Inhalt anspringen

Stadt Offenbach

Klimadezernentin Sabine Groß: "Klimaschutz und Klimaanpassung sind Pflichtaufgaben"

25.10.2022 – Offenbach ist eine wachsende Stadt und hat das Ziel, eine klimagerechte Stadt zu werden. Dabei stellt der Klimawandel auch Offenbach vor große Aufgaben und Herausforderungen.

Auswirkungen und Folgen des Klimawandels sind bereits für jeden sichtbar: Lange Hitzeperioden, zunehmende Trockenheit und extreme Wettereignisse kommen häufiger vor. Mit diesen Folgen einher gehen auch ein sinkender Grundwasserpegel, drohender Trinkwassermangel und Auswirkungen auf Umwelt und Natur. Dies war in den Sommermonaten auch am Schultheis-Weiher gut zu beobachten. Hier kam es erneut zu einer Massenentwicklung von Blaualgen. Dass sich die Stadt auf die Folgen des Klimawandels vorbereiten muss, war schon Grundlage der Erkenntnisse des Klimaanpassungskonzeptes aus 2017. Dieses wurde 2020 mit dem Klimakonzept 2035 verknüpft und sieht neue Klimaschutzmaßnahmen vor, die von der Stadt Offenbach nach und nach umgesetzt werden.

Bürgermeisterin und Klimadezernentin Sabine Groß: „Als Klimadezernentin nehme ich die Themen Klimaschutz und Klimaanpassung sehr ernst. Wir erleben die Folgen des Klimawandels schon jetzt und viel früher als wir befürchtet haben, da die Erderwärmung schneller abläuft als erwartet. Sichtbar wird sie durch Extremwetterereignisse weltweit. Es kommt vermehrt zu Hitzeperioden und Feuern, auch extreme Niederschläge nehmen zu. Dass Offenbach hier keine Ausnahme ist, zeigen die Starkregenereignisse der vergangenen Jahre. Klimaschutz und Klimaanpassung sind daher Pflichtaufgaben unserer Stadt.“

Mit dem Beschluss der Stadtverordneten zum Klimakonzept 2035 bekennt sich die Stadt Offenbach im Jahr 2020 zu Klimaschutz und Klimaanpassung und hat die entsprechenden Maßnahmen auf den Weg gebracht. Im Konzept wurden die aktuellen Entwicklungen in Offenbach mit allen städtebaulichen Projekten, die derzeit bekannt sind, aufgegriffen und abgebildet. Der derzeitige Umsetzungsstand einzelner Maßnahmen zeigt, die Stadt und das Amt für Umwelt, Energie und Klimaschutz stellen sich den Entwicklungen und Problemen des Klimawandels, setzen die Maßnahmen aus dem Klimakonzept nach und nach um und entwickeln zusätzlich Modellprojekte mit überregionaler Strahlkraft. Dazu gehört insbesondere die Inbetriebnahme der Phosphateliminationsanlage (PEA) am Schultheis-Weiher, die in diesem Jahr installiert wurde.

Mit der Aktualisierung der Klimafunktionskarte Offenbachs wurde zudem ein Zukunftsszenario der klimatischen Entwicklung in der Stadt für 2050 aufgestellt.

Ausgehend vom aktuellen Emissionswert von rund 7 Tonnen CO2eq (Äquivalente) pro Einwohnerin und Einwohner soll laut Klimakonzept 2035 – das im Dezember 2020 beschlossen wurde – für die folgenden 30 Jahre von 2020 bis 2050 der Wert alle fünf Jahre um eine Tonne reduziert werden. Durch das sogenannte „Klimaurteil“ (Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts zum Klimaschutz vom 24. März 2021) ergab sich eine Novelle des Klimaschutzgesetztes am 24. Juni 2021, woraufhin unter anderem eine Treibhausgasneutralität in Deutschland bis 2045 zum Ziel gesetzt wurde. Demnach muss die Stadt Offenbach die Anstrengungen noch verstärken.

Neben den Maßnahmen, die Politik und Verwaltung auf den Weg bringen, ist auch jede Bürgerin und jeder Bürger gefragt, etwas zum Klimaschutz und zur Klimaanpassung beizutragen. Denn immer, wenn wir heizen, essen, einkaufen, elektrische Geräte verwenden oder mit Verkehrsmitteln unterwegs sind, entstehen meistens auch Treibhausgas-Emissionen, die Ursache für die Erderwärmung sind. „Um den Klimawandel zu bremsen, braucht es Veränderungen in allen Bereichen unserer Gesellschaft. Auch unseres eigenen Verhaltens. Klima- und Umweltschutzmaßnahmen sind in allen Bereichen erforderlich. Klimaschutz und -anpassung geht jeden an“, betont Klimadezernentin Sabine Groß. Die Stadt Offenbach stellt Bürgerinnen und Bürgern Informationen und Veranstaltungs- sowie Weiterbildungsangebote auf www.offenbach.de/umwelt zur Verfügung. Ein zentraler Baustein der Arbeit des Amtes für Umwelt, Energie und Klimaschutz ist auch die Umweltbildung für Kinder und Erwachsene.

Die Kosten durch die Folgen des Klimawandels können sehr hoch ausfallen, wenn Städte sich nicht vorbereiten und Maßnahmen zur Klimaanpassung umsetzen. „Dabei darf nicht auf die augenblicklichen Kosten geschaut werden, viel mehr muss sich der Blick in die Zukunft richten. Eine Hochrechnung speziell für Offenbach existiert derzeit nicht, aber Städte mit hoher Siedlungsdichte sind besonders anfällig für Klimafolgen. Aus einer Studie im Auftrag des Bundeswirtschaftsministeriums geht hervor, dass in den zurückliegenden 22 Jahren in Deutschland jährlich im Schnitt mindestens 6,6 Milliarden an Schäden durch Extremwetterergebnisse entstanden sind. Insgesamt knapp 145 Milliarden Euro. Umso wichtiger ist es, präventiv tätig zu werden“, erläutert Sabine Groß. Der Klimawandel kann sich regional sehr unterschiedlich auswirken. Die Schäden sind folglich schwer kalkulierbar und auch von Klimavorhersagen, klimapolitischen Maßnahmen sowie räumlich und zeitlich abhängig.

Zu den wichtigen Themen des Klimaschutzes und der Klimaanpassung sowie Maßnahmen aus dem Klimakonzept 2035 der Stadt Offenbach gehören aktuell die Klimarelevanzprüfung, die neue Klimasprechstunde, die Fortführung der kostenlosen Energieberatung, der Hitzeaktionsplan, die wassersensible Stadtentwicklung (im Sinne des Konzeptes „Schwammstadt“), die aktualisierten Klimafunktionskarten und Planhinweiskarten sowie die Phosphateliminationsanlage (PEA) am Schultheis-Weiher. „Mit diesen Maßnahmen, für die Offenbach teils auch bundesweit als Vorreiter wahrgenommen wird, hat die Stadt bereits eine überregionale Medienaufmerksamkeit erzielt“, unterstreicht Sabine Groß.

Hintergrundinformationen zu aktuellen Maßnahmen aus dem Klimakonzept 2035:

Klimarelevanzprüfung

Aufgrund der schon heute spürbaren Folgen des Klimawandels überprüft die Stadt Offenbach seit August alle Vorhaben der Stadt Offenbach auf mögliche Auswirkungen auf das Klima. „Politik und Verwaltung stehen in der Verantwortung, dass sich die Stadt gegen die Folgen des Klimawandels wappnet und bestenfalls auf Vorhaben verzichtet, die den Klimawandel und dessen Auswirkungen noch weiter verschärfen“, erläutert Bürgermeisterin und Klimadezernentin Sabine Groß den Beschluss von Magistrat und Stadtverordnetenversammlung, der am 21. Juli 2022 in Kraft getreten ist. Dieser sieht vor, dass allen Anträgen des Magistrats eine Einschätzung zur Klimarelevanz des Vorhabens als zusätzliche Information zur Beschlussfassung beigefügt wird. Damit soll noch vor einer Beschlussfassung deutlich werden, ob das Vorhaben einen eher positiven, negativen oder neutralen Einfluss auf das Klima hat. Mit der Klimarelevanzprüfung werden die Themen Klimaschutz und Klimaanpassung zum ersten Mal als eine gesonderte, verpflichtende Aufgabe für alle Ämter und Beteiligungen der Stadt festgelegt.

Klimasprechstunde

Seit diesem Sommer bietet Sabine Groß als zuständige Bürgermeisterin und Klimadezernentin eine Klimasprechstunde für Bürgerinnen und Bürger an. Die Klimadezernentin berichtet während der Sprechstunde, welche Maßnahmen die Stadt Offenbach trifft, um den Folgen des Klimawandels zu begegnen. Was kann dagegen getan werden? Wie kann das Leben in der Stadt klimagerechter gestaltet werden? Und was tut die Offenbacher Stadtverwaltung dafür? Die Sprechstunde findet in unregelmäßigen Abständen statt. Termine werden auf www.offenbach.de/umwelt (Öffnet in einem neuen Tab) bekannt gegeben.

Kostenlose Energieberatung für Unternehmen

Die Klimakrise und die Energiekrise stellt Offenbacher Unternehmen aktuell vor viele Herausforderungen. Das Amt für Umwelt, Energie und Klimaschutz bietet bereits seit 2013 eine kostenlose Vor-Ort-Beratung an. So lassen sich die Betriebskosten durch erhöhte Energieeffizienz und die Nutzung erneuerbarer Energien deutlich senken. Termine zur Beratung, derzeit für Unternehmen am Kaiserlei, können unter energieeffizienzoffenbachde  oder unter der Rufnummer 069 8065 4260 vereinbart werden.

Hitzeaktionsplan

Der Hitzeaktionsplan der Stadt Offenbach – kurz HAP – soll Hitzeschäden und Krankheiten durch übermäßige Hitzebelastungen für Menschen verhindern. Dafür sieht der HAP verschiedene Maßnahmen vor, die jede Bürgerin und jeder Bürger einzeln leisten kann. Der Hitzeaktionsplan besteht aus einer Informationskaskade, die im Falle einer Hitzewarnung des Deutschen Wetterdienstes (DWD) aktiviert wird. Die Stabsgruppe des Amtes für Umwelt, Energie und Klimaschutz entscheidet dann, welche Informationen verbreitet und welche Maßnahmen umgesetzt werden. Das Amt für Umwelt, Energie und Klimaschutz versorgt auch alle Akteurinnen und Akteure mit aktuellen Informationen. Der Hitzeaktionsplan ist eine Maßnahme aus dem Integrierten Klimaanpassungskonzept der Stadt Offenbach. Er wird seit 2020 umgesetzt.

Wassersensible Stadtentwicklung (Konzept der „Schwammstadt“)

Bei der Klimaanpassung verfolgt die Stadt Offenbach Maßnahmen zum Weg Offenbachs hin zu einer Schwammstadt. Die Schwammstadt umfasst dabei allgemein Maßnahmen zur Rückhaltung, Versickerung und Verdunstung von Wasser. Das Wasser soll so lange wie möglich vor Ort zurückgehalten werden, zum Beispiel über Versickerungsmulden, Gründächer und Zisternen. So kann das Regenwasser als wertvolle Ressource bei immer trockener und heißer werdenden Sommern für das Grün in der Stadt und zum Anreichern des Grundwassers genutzt werden. Aber auch um Abflussspitzen von Wasser zu vermeiden, die die Kanäle überlasten und für Überflutungen sorgen. Weiterhin sorgt die Verdunstung für die Kühlung der Wärmeinsel Stadt.

Die Stadt Offenbach steht hier am Anfang und setzt bisher einzelne Maßnahmen wie die Niederschlagswassersatzung oder die Entsiegelungsrichtlinie um, bei der die Stadt private Entsiegelungen finanziell fördert. Die Stadt arbeitet derzeit an einem Konzept, das die Maßnahmen zur Schwammstadt zusammenfasst und eine gezielte Umsetzung möglich macht.

Aktualisierte Klimafunktionskarten und Planhinweiskarten

Die Klimafunktionskarten für Offenbach am Main wurden im vergangenen Jahr aktualisiert, um die rasante bauliche Entwicklung aufzunehmen und so eine bessere Datengrundlage abzubilden. Auf einer gesamtstädtischen Perspektive zeigen sie belastete Stadträume und Ausgleichsräume. Die Zahl der heißen Tage mit Höchstwerten über 30 Grad und der sogenannten Tropennächte, in denen die Temperatur nicht unter 20 Grad absinkt, wird weiter zunehmen. Die Klimafunktionskarten identifizieren unter anderem die Wärmeinseln im Stadtgebiet und zeigen, wo besonderer Handlungsbedarf besteht.

Neben einer aktuellen Klimafunktionskarte, die den Stand 2021 abbildet, wurde auch ein Zukunftsszenario errechnet. Für dieses Zukunftsbild wurden zum Stand April 2021 städtebauliche Entwicklungsgebiete und ein globaler Temperaturanstieg von 2 Grad Celsius (+2 Grad Celsius beziehungsweise + 2 Kelvin) durch den Klimawandel einbezogen. Wichtig ist, dass die Klimafunktionskarten "Worst-Case-Szenarien" abbilden. Das bedeutet, dass ein besonders heißer Sommertag mit wenig Wind und Wolken dargestellt wird. Die Karten zeigen daher keinen durchschnittlichen Sommertag.

Neben Klimafunktionskarten verfügt die Stadt zudem über Planhinweiskarten. Diese bilden ebenfalls eine gesamtstädtische Perspektive ab und geben allgemeine Planungshinweise für Teilräume der Stadt, um stadtplanerisch das Stadtklima in den Teilräumen zu verbessern.
Die Planungshinweiskarten sind Weiterentwicklungen der Klimafunktionskarten und berücksichtigen neben klimatischen Aussagen auch soziodemographische Daten. So flossen zum Beispiel Daten zu vulnerablen Gruppen ein, also besonders von den Auswirkungen des Klimawandels betroffene Personengruppen. Hierzu zählt insbesondere, wo Menschen über 75 Jahre, unter 6 Jahren oder mit geringerem Einkommen wohnen oder wo soziale Infrastrukturen (Kitas, Seniorenheime, Krankenhäuser) in Offenbach verortet sind. Mit der Verschneidung dieser Daten können sogenannte „sensitive“ Gebiete sichtbar werden.

Phosphatbeseitigung am Schultheis-Weiher als Pilotprojekt

Am Schultheis-Weiher kommt es in den vergangenen Jahren in den Sommermonaten immer wieder zu einer Massenentwicklung von Cyanobaterien (Blaualgen). Oftmals ist ein vorübergehendes Badeverbot die Folge, da ein Teil der Cyanobakterienspezies Toxine produzieren kann, die auch für Menschen gesundheitsgefährdend sein können.

Doch wie kommt es zu dieser vermehrten Entwicklung von Blaualgen? Unterschiedliche Faktoren, darunter auch die Folgen des Klimawandels, haben sich in den letzten Jahren negativ auf das Ökosystem Schultheis-Weiher ausgewirkt. Der Eintrag von Nährstoffen aus dem Gewässerumfeld, steigende Temperaturen, längere Perioden intensiver Sonneneinstrahlung, sinkende Grundwasserspiegel und das Auftreten invasiver Arten, wie der Nilgans und dem Roten Amerikanischen Sumpfkrebs, bringen den Weiher immer häufiger aus dem ökologischen Gleichgewicht. Die extrem heißen und trockenen Sommer der letzten Jahre in Verbindung mit der hohen Nährstoffverfügbarkeit begünstigen das explosionsartige Wachstum von Algen und Cyanobakterien. Nach dem Absterben zehrt der Abbau dieser Biomasse große Mengen Sauerstoff und sorgt regelmäßig für anaerobe (sauerstoffarme) Bedingungen im Gewässer. Als Folge kam es im Sommer 2017, 2019 und 2021 zum Fischsterben.

Im Zuge der Gewässerrestaurierung wurde dieses Jahr am Schultheis-Weiher eine Phosphateliminationsanlage (PEA) von der Stadt Offenbach in Betrieb genommen. Die Anlage entfernt Phosphate aus dem Gewässer und trägt gleichzeitig Sauerstoff ein. Bei durchgängigem Betrieb kann die Anlage pro Jahr bis zu 250.000.000 Liter Wasser behandeln. Parallel zu den Reinigungsmaßnahmen wird die Gewässergüte fortlaufend überwacht. Die PEA an einem Weiher dieser Größe ist ein Pilotprojekt und die Auswirkungen der externen Phosphatelimination können sich erst nach einer ausreichenden Anlagenlaufzeit einstellen. Eine Testphase von 5 Jahren ist vorgesehen. „Mit der PEA wollen wir die Wasserqualität verbessern, aber die Anlage kann keine Wunder vollbringen. Die extremen Temperaturen und die sehr geringen Niederschlagsmengen im Sommer wirken sich natürlich aus. Im Moment sammeln wir Daten und Erfahrungswerte und die Anlage wird in enger Absprache mit dem Regierungspräsidium Darmstadt feinjustiert“, sagt Sabine Groß, Bürgermeisterin und Klimadezernentin.


Amt für Umwelt, Energie und Klimaschutz

Stadt Offenbach am Main - Kaiserpalais
Kaiserstraße 39
63065 Offenbach

Hinweise zur Erreichbarkeit

S-Bahn-Linien 1, 2, 8, 9 (Haltestelle Offenbach Marktplatz) Buslinien 103, 104, 108, 551, 41 (Haltestelle Rathaus)

Weitere Hinweise

Parkhaus KOMM, Parkhaus IHK Offenbach, Parkgarage Rathaus, Öffentliche Parkplätze am Mainufer

Öffnungszeiten

Montag - Freitag:
09:00 - 12:00 Uhr

und nach Vereinbarung

Erläuterungen und Hinweise