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Offenbach, den 05.06.2015

Innovative Heiztechnik trifft auf nachhaltige Mobilität: Zusammen mit ihrer Geschäftspartnerin Anke Thielking vertreibt Regina Roppenecker mit ihrem Offenbacher Unternehmen Redwell Frankfurt in der Strahlenbergerstraße 125A energiesparende und CO2-freie Infrarot-Heizsysteme. Da war es für sie nur folgerichtig, bei ihrem kleinen Fahrzeugpool auf die ebenfalls sparsame und emissionsfreie Elektromobilität zu setzen. Seit über einem Jahr ist Regina Roppenecker eMiO-Pionierin. Das heißt: Sie hat im Rahmen des Projektes eMiO – Elektromobilität in Offenbach“ von der Stadtwerke Offenbach Unternehmensgruppe (SOH) für drei Jahre ein Elektroauto samt Servicepaket gemietet.
Regina Roppenecker vom Redwellstore im Interview
© Monika Müller

Frau Roppenecker, wie sind Sie eMiO-Pionierin geworden?
Das war vor etwas über einem Jahr, im März 2014. Wir hatten zunächst überhaupt nicht an ein Elektrofahrzeug gedacht. Meine Kollegin und ich betreiben das Unternehmen zusammen, wir sind also ein Frauenunternehmen. Damals haben wir dringend ein Fahrzeug gebraucht. Aber man hat uns Frauen in den Autohäusern in Frankfurt und Umgebung nicht beraten. Wir sind da einfach nicht wahrgenommen worden. Offenbar hat niemand geglaubt, dass wir Frauen auch mündige Bürgerinnen sind, die über Geld verfügen.

Man hat Sie da einfach stehen gelassen?
Ja, entweder das oder wir wurden nur sehr halbherzig beraten. Diese Erfahrung haben wir in sieben bis acht verschiedenen Autohäusern und bei unterschiedlichen Marken gemacht. Wir hatten dann irgendwann keine Lust mehr und waren schon kurz davor, aufzugeben oder unsere Männer mitzunehmen, was wir aber ungern machen wollten. Dann habe ich in der Offenbacher IHK-Zeitschrift einen Artikel über eMiO gelesen und einfach bei Herrn Jens Battenfeld angerufen und ihn gefragt: Vermieten Sie Ihre Fahrzeuge auch an Frauen? Er hat gelacht und sich dann wirklich sehr bemüht und ist sofort bei uns gewesen. Wir waren erst unsicher wegen des Modells. Das erste, das wir Probe fuhren, gefiel uns nicht. Wir haben uns dann für den kleinen Mitsubishi interessiert. Nach ein paar Tagen waren wir entschieden, entgegen aller Ratschläge aus unserem Umfeld dieses Auto zu nehmen.

Das umweltfreundliche eMiO-Fahrzeug passt ja sehr gut zu Ihrem Unternehmen. Schließlich sind Sie ebenfalls im Klimaschutz engagiert und vertreiben Infrarotheizungen, die keinerlei CO2-Ausstoß produzieren.
Ganz genau. Unsere Heizungen werden überdies unter Verwendung von 100 Prozent Ökostrom hergestellt. Dennoch wird das Thema Infrarotheizung genauso skeptisch betrachtet wie das Thema Elektromobilität. So wie man sich fragt, ob ein Elektroauto wirklich von der Reichweite her genügen kann, so wird auch bei uns gefragt, ob unsere Heizungen wirklich genügend Wärme erzeugen, ob einen da nicht die Stromkosten auffressen und ob das Ganze überhaupt Zukunft hat.
Da haben wir gedacht: Das passt genau zueinander. Jetzt sind wir genauso mit unserem Produkt Infrarotheizung wie auch mit der Elektromobilität Vorreiter. Und beides klappt ganz hervorragend.

Sie sind ein kleines Unternehmen. Wie viele Beschäftigte haben Sie?
Wir machen das zu zweit. Meine Kollegin und ich kümmern uns um den Vertrieb. Für die Montage der Heizelemente beschäftigen wir zwei Aushilfen. Dieser Service bietet einfach keinen Raum für eine ganze Stelle. Die Installation ist so leicht, dass jeder halbwegs handwerklich begabte Mensch, der nicht zwei linke Hände hat, das auch selber erledigen kann.

Wie viele Dienstwagen haben Sie im Einsatz?
Zwei. Mehr brauchen wir nicht, schließlich liefern wir ja kaum selber aus. Unser Werk ist in Österreich. Der Kunde erhält die Ware per Spedition. Nur zu etwa zehn Prozent fahren wir selber aus. Und da passt tatsächlich auch einiges in den Mitsubishi hinein. Für die Gegend hier reicht das völlig aus. Falls nicht, leihen wir uns hier in Offenbach über den Car-Sharing-Partner stadtmobil ein größeres Transportfahrzeug, zum Beispiel für den Messeaufbau. Wir sind zu etwa sieben Messen im Jahr unterwegs.

Welche Erfahrungen haben Sie mit Ihrem Elektroflitzer gemacht? Nach einem Jahr kann man sicherlich ganz gut Bilanz ziehen.
Im Sommer ist der Spaß deutlich größer. Die Reichweite ist dann höher. Im Winter ist es wirklich ein Manko, dass die Heizung viel Energie benötigt.

Da müsste also eine sparsame Infrarotheizung her.
(lacht) Ja, genau. Also für verfrorene Menschen ist die Heizung in unserem Elektroauto nicht geeignet. Der Komfort im Winter ist nicht sehr hoch. Das muss man schon fairerweise sagen. Dafür steht das eMiO-Angebot im Preis-Leistungsverhältnis ungeschlagen dar. Wir bezahlen 329 Euro im Monat für das Rundum-sorglos-Paket mit Wartung, Reifenwechsel und Versicherung. Für diesen Betrag finanzieren Sie üblicherweise keinen Kleinwagen mit herkömmlichem Antrieb, wenn man alles zusammenrechnet.

Wo laden Sie Ihr Fahrzeug?
Wir sind hier in der Strahlenberger Straße ja nicht weit weg von der EVO in der Andréstraße. Da stelle ich oft das Fahrzeug zum Laden ab und laufe dann die zwei Kilometer hierher. Wenn ich weiß, dass ich nur im Büro bin, kann das Auto dort stehen bleiben. Das ist für mich sehr praktisch und ein schöner Spaziergang. Ansonsten lade ich das Auto zu Hause in der Garage.

Sind Sie jemals mit dem Auto liegen geblieben?
Nein, noch nie. Ich glaube, das ist überhaupt nicht möglich, wenn man die Sache ein bisschen plant. Natürlich ist man am Anfang sehr nervös und schaut dauernd auf die Anzeige. Ich wohne in Heusenstamm, das sind elf Kilometer Entfernung. Wenn ich nur ins Büro fahre, auf dem Nachhauseweg vielleicht noch was einkaufe oder zum Sportstudio fahre, sind das alles Ziele, die in unmittelbarer Nähe liegen. Da muss ich vielleicht nur alle vier Tage mal an die Stromtankstelle. Im betrieblichen Alltag fahre ich mit dem Mitsubishi 120 Kilometer weit.

Gab es besondere Erlebnisse mit Ihrem E-Auto?
Die gibt es immer wieder mal. An der Ampel hat mir mal ein junger Mann Zeichen gegeben, ich möge die Scheibe runterkurbeln. Dann hat er mir zugerufen: „Madame, Sie verlieren Treibstoff.“ Und sich fast totgelacht. Man fällt schon auf mit solch einem Auto. Ich werde immer wieder mal angesprochen. Meistens, wenn ich an das geparkte Fahrzeug zurückkomme. Dann haben schon oft Leute drum herum gestanden und sich gefragt, was das für ein Auto ist. Meist kommen dann immer wieder dieselben Fragen, nach der Reichweite oder den Kosten. „Aber die Akkus sind doch nicht so haltbar“, wird dann gerne das wiederholt, was die Medien so kommunizieren.

Sie werden auf Ihre Erfahrungen regelmäßig von der Begleitforschung angesprochen, die mit dem eMiO-Projekt einhergeht. Damit helfen Sie den Wissenschaftlern bei der Auswertung.
Ja, sonst tut sich ja nichts. Mein Aufwand dafür hat sich in Grenzen gehalten. Das waren vielleicht vier oder fünf Termine in einem Jahr.

Würden Sie sich nach Ablauf der Mietdauer wieder für ein Elektroauto als Firmenwagen entscheiden?
Auf jeden Fall. Ich würde aber wahrscheinlich ein anderes Modell mit etwas mehr Komfort nehmen. Da wir nicht mit dem Auto verreisen, könnte ich mir ein Elektrofahrzeug auch für den Privatgebrauch vorstellen.

Ihr Fazit nach über einem Jahr eMiO?
Also für uns war es die absolut richtige Entscheidung, eMiO-Pionier zu werden. Unser kleiner Mitsubishi ist sehr zuverlässig. Es gab noch nie Probleme mit der Reichweite. Und sogar eine Infrarotheizung können wir damit im Stadtgebiet ausliefern. Wir werden auf jeden Fall dabei bleiben und Elektromobilität weiter fördern.

Das Gespräch führte Jörg Muthorst

eMiO ist ein Projekt im Rahmen der Modellregion Elektromobilität Rhein-Main. Dank der Förderung durch das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur vermag die SOH Vermietung und Fahrzeugservice in einem äußerst preisgünstigen Paket zu bündeln.
Mehr zu Redwell-Heizsystemen und zum eMiO-Projekt unter www.redwell-frankfurt.de und auf dieser Website.