Inhalt anspringen

Stadt Offenbach

Stadtverordnete besuchen Offenbachs Bau-Entwicklungsgebiete

Dieses Jahr führt die Gemarkungsrundfahrt die Stadtverordneten zu den aktuell meistdiskutierten Offenbacher Bauarealen. Zum Innovationscampus, zu CloudHQ, zum Schultheis Weiher und zum Quartier 4.0.

Die Stadtverordneten haben sich auf ihrer diesjährigen Gemarkungsrundfahrt vor allem den aktuell am meisten diskutierten Offenbacher Bauarealen gewidmet. Die Gemarkungsrundfahrt ist eine Gelegenheit für die Parlamentarier und Parlamentarierinnen, sich neben der theoretischen Diskussion einen unmittelbaren Eindruck vor Ort darüber zu verschaffen, was aus den Entscheidungen der Stadtverordnetenversammlung erwächst – und was es noch zu lösen gilt.

Den ersten Stopp des Tages legte der Elektrobus mit den Stadtverordneten und ehrenamtlichen Magistratsmitgliedern auf dem Innovationscampus ein. Das ehemalige Clariant-Gelände im Osten Offenbachs ist eine 36 Hektar große Industriebrache, aus der ein zukunftsweisender Gewerbestandort entstehen soll.

Daniela Matha, Geschäftsführerin der Offenbacher Planungsgesellschaft OPG, gab vor Ort Auskunft über die geplante Nutzung der großen Flächen. So zeigte sie, wo die Unternehmen Samson und Bionspring angesiedelt werden sollen und wo das neue Umspannwerk an der Mühlheimer Straße entstehen soll, das auch das Rechenzentrum CloudHQ mit Energie versorgen wird.

Außerdem berichtete Frau Matha über Ideen, die Wegeführung um das Pelletwerk der EVO neu auszurichten, um auch das Grüne Haus, das ehemalige Verwaltungsgebäude der Farbwerke Höchst, besser anzubinden. Das Grüne Haus werde mitgedacht, wenn es um die Entwicklung des Design Parks geht, aber eine konkrete Nutzung steht noch nicht fest.

Viel sichtbarer als die geplanten Vorhaben ist das denkmalgeschützte alte Badehaus, das den Stadtverordneten zur Begehung geöffnet wurde. Das Gebäude geht auf das Teerfarbenwerk Oehler zurück: Der Sohn des Gründers hatte neben dem Badehaus viele, damals vorbildliche Sozialeinrichtungen in sein Werk eingeführt, wie die Betriebskrankenkasse und eine Kantine.

Heute steht das Bad als wichtiges Zeugnis der Offenbacher Industriegeschichte unter Denkmalschutz. Hier thematisierte Frau Matha vor allem künftige Nutzungsmöglichkeiten.

Etappe zwei: Rechenzentrum CloudHQ

Die nächste Etappe der Gemarkungsrundfahrt führte die Stadtverordneten zu Cloud HQ im Lämmerspieler Weg. Hier entsteht eines der größten Rechenzentren Deutschlands – noch ist bloß das Industriegebäude zu sehen, der Innenausbau beginnt erst jetzt. Peter Knapp, Geschäftsführer des Deutschland-Geschäfts des US-Konzerns, führte aus, dass eine Industrialisierung im digitalen Bereich stattfinde.

Zur Verdeutlichung zieht Knapp eine Parallele zur zentralen Wasserversorung, die Haushalte effizienter, sicherer und jederzeit verfügbar versorgt als individuell gebohrte Brunnen. So verhalte es sich auch bei Cloud-Diensten, die nichts anderes darstellten, als die Bereitstellung von EDV-Kapazitäten für Nutzerinnen und Nutzer - genau wie ein Versorger.

Dank optimierter Prozesse sei das Rechenzentrum dabei auch effizienter als individuelle Lösungen, was sich insbesondere beim Energieverbrauch zeige.  

Die Kühlung des Cloud HQ Rechenzentrums ist derzeit als geschlossener Wasserkreislauf geplant, aber Knapp betonte, man sei in der Lage, die Abwärme zur Weiternutzung bereit zu stellen, beispielsweise über eine Wärmetauscher. Wie genau die Bereitstellung erfolge, müsse mit dem potentiellen Abnehmer besprochen werden. Solarzellen auf dem Dach seien hingegen nicht geplant, dafür aber Grünanlagen in Umgebung des Gebäudes.

Dritte Etappe: Schultheis Weiher

Vom Prestigeprojekt fuhren die Stadtverordneten zum Schultheis Weiher, der in den vergangenen, heißen Sommern wegen der Belastung mit Blaualgen für den Badebetrieb geschlossen werden musste. Blaualgen vermehren sich besonders gut bei hohen Nitrat- und Phosphatwerten. Gerade letztere sind durch Vogelkot, Hitze und die ehemalige Nutzung als Mülldeponie hoch.

Dagegen kämpft seit Jahresbeginn eine Phosphateliminationsanlage (Öffnet in einem neuen Tab). Vor Ort erklärten Heike Hollerbach, die scheidende Leiterin des Umweltamts, ihre designierte Nachfolgerin, Wiebke Fiebig und Dr. Patrick Slattery, zuständiger Projektleiter im Umweltamt, deren Funktionsweise.

Die Anlage filtere einerseits Phosphate aus dem See, zum anderen reichere sie das Wasser mit Sauerstoff an. Auf längere Sicht soll so die Wasserqualität verbessert werden. Der Erfolg der Anlage wird nicht nur von Offenbacherinnen und Offenbachern erwartet, auch die Wissenschaft beobachtet das genau. Immerhin ist der Betrieb der Anlage ein Pilotprojekt an einem so großen Gewässer wie dem Schultheis Weiher und wird wissenschaftlich begleitet. Dennoch ist es fraglich, ob der See je wieder als Badesee genutzt werden kann. Die scheidende Amtsleiterin betont, der See dürfe nicht nur als Badegewässer gesehen werden, wichtig ist er vor allem als Naturschutzgebiet und Heimat vieler seltener Vogelarten.

Letzter Stopp: Quartier 4.0

Ein letzter Stopp brachte die Stadtverordneten zum Quartier 4.0, dem Gelände des ehemaligen Güterbahnhofs. Der Masterplan Offenbach 2030 definiert die Entwicklung des Areals zu einem Quartier, in dem Wohnen und Arbeiten kombiniert werden können, als ein Schlüsselprojekt der Stadtentwicklung für den Osten der Stadt. Hier überzeugten sich die Stadtverordneten vom geplanten Verhältnis zwischen Wohn- und Bürobebauung sowie vom Standort des geplanten Gymnasiums.

„In Offenbach passiert so viel,“ zieht Stadtverordnetenvorsteher Stephan Färber Bilanz, „wir hätten locker eine zweitätige Veranstaltung aus der Gemarkungsrundfahrt machen können – und doch hätten wir nur einen Ausschnitt gesehen.“ Nach der Fahrt kehrten die Stadtverordneten in die Käsmühle ein, um frisch gestärkt über die neuen Eindrücke zu diskutieren.

Erläuterungen und Hinweise

Bildnachweise