 2017 den Besatz mit jungen Aalen genehmigt. Die Aale als natürliche Feinde der Sumpfkrebse müssen ihre Arbeit noch verrichten. Im Umweltamt hofft man, dass sich im Laufe dieses Jahres eine Wirkung zeigt. „Dies können wir durch ein Krebsmonitoring sowie Nahrungsuntersuchungen an Raubfischen feststellen.“ Dabei werden Reusen an zwei Terminen innerhalb des Zeitraumes von Juli bis September 2018 ausgelegt und der Fang dann ausgewertet.

An den Genesungs- und Unterstützungsmöglichkeiten für das Gewässer wird seitens des Amtes für Umwelt, Energie und Klimaschutz und allen beteiligten Organisationen intensiv gearbeitet. Eine „Lagebesprechung“ zwischen dem Hessischen Landesamt für Umwelt, Energie und Klimaschutz, dem Regierungspräsidium Darmstadt, der Hessischen Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz und den Unteren Behörden, hat ergeben, dass eine Vorsorgemaßnahme in jedem Fall hilfreich ist. „Gleichzeitig müsse alles getan werden, um die Belastungen so gering wie möglich zu halten, dazu müssen alle Beteiligten zusammenarbeiten“, so Hollerbach. „Die Badegäste genauso wie die Stadt.“ Badegästen ist es folglich untersagt, Wasservögel und andere Tier zu füttern sowie das Naturschutzgebiet zu betreten. Schilf und Wasserpflanzen dürfen nicht herausgerissen werden.

Maßnahmen gegen Gänse

„Im Zuge des Umgangs mit den Gänsen sind spätestens für das nächste Jahr konkrete Maßnahmen angedacht“, kündigt Hollerbach an. „Wir wollen die Wasservögel von ihrem Lieblingsplatz am Strand verdrängen, ohne den Vogelschutz zu vernachlässigen.“ Im Einvernehmen mit dem Regierungspräsidium sollen im Strandbereich mosaikartig Schilfgürtel angeordnet werden. Dadurch soll die Sichtbeziehung der Vögel gestört werden. Auch wasserseitig sollen schwimmende Schilfinseln angeordnet werden. Die Lösung sei günstig, elegant und wirke sich positiv auf das Gesamtbild und die Ökologie aus, so die übereinstimmende Meinung der Experten.

Weiter wurde mit den oberen Behörden besprochen, ob eine externe Phosphorelimination hilfreich wäre. Das würde bedeuten, das nährstoffreiche Tiefenwasser aufzunehmen und in einer Anlage am Uferrand aufzubereiten und zurückzuführen. Anders als bei der klassischen Fällung, die bisher schon zweimal durchgeführt wurde, werden dem See die Nährstoffe dauerhaft entzogen. Auch auf den Sauerstoffhaushalt und die Zirkulationsprozesse wären positive Effekte zu erwarten. Die Maßnahme wird noch weiter besprochen, aber als erfolgversprechend eingeschätzt.

Was wird dieses Jahr noch umgesetzt?

Ein Büro wurde bereits vergangenes Jahr im Oktober mit der Erfassung der hydraulischen Anbindung des Gewässers, der Ermittlung der Sauerstoff-18 [18O]-Gehalte und der Deuteriumgehalte [2H] (Isotop Deuterium, wertvolles Hilfsmittel bei der Untersuchung der Zirkulationsbedingungen im Untergrund) in der Seewassermischprobe und an den Grundwassermessstellen im Zufluss beauftragt. Dazu gehören die Erfassung der Grundwasserzuflussrate auf der Grundlage hydraulischer und isotopenhydrologischer Untersuchungen, die Erfassung der Seewasserbeschaffenheit, die Erfassung der Wassertemperaturen mittels 4 Temperaturloggern zur Modelleichung, die Erhebung der Sedimentbeschaffenheit, die Erfassung der Sedimentmächtigkeit an mindestens 40 Untersuchungsstellen und das Erstellen einer Sedimentkarte, die Erfassung der Parameter Stickstoff, Phosphor, Trockensubstanz und Glühverlust/TOC an 6 Beprobungsstellen (Mischproben) in zwei Tiefenhorizonten und dazu die Erfassung der Sedimentbelastung an 6 Untersuchungsstellen. Auch das Grundwasser wird untersucht, es erfolgt eine Beprobung von 4 Grundwassermessstellen an mindestens 2 Stichtagen, unter anderem eine Erfassung der Nährstoffparameter (NO3, NO2, NH4, PO4, Pgesamt und TOC) sowie von Hydrogenkarbonat, Calcium, Magnesium, Natrium und Chlorid.

„Bei besonderen Situationen, die sich negativ auf die Badegewässerqualität und auf die Gesundheit der Badenden auswirken können, müssen gemäß Badegewässerverordnung entsprechende Bewirtschaftungsmaßnahmen getroffen werden. Daher werden wir, um weitere Maßnahmen und den Kostenrahmen festlegen zu können, dieses Jahr die Grundlagendaten aktualisieren. Wir haben mit den oberen Behörden verabredet, im engen Abstimmungsprozess zu besprechen, welche nächsten Schritte geeignet sind, den Schultheisweiher als Badegewässer zu erhalten“, sagt Sergej Justus von der Unteren Wasserbehörde und zuständiger Fachmann für den Weiher.

Flyer für Naherholungssuchende

Um die Besucher und Naherholungsuchenden auf den aktuellen Stand zu bringen und die Empfindlichkeit des Naturschutzgebiets und die Verhaltensregeln aufmerksam zu machen, wurde der Schultheis-Flyer gemeinsam von der Unteren Naturschutzbehörde und der Wasserbehörde überarbeitet und alles Wichtige aufgelistet.