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Anfang der 2000er Jahre wurde eine Theorie zu Standorten und Standortentscheidungen berühmt, die zunächst in den USA und etwas zeitversetzt auch in Europa viel Beachtung erfuhr und erfährt.

Dabei handelt es sich um die Theorie der Kreativen Klasse nach Richard Florida. Mit seinem Buch `The Rise of the Creative Class´ im Jahr 2002 löste Richard Florida eine intensive weltweit geführte Diskussion in der Wissenschaft und auf wirtschafts- und regionalpolitischen institutionellen Ebenen über die Theorie der Kreativen Klasse aus.

Grundsätzlicher Hintergrund seiner Überlegungen ist der Wandel der Arbeitswelt durch den Übergang von der Industrie- zur Wissenschaftsgesellschaft, die einhergeht mit immer kürzeren Produktlebenszyklen und einem sich daraus ergebenden immer größer werden Innovationsdruck. Dieser führt zu immer wissensintensiveren Anforderungen an die Arbeitswelt und damit an die Beschäftigten.

In seiner Theorie beschreibt er die Zusammenhänge, die Regionen und damit Standorte aufweisen müssen, um dauerhaft diesen wissensintensiv Tätigen und damit kreativen Personen ideale Standortbedingungen zu bieten und hierdurch den Standort dauerhaft wirtschaftlich erfolgreich zu gestalten. Er stellt in seiner Theorie heraus, dass diese gut ausgebildeten und kreativen Fachkräfte nicht mehr dorthin gehen, wo sie eine Beschäftigung finden (people follow the job), sondern sich stattdessen die Standortwahl der Unternehmen nach der Wohnortwahl der Kreativen richtet (jobs follow the people). Florida beschreibt somit einen Zusammenhang zwischen der Ballung kreativer Tätigkeiten, dem Vorhandensein von Innovationen und dem wirtschaftlichen Wachstum an bestimmten Standorten.

Als wesentliches Merkmal hierfür zieht er die sog. Kreative Klasse heran. Diese wird nach Florida dadurch determiniert, dass sie innovativ arbeitet, Probleme identifizieren und lösen kann, dabei bekanntes und erlerntes Wissen neu zusammensetzen und kombinieren und damit Innovationen auslösen kann.¹ 

Als Voraussetzung für das Vorhandensein und das Wachstum der Kreativen Klasse beschreibt Florida drei Kriterien, die auch als die `drei T´s´ benannt werden. Diese stehen für Talente, Technologie und Toleranz. Dabei reicht es nicht aus, wenn nur zwei der Merkmale vorhanden sind. Alle drei Kriterien müssen vorhanden sein, um das Wissenspotenzial in einer Region sicherstellen und ausschöpfen zu können.

  • Unter Technologie wird dabei das Vorhandensein zukunftsträchtiger Technologien und damit Industrien z.B. in den Branchen IT, Medien, Robotik oder Biochemie verstanden.
  • Mit Talente wird das Vorhandensein einer signifikant hohen Anzahl von Arbeitskräften, die in kreativen und damit wissensintensiven Bereichen tätig sind, bezeichnet.
  • Das T für Toleranz, steht für eine offene und tolerante Gesellschaft am Standort, in der die Entfaltung des Einzelnen individuell und frei möglich ist.²

In Europa und insbesondere in Deutschland wird häufig anstelle von Kreativer Klasse der Begriff Kultur- und Kreativwirtschaft für Floridas theoretischen Ansatz verwendet.

Im Juni 2008 wurde von der Wirtschaftsministerkonferenz der Länder für Deutschland eine Begriffsdefinition für Kultur- und Kreativwirtschaft festgelegt, die wie folgt lautet: „Unter Kultur- und Kreativwirtschaft werden diejenigen Kultur- und Kreativunternehmen erfasst, welche überwiegend erwerbswirtschaftlich orientiert sind und sich mit der Schaffung, Produktion, Verteilung und/oder medialen Verbreitung von kulturellen/kreativen Gütern und Dienstleistungen befassen.“³ 

Somit schließt diese Definition nicht nur den schöpferischen Akt ein, sondern stellt auch die erwerbswirtschaftliche Ausrichtung in den Vordergrund und berücksichtigt die Distribution der geschaffenen Güter und Werte.

Elf Teilmärkte oder Branchen werden nach der Wirtschaftsministerkonferenz der Länder der Kultur- und Kreativwirtschaft zugerechnet.

  • Musikwirtschaft
  • Buchmarkt
  • Kunstmarkt
  • Filmwirtschaft
  • Rundfunkwirtschaft
  • Markt für darstellende Künste
  • Designwirtschaft
  • Architekturwirtschaft
  • Pressemarkt
  • Werbemarkt³

Quellen:
¹ Reich, M. P. (2013): Kultur- und Kultur- Kreativwirtschaft in Deutschland. Hype oder Zukunftschance der Stadtentwicklung? S. 22f.
² Farhauer, O.; Kröll, A. (2014): Standorttheorien. Regional- und Stadtökonomik in Theorie und Praxis. S. 229ff.
³ Söndermann, M. (2012): Monitoring zu ausgewählten Eckdaten der Kultur- und Kreativwirtschaft 2010. S. 8f.