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Stadt Offenbach

Familiengärtnerei Jung

Wer samstags an diesem Stand doppelt sieht, muss sich nicht wundern: Marktfrau Heidi Jung gibt es tatsächlich zweimal - ihre Zwillingsschwester Christel trägt die gleiche Frisur, die gleiche Kleidung und ist ihrer nur um Minuten älteren Schwester auch im Temperament zum Verwechseln ähnlich.

Beschreibung

Wochenmarkt

Dass Frankfurterisch die Muttersprache der Zwillinge ist, ist nicht zu überhören, deren Schlagfertigkeit unschlagbar. Selbst Showmaster Günther Jauch kapitulierte, als die Zwillingsschwestern zu Gast bei „Wer wird Millionär?“ waren. Durch diesen und andere TV-Auftritte, wie in der ARD-Reiseserie „Verrückt nach Meer“ und der RTL-Koch-Castingshow „Das Erfolgsrezept“ wurden die beiden Blondschöpfe zu den wohl bekanntesten Zwillingen Hessens.

Das persönliche Erfolgsrezept von Heidi Jung, Gärtnerin in der fünften Generation in Frankfurt-Oberrad, hat Bodenhaftung. Das Ergebnis ist je nach Sorte zwischen zwei und zehn Zentimetern groß, mal oval, herzförmig oder rund und leuchtet von Schneeweiß und Zitronengelb über Feuerrot bis hin zu Schokobraun. Im Sommer pilgert die Kundschaft aus dem ganzen Rhein-Main-Gebiet ins Reich der hessischen „Tomatenkönigin“, um die über 50 verschiedenen Sorten zu bestaunen und ein buntes Körbchen zu ergattern. Auch die saisonalen Salate, Kräuter und Gemüse aus eigenem Anbau sind begehrt.

„Und wo kommen die Tomaten alle her? Aus Holland, oder was?“ Kommentare wie diesen pariert Christel, selbsternannte Social Media-Beauftragte der Familiengärtnerei Jung, unschlagbar gut: „Haste Insta? Such mal ‚tomatenheidi‘, da kannste unseren Tomaten beim Wachsen zugucke und der Heidi beim Schaffe!“   

Ein weiteres Erfolgsrezept, das sich über Jahre bewährt hat, ist die ausschließlich weibliche Besetzung des Standpersonals: Dancing Queen Maxi und Hobbybäckerin Maren, Chefin-Vertretung Eva, Iris und Sina, die Tennis-Partnerinnen von Christel, Chefin Heidi, Tochter Julia, die jungen Familien das Gärtnern beibringt, und Franzi, mit 80 Jahren die Standesälteste. „Kein Gegockel, kein Gebrüll, wir schaffe‘ hier wie zwei Dutzend Kerle und haben dabei noch gute Laune“, kommentiert Chefin Heidi die Vorteile des konsequenten Männerverzichts.

Die Stammkundschaft jeden Geschlechts weiß im Übrigen: Wer den Kaufbetrag aufrundet, wird mit einem schwungvollen Glockenläuten belohnt. Denn das Trinkgeld wandert in die kollektive Urlaubskasse. New York und andere Metropolen haben die Marktmädels schon erobert. Bald geht‘s nach Budapest, wo Eva als gebürtige Ungarin die Reiseleitung übernimmt.

Tipp: Wer das volle Aroma von Heidis selbst gezogenen Tomaten genießen will, der sollte anstelle von Salz eine Prise Puderzucker über die aufgeschnittenen Tomaten streuen. Der feine, süße Schnee verstärkt das Eigenaroma des Nachtschattengewächses, Salz hingegen verringert es.

Rezeptidee: Süßes Tomaten-Tiramisu mit Tonkabohne*

Zutaten für 4 Personen:

  • 750 g Kirschtomaten
  • 1 Stängel frische Minze
  • 6 – 7 EL Magerquark
  • 400 g Mascarpone
  • 1 Packung Löffelbiskuits
  • 7 - 8 EL geraspelte weiße Schokolade
  • 1 Prise getrocknete, geriebene Orangenschale
  • 1 Tonkabohne
  • 2 Eigelb
  • 1 TL Bourbon Vanille, gemahlen
  • 6 -7 EL Rohrohrzucker
  • 1 Päckchen Vanillezucker

Zubereitung:

Backofen auf 160 Grad (Ober- und Unterhitze) vorheizen. Kirschtomaten waschen, halbieren und entkernen. Mit der Schnittfläche nach oben in einer Auflaufform verteilen. Vanille und Zucker vermengen.

Die Hälfte der Zuckermischung gleichmäßig über die Tomaten streuen. Tomaten im Backofen auf mittlerer Schiene 40 bis 45 Minuten schmoren.

Inzwischen Mascarpone, Quark, restliche Zuckermischung, Orangenabrieb und Eigelbe in eine Schüssel geben und mit einem Handmixer aufschlagen, bis eine geschmeidige Masse entsteht. Mit einer Muskatreibe etwas Tonkabohne fein raspeln und unter die Mascarpone-Creme ziehen. Weiße Schokolade raspeln und Löffelbisquits grob zerbröseln.

Wenn ein süßer Tomatenduft aus dem Ofen zu riechen ist, die Auflaufform herausnehmen und die Tomaten etwas abkühlen lassen. Falls die Schmortomaten nicht süß genug sind, mit etwas Vanillezucker nachsüßen.

Den Boden von vier hohen (Einmach-)Gläsern mit Bisquitbröseln bedecken. Nacheinander Tomaten, Mascarpone-Creme und Schokoraspel einschichten. Den Arbeitsgang so oft wiederholen, bis die Gläser gut gefüllt sind.

Die restliche geraspelte Schokolade auf die Gläser verteilen und mindestens drei Stunden kalt stellen. Minze abbrausen, Blättchen abzupfen und die Gläser damit dekorieren. 

Tipp: Tonkabohnen gibt es bei Andrea Frank (Frank‘s Kräuter- und Gewürzwelt) auf dem Wochenmarkt. Die mandelförmigen Samen des Tonkabaums haben Aromen von Vanille, Rum, Waldmeister, Heublumen und Bittermandel - eine raffinierte Ergänzung zur Mascarpone und den Schmortomaten. Bitte vorsichtig dosieren!

 

*aus:
Susanne Reininger: Bunt und gesund. Alles mit Tomaten. CoCon-Verlag, ISBN: ‎ 978-3863142339, 16,80 €

 

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