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Offenbach am Main, 27. November 2020 – Die Bausubstanz des Deutschen Ledermuseums gilt seit längerer Zeit als stark sanierungsbedürftig. Die Bearbeitung des Themas wurde durch zahlreichen Amtswechsel zwar erschwert, die erfreuliche Botschaft ist aber: trotz allem ging das Thema nie unter.

Schon der Hessische Minister für Wissenschaft und Kunst Boris Rhein (CDU) hatte in Absprache mit dem damaligen Oberbürgermeister Horst Schneider (SPD) erstmals eine kleine interne Studie auf Kosten der Landesregierung erstellen lassen, um zu prüfen, welche Maßnahmen am Ledermuseum notwendig sind. Nach der Amtsübergabe in Offenbach an Oberbürgermeister Dr. Felix Schwenke (SPD) fuhr dieser zu Staatsminister Rhein um zu klären, ob das Projekt weiterverfolgt werden soll. Beide waren sich einig. Dementsprechend wurde Bürgermeister Peter Freier (CDU) in die Gespräche einbezogen.

Diese Gespräche wurden mit Angela Dorn (Grüne) gleich nach ihrer Übernahme des Amtes als Hessische Ministerin für Wissenschaft und Kunst fortgesetzt. Staatsministerin Dorn zeigte sich vom ersten Tag an aufgeschlossen und war auch zu Besuch vor Ort im Museum. Zugleich verdoppelte das Land seinen jährlichen Zuschuss für das Ledermuseum. Die Stadt bleibt trotzdem weiterhin der größte Zahler an das DLM. Land und Stadt waren sich einig, dass für größere Maßnahmen auch der Bund ins Boot muss. MdB Björn Simon hatte sich bereits im Vorfeld im Rahmen eines Vor-Ort-Termins mit der Museumsleitung ausgetauscht, die Notwendigkeit einer Sanierung und Modernisierung festgestellt und versprochen, sich des Themas anzunehmen. Erstes Ergebnis war ein gemeinsames Gespräch im DLM zwischen Simon, OB Schwenke, der zuständigen Haushaltspolitikerin Patricia Lips MdB (CDU), Bürgermeister Peter Freier und Museumsdirektorin Dr. Inez Florschütz.

Es besteht Einigkeit zwischen Bund, Land und Stadt, belastbar die Kosten für die notwendigen Maßnahmen am DLM ermitteln lassen zu wollen. Dafür sind jetzt wichtige Schritte erreicht worden. Zunächst wurde auf Absprache zwischen Bund, Land und Stadt im Baudezernat von Paul-Gerhard Weiß (FDP) ein Förderantrag erstellt. Dieser wiederum war nun die Grundlage für eine fast schon historische Entscheidung des Bundes.

„Die Bundesregierung stellt dem Deutschen Ledermuseum (DLM) in Offenbach erstmals 250.000 Euro aus dem Bundeshaushalt des kommenden Jahres 2021 zur Verfügung.“ Das verkündete der Obertshausener Bundestagsabgeordnete Björn Simon (CDU) am Rande der Sitzungswoche des Deutschen Bundestages in Berlin. Hier hat der Haushaltsausschuss des Parlamentes in seiner abschließenden Sitzung, der sogenannten „Bereinigungssitzung“, über den Regierungsentwurf für den Bundeshaushalt des kommenden Jahres entschieden. Die Gelder für das Ledermuseum stammen aus dem Einzelplan des Bundeskanzleramtes, in welchem auch der Kultur- und Medienhaushalt hinterlegt ist.

„Das Deutsche Ledermuseum ist weltweit das einzige Museum, das sich ausschließlich mit dem Werkstoff Leder befasst. Ich schätze besonders, wie das Museum mit viel Kreativität spannende Perspektiven und einfache Zugänge eröffnet wie Fühlen, Erinnerungen und Bezüge zum Alltag der Menschen. Damit leistet das Museum einen großartigen Beitrag zur Vermittlung komplexer gesellschaftlicher Themen“, sagt die hessische Ministerin für Wissenschaft und Kunst, Angela Dorn. „Wir sind froh, so einen Schatz in Hessen zu haben, und haben deshalb von diesem Jahr an bereits die jährliche institutionelle Förderung auf 440.000 Euro verdoppelt. Ich freue mich sehr, dass der Beschluss des Bundestages uns dem gemeinsamen Ziel der Modernisierung einen weiteren Schritt näherbringt. Wir haben die notwendigen Voruntersuchungen, die Voraussetzung für den erfolgreichen Antrag waren, gern mit Landesmitteln finanziert.“

„Wir ergänzen das mit 250.000 Euro im Haushalt 2021 der Stadt über unsere Änderungsliste“, teilt Stadtkämmerer Peter Freier mit. Freier und Schwenke spielen zugleich mit offenen Karten in Bezug auf die Möglichkeiten der Stadt: „Die Finanzlage der Stadt ist bekannt: aus den Prüfungen kann nur dann ein gelingendes Projekt werden, wenn Bund und Land letztlich wesentliche Teile finanzieren. An Dankbarkeit unsererseits wird es dann sicher nicht fehlen.“

„Ich freue mich sehr, dass die Haushaltspolitiker des Deutschen Bundestages nach unserem Einsatz in den vergangenen Monaten bereit sind, das traditionsreiche DLM und die einzigartigen Schätze der in Offenbach vorhandenen Sammlung finanziell zu unterstützen“, verdeutlichte Björn Simon. „Die nun vorliegenden 250.000 Euro stellen eine erste Anschubfinanzierung für die beabsichtigte inhaltliche und gestalterische Neuausrichtung des DLM dar.“

„Wir haben gemeinsam intensiv an der Vision der Erneuerung des Ledermuseums gearbeitet; die Zusage von Bundesmitteln legt einen wichtigen Grundstein dafür. Ich bin gespannt auf die Ergebnisse des Architektenwettbewerbs, den es nun vorzubereiten gilt. Nachdem die realistischen Kosten ermittelt sind, werde ich mich auch weiterhin für eine anteilige Finanzierung der Baukosten im Landeshaushalt einsetzen“, so Ministerin Dorn. „Uns ist – gerade jetzt in Zeiten der Pandemie – sehr bewusst, wie wichtig Museen für die Identität einer Stadt, das öffentliche Leben und für unsere Seelen sind. Das Deutsche Ledermuseum hat sehr gute Möglichkeiten, die Menschheitsgeschichte anhand der Kulturgeschichte des Leders darzustellen. Die nötige inhaltliche und gestalterische Neuausrichtung hat mit der Entscheidung des Bundes eine realistische Perspektive erhalten.“

„Es gibt derzeit kaum ein Projekt, an dem dermaßen viele Beteiligte unterschiedlicher Ebenen gleichzeitig arbeiten. In meiner Funktion als Senatspräsident ist meine wesentliche Aufgabe dabei, alle Gesprächsfäden zusammenzuhalten. Ich bin allen Beteiligten höchst dankbar, dass die zahllosen Gespräche, Termine und Besichtigungen jetzt erstmals zu greifbaren Fortschritten führen. Denn das DLM ist ein Leuchtturm für Offenbach und es verdient diese Aufmerksamkeit“, freut sich OB Schwenke.