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Beschreibung

Dank einer großzügigen landesherrlichen Gewerbeförderung entwickelte sich Offenbach bereits im 17. und 18. Jahrhundert zu einer führenden Industriestadt im Großherzogtum Hessen. Ab Mitte des 19. Jahrhunderts wuchs auch das ursprünglich arme Bauerndorf Bürgel zur Industrieansiedlung. Dort wagte 1898 Philipp Gothardt Hau den Schritt in die berufliche Selbstständigkeit, gemeinsam mit seinem Bruder gründete er die „Gebrüder Hau, Maschinenfabrik, Bürgel am Main.“ Der von ihm entwickelte Einspindel-Automat „System Hau“ arbeitete vollkommen selbstständig und eignete sich hauptsächlich zur Herstellung von Massenartikeln aus gezogenem Stangenmaterial. 1902 war die Maschinenfabrik mit ihren „Abortspülautomaten“ erfolgreich, diese wurden vom königlichen Polizeipräsidium Berlin für die Stadt und ihre Vororte verbindlich vorgeschrieben. Nach dem Tod der beiden Brüder, Johann Philipp 1912 und Philipp Gothardt 1915, führte Johann Philipps Witwe Katharina das Unternehmen als alleinige Inhaberin weiter. 1925 übernahm Otto Hau die Unternehmensleitung, das Unternehmen florierte in dieser Zeit bestens. In der Nacht vom 18. auf den 19. März 1944 wurden Teile des Firmengeländes durch Fliegerbomben zerstört. Die Lederwerke Becker stellten hilfsbereit eine Halle an der Lammertstraße zur Verfügung, dort wurde bis zum Wiederaufbau produziert. Am 20. November 1948 wurde am alten Standort in der Kurfürstenstraße mit 130 Mitarbeitern das Goldene Firmenjubiläum begangen.

In den ersten Nachkriegsjahren wurden noch Teile aus dem alten Maschinenprogramm der Drehautomaten gefertigt, stellte das Unternahmen ab 1957 ausschließlich HAU-Schleif- und Polierautomaten und Sondermaschinen für die Oberflächenveredlung her.

1970 entstand auf dem circa 12.000 m² großen Gelände an der Lammertstraße nach den Plänen des Architekten Hans Brehm ein dreigeschossiges Büro- und Verwaltungsgebäude und eine circa 7.000 m² große Fertigungshalle. 1973 hatte das Unternehmen 300 Mitarbeiter und Kontakte in über 60 Länder der Erde. Die schlechte Konjunktur in den 1970er und 80er Jahren führte erst zu einer Verringerung der Beschäftigtenzahl und im April 1984 schließlich zur Eröffnung eines Vergleichsverfahrens, das am 30. Juli mit dem Konkurs endete. Mit der Liquiditätsversteigerung am 1. Dezember 1984, bei der der gesamte Maschinenpark sowie die Betriebs- und Büroeinrichtung versteigert wurden, endete ein bedeutender Teil der Bürgeler Industriegeschichte


Kurfürsten/ Lammertstraße