Sprungmarken
Suche
Suche

Gastschild
© Presseamt

Beschreibung

Er ist einer der letzten Vertreter eines ehrbaren Standes in Offenbach: der Ockel, bürgerlich Horst genannt, steht in der Tradition der Wirte, die in den Quartieren der "kleinen Leute" ihren Gästen bei Presskopf und Fleischwurst, vor allem aber bei reichlich Schöppchen, einige Stunden des Vergessens gewährten. Für diese Fluchten mussten grob gehobelte Tische und Stühle, knarrende Dielen, schmucklose Wände, wattarme Glühbirnen und eine einfache Theke reichen.

Mehr war Luxus und den konnte man sich nicht leisten.

Glaubt man Horst und seinen Geschichten, begann er direkt nach dem Krieg auf dem Schwarzmarkt und er war der King der Tanzcafes. Verbürgt sind erst die legendären Nächte als jenseits der Sperrstunde Cassius Clay gegen Sonny Liston boxte und mangels Antenne in seinem Schankraum das Fernsehsignal, flimmernd wie bei der Mondlandung, per Kleiderbügel eingefangen wurde. Bereits in jener Zeit galt das Mobilar vom Ockel, heute wieder nostalgische Zierde, als antik.

Eine Empfehlung für den Ockel polarisiert. Besucher, die hier am rustikalen Offenbach zu schnuppern begehrten, meiden seit sie über die ausgelaufenen Treppen das verrauchte Lokal betraten, die Stadt. Andere, die in den Drei-Sterne-Tempeln dieser Welt speisten, erzählen begeistert von der langen Nacht beim Horst. Sofort nach dem Gang durch die grob lackierte Tür fühlt sich hier der Gast in eine vergessen geglaubte Zeit gebeamt, in die Atmosphäre des Wirtschaftswunders, freilich in eine jener sparsameren Varianten, die einer Ex-Arbeiterstadt ziemen.

Zum Nachtisch gibt's ausschließlich Hanuta. Das gilt auch für Ex-Oberbürgermeister oder Bankvorstände, die hier immer mal ihre Lust auf "back to the roots" befriedigen. Genossen wird vorher, und das ausschließlich regional.

An wenigen Orten lässt sich roher Tatar mit Ei unbeschwerter einnehmen. Der Solber wird noch nach Pfunden bemessen und wer neumodisch Currywurst bestellt, erhält den ganz großen Kringel Fleischwurst, halt mit einem würzigen Schuss roter Sosse. Es gibt noch richtig angemachten Handkäs mit echt gekeltertem Apfelwein. Die Bratkatroffel mit Speck und Schinken erinnern an den Kartoffelmann und Erde, nicht nach Kühltruhe und Geschmacksverstärker. Egal ob Rippchen, Haspel oder Steak, das Fleisch kommt nicht aus anonymen Großmärkten sondern frisch geschlachtet vom Metzger gleich nebenan. Es mundet, gerade weil die ursprüngliche Küche nicht mit Tricks und Finessen aufgemotzt wird. Und Stammgäste bestellen nach dem immer reichlichen Essen ein Birnchen, beileibe kein Edelbrand, aber ehrlich und immer mit einer kleinen verhutzelten Frucht gereicht.

Tipp: Parken im Ortskern um den Dalles. Direkt an der Kneipe nur verwinkelte Straßen.
Besser an das Ende denken und Taxi oder Bus nehmen. Bargeld. Keine neumodischen Kreditkarten.
Hier trinkt man Bier und Apfelwein. Die Toscana und der Rotwein sind noch nicht angekommen, auch wenn ihre Fraktion hier gerne genießt.

Hinweis: Das Lokal heißt "Schöne Aussicht" und liegt direkt am Main. Den Blick versperrt freilich die Mauer des Hochwasserdamms zwei Meter vom Fenster.

Kolleg für 30 Personen.

Öffnungszeiten

Di bis So 16:00 - 24:00

Montag Ruhetag